Börse Tokio – unterbewerter Markt?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 15. August 2003 18:00 Uhr
ENL5454
*** "Ich dachte, das wäre eine gute Idee", sagte eine französische Freundin beim gestrigen gemeinsamen Abendessen mit meiner Familie. "Aber ich bin mir nicht sicher, was jetzt passieren wird. Es beginnt, sich nach Algerien anzuhören. Und das endete nicht sehr gut für uns."
"Ich erinnere mich noch gut an mein Treffen mit einem französischen Fremdenlegionär auf der Insel Korsika, in den 1960ern", so Marc Faber in der aktuellen Ausgabe seines "Gloom, Boom and Doom Report". Faber weiter: "Er hatte 1954 in Dien Bien Phu in Vietnam gekämpft, und er hatte im algerischen Unabhängigkeitskrieg vor der Unabhängigkeit Algeriens im Jahr 1962 gekämpft. Laut diesem Mann war sein Regiment erleichtert, als sie Vietnam verließen. Jeder Legionär freute sich darauf, in Algerien stationiert zu werden, was sie sich als Paradies vorstellten – verglichen mit der harten Kampagne und der folgenden höllischen Niederlage, die sie in Vietnam erlebt hatten."
"Allerdings zeigte sich bald, dass das eine Illusion war. Laut diesem Legionär wurde der Algerienkrieg sogar noch schlimmer als Vietnam, denn die französischen Truppen in Algerien wussten niemals, wer Freund und wer Feind war, was zu erheblichen französischen Verlusten bei wiederholten Hinterhalten und Sabotageakten führte. Das Problem bei Guerillakriegen ist, dass man den Feind nicht sehen kann, und wenn die lokale Bevölkerung die Guerilleros fast bedingungslos unterstützt, dann können diese sich sehr leicht unter der Bevölkerung verstecken."
"Claus von Clausewitz schreibt in seinem klassischen Werk 'Vom Kriege' (zuerst 1832 veröffentlicht), dass jeder "Angriff, der nicht zum Frieden führt, notwendigerweise in der Defensive enden muss. Es ist deshalb die Verteidigung selbst, die den Angriff schwächt. Ich denke, dass der größte Nachteil des Angriffs die Tatsache ist, dass sich der Angreifer nachher in einer unangenehmen Verteidigungsposition befindet."
*** Gestern fragte ich mich: "Hat die japanische Wirtschaft nach 13 Jahren Rückgang jetzt endlich zur Erholung angesetzt?"
Mein Fazit war gestern: "Ich kann das nicht wissen. Aber wenn ich mich zwischen New York und Tokio entscheiden müsste, dann würde ich lieber auf einen Markt setzen, der jetzt vielleicht eine jahrelange Deflation hinter sich hat, als auf einen, der inflationär aufgeblasen ist. Verkaufen Sie New York. Kaufen Sie Tokio."
Kaum, dass mir diese Worte aus dem Mund gekommen waren, begannen die Köpfe zustimmend zu nicken.
"Es gibt starke Argumente, die dafür sprechen, dass die japanischen Aktien deutlich unterbewertet sind", schreibt Alexander Green vom Oxford Club. "Nach vielen Maßstäben befinden sich die japanischen Aktien unter den billigsten Aktien der Welt." "Aus diesem Grund empfehle ich einen konservativen Weg, um von einem Rebound in Tokio zu profitieren: Kaufen Sie den gesamten Markt ..." Mehr von Mr. Green zum Thema Japan im nächsten Artikel ...