Börse

Märkte: Doch stabiler als gedacht?

Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Börse
vom


 

letzte Woche schrieb ich an dieser Stelle:

[...] relativ lange ging es nun wieder aufwärts an den Märkten. Das alleine ist natürlich kein Kriterium für eine anstehende Korrektur, aber es gibt aus meiner Sicht tatsächlich einige Indizien, die im Moment ein wenig zur Vorsicht bzw. zur genaueren Beobachtung der Märkte mahnen.


Wirklich eingebrochen sind die Märkte seitdem nicht, daher stellt sich natürlich die Frage, was sich inzwischen getan hat?

Sehen wir uns das Bild auch heute kurz gemeinsam an. Beginnen wir dazu etwas anders als sonst üblich und betrachten zuerst den VIX, welcher ja auch gerne als das "Angstbarometer" der Marktteilnehmer bezeichnet wird.

Zur Erinnerung möchte ich hier kurz einen ehemaligen Kollegen von mir zitieren, der den VIX wie folgt beschrieb und damit es genau auf den Punkt bringt:

Beim VIX (Kurzform; gleichzeitig ist VIX das Tickersymbol des Index in den USA) handelt es sich um den Chicago Board Options Exchange Volatility Index auf den S&P 500 (vom Prinzip her das, was bei uns der VDAX ist). Er zeigt die 30 Tage Erwartung seitens des Markts hinsichtlich Volatilität an. Konstruiert wird dieser Index mittels einer weiten Palette von S&P 500 Index-Optionen (Calls und Puts). Der VIX versteht sich als vorausschauender Index und wird von Investoren und Tradern meist als "Angstbarometer" verwendet und um das Risiko im Markt zu beurteilen.

Die Logik ist hierbei stark vereinfacht gesagt: Steht der VIX extrem tief, sind die Marktteilnehmer sorglos; steht er hoch, sind die Marktteilnehmer in Panik. 

Das Schöne ist, dass Sie sich nicht auf beschränkt aussagekräftige Umfragen über bullische oder bärische Einstellungen vereinzelter institutioneller Anleger verlassen müssen, sondern, wie beim NYSE BPI auch, auf das, was tatsächlich im Markt geschieht.

Sehen wir uns also an, was der VIX seit letztem Donnerstag getan hat:

Quelle: Stockcharts

Sah es letzte Woche noch so aus, als wolle der VIX nach oben ausbrechen (und somit das technische Risiko für eine Korrektur stark ansteigen), so verlief der Anstieg zunächst einmal ins Leere und kam an der Widerstandsmarke bei etwa 21.8 zum Stehen. Dennoch bleibt der Aufwärtstrend intakt und die steigende Unterstützung damit weiterhin gültig.

Die Angst ist also vorerst einmal noch im "kontrollierten Bereich" und alles ist wieder offen.

Wie jedoch haben die zwei wichtigen Leitindizes des externen Markt reagiert?

Beginnen wir mit dem Russell 2000.

 

Russell 2000: Konsolidierung oder an der Kante?

Auch in Bezug auf den Russell 2000 äußerte ich mich letzte Woche eher skeptisch. Doch eins muss man dem Index sicherlich zugute halten: Er hat sich stärker gehalten als gedacht!

Dennoch überzeugt auch das Bild heute nicht wirklich:

Zunächst einmal fällt positiv die waagrechte Unterstützungslinie auf, die weiterhin den Index hält. Doch bereits letzte Woche unterschritt der Index seine steigende Trendlinie und auch der Versuch nach einer Rückkehr zur waagrechen Unterstützung wieder etwas Kraft zu sammeln schlug bisher fehl:

Quelle: Stockcharts

Dies schlägt sich sehr deutlich in den Momentumindikatoren wie etwa dem MACD nieder. Auch der RSI zeigt sich schwach und in beiden der genannten Indikatoren haben wir eine bärische Divergenz, die weitere Schwäche des Index wahrscheinlich macht.

Lediglich der Williams %R Index hat inzwischen wieder den überverkauften Bereich erreicht, aber da dieser Index sehr empfindlich ist und lange in einem Extrembereich bleiben kann, muss das noch nicht viel heißen. 

Ich gehe also beim Russell 2000 immer noch von einem tendentiell schwächeren Bild aus.

Deutlich positiver zeigt sich hingegen der S&P 500.

 

S&P 500: Momentumverlust, jedoch Aufwärtstrend noch intakt

Zwar zeigt sich auch beim S&P 500 ein Momentumverlust, jedoch ist der Index technisch gesehen noch über seiner Aufwärtstrendlinie und somit im Aufwärtstrend:

Quelle: Stockcharts

Ich habe Ihnen jedoch im RSI sowie im MACD die kritischen Stellen markiert. Ein einfacher Blick zeigt auch hier eine bärische Divergenz, die sich bildet. Somit ist die Gefahr, dass der Aufwärtstrend bald zu einem Ende kommt, auch hier aus technischer Sicht durchaus gegeben.

Insgesamt bleibt damit das Bild an den Märkten aus technischer Sicht weiterhin etwas unklar. Die Schwächezeichen der letzten Woche haben sich zwar etwas relativiert, doch wirklich stark ist das Bild auch nicht. Am besten ist es in einer solchen Situation in der Regel einfach abzuwarten und selektiv Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Dies kann in Form verengter Stop Loss Marken sein oder aber auch Teilgewinnmitnahmen auf schwächere Positionen. Gerade in solch unsicheren Marktlagen können nämlich "Überraschungsmeldungen" aus den Nachrichten, die sich selten vollständig antizipieren lassen durchaus den Ausschlag für den Markt geben, welche Richtung dann letztlich eingeschlagen wird. Und wer hier dann auf der falschen Seite bzw. ungeschützt sitzt, läuft Gefahr, in einer möglichen Korrektur mehr Schaden als nötig zu nehmen.

 

 

 


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