Börsenpsychologie
Tom Firley in Investors Daily
vom 6. August 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
in meinem gestrigen Beitrag zum CFD-Trading erwähnte ich, dass Börsianer, die sich dem Thema CFDs widmen wollen, genug Erfahrung mitbringen sollten.
Meine Aussage „... am besten schlechte Erfahrungen, im Sinne von Verlusten" sorgte für etwas Verwirrung.
Verluste gehören dazu
Klar, wer macht schon gerne Verluste? Aber Verluste gehören zum täglichen Börsenhandel, wie die schwarzen Tasten zu den weißen Tasten am Klavier. Natürlich können Sie als ganz langfristiger einfach Ihre Aktien liegen lassen und so im Laufe der Zeit eine breite Aktien-Sammlung anhäufen.
Aber auch hier wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit - je nach Depotgröße - eine der Aktien (oder mehrere) ins Minus laufen. Und irgendwann wird dann dieser nicht realisierte Verlust zu einem tatsächlichen Verlust.
Wer CFDs tradet, der beobachtet die Märkte täglich und fokussiert sich möglicherweise nur auf eine Handvoll Märkte oder sogar „nur" auf einen einzigen. Der CFD-Trader ist daher in der Regek daher ein Kurzfrist- oder Day-Trader. Das Ziel: Am Ende des Tages einen Gewinn erwirtschaftet zu haben. Oder aber - im schlimmsten Falle - einen Verlust, der einen aber noch ruhig schlafen lässt.
Unterm Strich muss die Anzahl der Gewinn-Trades einfach zu mehr Punkten geführt haben als die Verlust-Trades.
Vergleichen Sie das Börsenspiel mit Skat
Spielen Sie Skat? Wenn nicht, lesen Sie weiter unten noch ein anderes, kurzes Beispiel. Aber auch so dürfte Ihnen der Vergleich klar werden. Denn mit dem Skat-Spiel lässt sich das Börsenspiel recht gut vergleichen.
Gehen Sie davon aus, Sie sind ein guter Skat-Spieler. Sie treffen sich mit Ihren Skat-Brüdern und spielen um Punkte (oder einen minimalen Geldbetrag...). Die Karten werden gemischt, Sie erhalten ihr Blatt und erkennen, dass Sie ein schönes Farb-Spiel haben, sagen wir „Herz". Sie reizen also bis 20, das Spiel geht an Sie und erhalten den Stock.
Übersetzung ins Börsianische:
Guter Skatspieler: Sie haben bereits Börsenerfahrung
Spielen um Punkte: Wie bei der Börse können Sie gewinnen oder verlieren
Schönes Farbspiel: Sie finden eine Aktie, die charttechnisch (oder auch aus anderen Gründen) recht aussichtsreich aussieht.
Das Spiel geht an Sie: Sie kaufen die Aktie
Das Skatspiel geht weiter.
Mit der Aufnahme des Stocks können drei Dinge passieren:
1.) Sie erhalten genau die Karten, um einen - für die Gegenspieler teuren Grand zu spielen, statt dem „billigen" Herz. Sie können also wesentlich mehr Punkte als gedacht gewinnen.
2.) Die Karten im Stock sind ok. Sie spielen Ihr Herz und gewinnen.
3.) Die Karten passen überhaupt nicht in Ihr Blatt. Sie spielen trotzdem „Herz" und verlieren.
Auf börsianisch:
Aufnahme des Stocks (Der „Stock" sind die zwei Karten beim Skat, die Sie im Vorfeld nicht kennen): Das sind die Unwägbarkeiten an der Börse.
Zu 1): Ihre gerade gekaufte Aktie kann nach oben explodieren, weil zum Beispiel gerade eine revolutionäre Entdeckung gemacht wurde oder sich ein junges Produkt zum langfristigen Dauerbrenner entwickelt oder weil Heidi Klum kostenlos für das Unternehmen kostenlos Werbung macht.
Zu 2): Die gekaufte Aktie kann sich aber auch vollkommen normal verhalten und - wie von Ihnen gewünscht - stetig steigen.
Zu 3): Die Aktie kann fallen. Nachrichten wegen eines Hinterziehungsskandals, grottenschlechte Quartalszahlen oder auch die die „Spekulation" mit faulen Krediten (...wie bei vielen Banken) kann die Aktie in die Knie zwingen. Sie machen also Verluste.
Der springende Punkt
Wenn Sie sich an den Kartentisch setzen, gibt es also verschiedenste Möglichkeiten, wie das Spiel ausgehen kann. Sie können auch gegen schlechte Kartenspieler verlieren, Sie können mit einem Superblatt verlieren, Sie können aber auch mit einem sehr riskanten Blatt schöne Gewinne einheimsen.
Aber eines ist vollkommen klar: Sie gehen nicht an den Kartentisch, um jedes Spiel an diesem Abend zu gewinnen. Sie wissen einfach schon vorher, dass dies nicht möglich ist.
Genauso wie beim Trading...
Das andere, kurze Beispiel
Im Grunde genommen können Sie das Börsenspiel mit jedem anderen Spiel vergleichen, solange dieses Spiel kein reines Glücksspiel ist und eine gewisse Erfahrung, Taktik und Geschick erfordert.
(Skat ist übrigens kein Glücksspiel. Auf langfristige Sicht wird sich das Kartenglück immer ausgleichen. Daher wird der mental bessere Spieler einfach langfristig gewinnen)
Nehmen wir an, Sie nehmen an einem Turnier teil. Egal für welches Spiel - Schach, Halma, Mühle, Dame oder auch Mikado.
Mit Ihnen sind es 101 Teilnehmer und jeder Teilnehmer muss gegen den anderen spielen. Der Sieger bekommt pro Spiel einen Euro.
Was wäre Ihr Ziel? Natürlich würden Sie gerne alle 100 Spiele gewinnen, aber ist das realistisch? Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass es bessere, aber auch schlechtere Spieler gibt.
Ihr Ziel ist es also möglichst viele Spiele zu gewinnen, aber eben nicht alle.
Eine ähnliche Einstellung sollten Sie auch beim Trading haben, um nicht versuchen zu wollen, verbissen jeden Trade mit einem Gewinn abzuschließen. Das führt in der Regel schlussendlich dazu, dass Sie aus einem kleinen Fehler (=Verlust) einen großen machen.
Viel wichtiger ist es (wie zum Beispiel auch beim Schach), den Fehler zu realisieren und zu analysieren. Nur so können Sie (noch) besser werden.
Gewinnmitnahmen
Noch kurz zur aktuellen Börsenlage: Wie heute Morgen bereits im Investors Daily Update in meinen Beitrag „Es ist das Rohöl..." avisiert, setzen nach dem gestrigen, herausragenden Aufwärtstag heute bereits die ersten Gewinnmitnahmen ein. Daneben hatte ich heute Morgen noch eine Chartanalyse für Pfizer veröffentlicht.
Falls noch nicht geschehen, können Sie sich übrigens unter folgendem Link für den kostenlosen Zusatz-Service eintragen: Investors Daily Update
Diese Marken müssen halten
Essentiell ist jetzt, dass die 6.500 im Dax und die 11.500 im Dow Jones „hält" - die Bullen in den nächsten Tagen den Kampf um diese Marken für sich entscheiden.
Im Chart habe ich die beiden Indizes gemeisam abgebildet und die jeweiligen Marken rot gekennzeichnet. Sehr schön erkennen Sie auch hier ein weiteres die Gleichförmigkeit der beiden Kursverläufe. Besser gesagt: Sie sehen hier die „Abhängigkeit" des kleinen Dax vom großen Bruder Dow Jones...
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley