Börsenaufsicht ermittelt...
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 6. Juni 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Ach ja....so eine Börsenaufsicht würde ich mir auch für unsere europäischen Börsen wünschen...
Um was es geht:
In den USA ermittelt die Börsenaufsicht für den Rohstoff-Future Handel (CFTC, steht für „Commodity Futures Trading Commission").
Und wenn in den USA eine Börsenaufsicht ermittelt, dann klicken auch mal Handschellen. Da bleibt es bei keinen freiwilligen Selbstverpflichtungen oder ähnlichen „Wischi-Waschi-Regelungen" wie festgestellter Verstoß gegen Handelsvorschriften, doch keine Sanktion vorgesehen.
Im Visier der Ermittler: Der Handel mit Öl-Futures.
Die CFTC hat angekündigt, dass sie „wichtige Schritte unternimmt, um sicherzustellen, dass die US-Energie-Future Markt richtig funktioniert, frei von Manipulation und Missbrauch."
("The Commission is taking important steps to ensure that the U.S. energy futures markets function properly and operate free from manipulation and abuse.")
Und weiter heißt es: "Mit dieser Initiative (...) bringen wir größeren Sonnenschein an diese Märkte." (With these initiatives we are (...) bringing greater sunshine to these markets."
Schön formuliert, oder? Und gekoppelt mit harter Ermittlungsarbeit.
Wenn die CFTC so etwas mitteilt, dann hat sie - meiner Einschätzung nach - konkrete Adressen in Verdacht. In Verdacht, beim Handel mit Öl-Futures manipuliert zu haben, oder sich in eine falsche Klasse eingeordnet zu haben (es gibt die drei Klassen Kommerzielle, große und kleine Spekulanten).
Tja, und seit dieser Ermittlungen Anfang Juni begonnen haben, fällt der Ölpreis.
Besteht da ein Zusammenhang?
Meine Einschätzung: Ganz offensichtlich haben einige „Adressen" schnell ihre Öl Long-Positionen glattgestellt. Das hat auf den Ölpreis gedrückt.
Wenn die Ermittlungen der CFTC einige schwarze Schafe ausfindig machen, dann müssten diese ihre Öl Positionen voraussichtlich liquidieren.
Vielleicht auch andere Rohstoff-Positionen.
*** Mit anderen Worten: In den nächsten Tagen könnten uns am Rohstoff-Markt einige schwache Tage bevorstehen. Nämlich genau dann, wenn die Börsenaufsicht einige schwarze Schafe (= Spekulanten, die beim Traden mit Futures ungesetzlich manipuliert haben) findet und diese Adressen ihre Future-Positionen glattstellen müssen.
Doch bitte beachten Sie: Der durch solche Ereignisse hervorgerufene kurzfristige Rückgang der Rohstoff-Preise wäre durch „Sonderfaktoren" hervorgerufen, nicht durch die fundamentale Entwicklung.
Insofern würde dieser Rückgang meiner Ansicht nach eine schöne Einstiegsmöglichkeit bieten.
Nun, wir werden es sehen! Beim Öl bin ich derzeit jedenfalls nicht mit von der Partie, weder long noch short.
Bei einigen Rohstoffen würde ich mich freuen, wenn deren Preise im Zuge der CFTC-Ermittlungen ebenfalls unter Druck geraten würden. Denn es gibt noch so ein oder zwei Werte, bei denen ich gerne auf der Long-Seite dabei wäre, wenn sich ein guter Einstiegskurs ergibt.
Fazit: Wenn es um Rohstoffe geht, dann sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass die Profis da nächst Woche verstärkt auf die Ermittlungen der CFTC achten werden. Die Kursentwicklung könnte deshalb einige Tage „zufällig" bleiben, im Sinne von „nicht abschätzbarer Ergebnisse der CFTC".
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,
Ihr
Michael Vaupel