Bötchen fahren
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 09. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Ich habe Ihnen noch nicht viel von meinem Urlaub in Argentinien erzählt.
Der Weihnachtstag wurde im “Delta” verbracht – einer Gegend mit Kanälen und Flüssen und dichter Vegetation ungefähr eine Stunde entfernt von der Innenstadt von Buenos Aires. Hier hat mein ältester Sohn ein liebenswertes Cottage an der Küste für 230.000 Dollar gekauft. Im Delta ist natürlich alles am Wasser… selbst solche Orte, die eigentlich von Land umschlossen sein sollten. Wenn die Flut steigt, dann schwappt sie über die Bollwerke und die Deiche… und füllt die Schwimmbecken und die Keller… und überflutet die Hinterhöfe.
“Yeah… hier unten ist es fantastisch…”, erklärte er, als er mich mit dem Boot zu seinem Besuch in diese Gegend mitnahm. Abgesehen davon ist sein Haus auf einer Insel, dorthin kommt man nur mit dem Boot.
Alle reisen mit dem Boot. Es gibt einige Möglichkeiten des Transports über Wasser – darunter auch hölzerne Barkassen, die als ‚Collectivo’ – Wasserbusse – bekannt sind.
Nachdem wir den Ort Tigre verlassen hatten, fuhren wir weiter… erfreuten uns an der Sonne… den Wellen… den Booten… und den bronzefarbenen Bodybuildern, die die Boote fuhren… während die Mädels hinten sitzen.
Hinter uns landete braunes Kielwasser in Wurzeln und Schlamm und ließ noch mehr Erde in den bereits verschlickten Fluss schwemmen. Viele Häuser sind auf dem Stelzen gebaut. Viele sind wackelig. Einige sind bereits ins Wasser gefallen. Einige Grundstücke sind vollständig verschwunden, und haben es den vielen Booten und den vielen Wellen zu verdanken, dass jetzt nur noch die Häuser aus dem Wasser hervorgucken, wie Fischerhütten.
„Elisa Marie“ lautete das Schild an einer solchen Hütte. „Fisherman’s Paradise“, verkündete ein anderes.
„Eine Oase der Moskitos“, hieß es auf einem ehrlichen Schild.
Das Delta ist ein noch unentdeckter Schatz. Generationen von Portenos (Wie die Argentinier die Bewohner von Buenos Aires zu nennen pflegen) sind der Stadt entflohen indem sie in den Sumpf gingen… wo sie ihre kleinen Häuser gebaut haben… und einige große dazu… um sich in den Ferien zurückzuziehen. Sie haben sich dabei von ihrer Phantasie leiten lassen. Ein Haus sieht aus wie ein Schweizer Chalet. Ein anderes wie ein Haus, dass man vielleicht auch in New Hampshire finden könnte, aufrecht, in viktorianischem Stil. Wieder ein anderes gleich einer Villa in Süditalien. Eines ist zum Fischen. Ein anderes um sich zu sonnen. Und bei anderen können die Besitzer von Pier aus schwimmen gehen.
Auch hier haben sich Rudervereine etabliert. Und es gibt beispielsweise den „Skandinavischen Ruderclub“ – natürlich auf Spanisch. Aber es gibt auch den „Buenos Aires Rowing Club“ (auf Englisch). Und einen italienischen Ruderclub. Ich weiß nicht, warum die Leute im Namen des Landes, aus dem sie stammen rudern… soweit ich weiß gibt es keinen „französischen Ski-Verein“ und keinen „litauischen Kegelclub“… aber hier kann man so etwas finden.
Zu Weihnachten gab es mit all den Ruderern, den Bootsfahrern, Schwimmern, Sonnenanbetern und Grillern viel Leben im Delta. Es gibt hier keinen George Foreman Grill… aber alle scheinen gerne draußen zu kochen. Wo ich auch hinkam, konnte ich Rindfleisch riechen, das über einem offenen Grill gebraten wurde.
“Gibt es bei diesem Boot auch ein Paddel”, fragte ich meinen Sohn, als wir uns auf den Weg machten.
Wenn ein Mann erst einmal sechzig Jahre alt ist, dann will er seine Hosen mit einem Gürtel oben halten… und dazu noch Hosenträgern. In seinem Haus legt er das Vorhängeschloss vor…und nur für den Fall der Fälle auch noch eine Alarmanlage. Und wenn er einen Ausflug macht, dann nimmt er immer auch noch eine Karte mit, auch wenn er auf die Stimme des Navigators hört. Man kann ja nie wissen.
“Ja, natürlich gibt es ein Paddel”, kam die leicht genervte Antwort.
Auf halbem Wege mussten wir uns auf die Suche nach diesem Paddel machen. Der Motor war irgendwo in einer der hunderten von Meilen von Buchten und Kanälen zum Stehen gekommen.
Doch ein junger Mensch denkt über so etwas kaum nach. Für ihn ist Plan A immer gut genug. Die Preise steigen immer. Und alles wird sich irgendwann ergeben. Der Autor dieser Zeilen jedoch, kann sich an all die Pläne A erinnern, die nicht funktioniert haben. Wenn der Markt stieg, rechnete er damit, dass er fallen würde.
Wenn er in Buenos Aires in ein Taxi steigt, dann geht er davon aus über den Tisch gezogen zu werden. Und wenn er in einem Restaurant isst, dann wird ihm sicher übel. Instinktiv hält er Ausschau nach einem Plan B. Und selbst das ist noch nicht genug. Er will auch noch einen Plan C. Und eine Möglichkeit nach Hause zu kommen, wenn nichts davon funktioniert.
Doch es war alles ein nettes Abenteuer, unten im Delta. Eine Stunde paddeln… und wir waren zu Hause.