Börse in Bagdad
unserem Korrespondenten Tom Dyson in Baltimore in Investors Daily
vom 28. Juni 2004 18:00 Uhr
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Der Goldpreis notiert wieder über der Marke von 400 Dollar. Der langfristige "Trade des Jahrzehnts" bewegt sich in die richtige Richtung. Werden wir noch einmal einen Goldpreis von 300 Dollar sehen? Ich erinnere mich daran, dass diese Frage hier im Investor's Daily schon vorher gestellt worden ist. Und wir könnten diese Frage nochmals stellen. Aber auf jeden Fall steht der Goldpreis jetzt über der Marke von 400 Dollar. Und auch der Silberpreis hat zugelegt, auf über 6 Dollar je Feinunze.
Aber ich freue mich nicht. Denn der Anlass für den jüngsten Preisanstieg beim Gold war, dass Ende letzter Woche im Irak über 100 Menschen getötet wurden, und über 320 verletzt (Quelle: Associated Press). Eine tödliche Kombination von Autobomben, Granaten und automatischen Waffen brachte den Tod in 6 irakische Städte.
Ich brauche Ihnen ja nicht zu sagen, dass die Situation im Irak hässlich ist. Egal, welche Zeitung man öffnet – man wird jede Menge darüber lesen, wie verfahren die Situation ist. Die USA sehen sich mit Guerilla-Kriegführung und Terror konfrontiert. Und es ist schwer, zu sehen, wie Demokratie, Kapitalismus oder sogar Frieden es jemals in dieses Hornissennest schaffen sollen.
In Bagdad wird eine neue Börse gebaut. Ich habe gelesen, dass das von einem 24-jährigen, der frisch von der Uni gekommen ist, organisiert wird. Sein Name: Jay Hallen. Er hatte vor einigen Wochen einen Brief an das Weiße Haus geschrieben, in dem er um einen Job im Irak bat. "Ein paar Wochen später", so das Wall Street Journal, "erhielt Mr. Hallen einen Telefonanruf von einem Offizier aus dem Pentagon, der ihm mitteilte, dass ihm ein Job ( ...) gegeben worden sei und er in weniger als einem Monat in Bagdad sein müsse."
Mr. Hallen hatte sich zuvor kaum mit dem Aktienmarkt befasst, und er hatte "nur sehr selten Finanz-Nachrichtensender gesehen."
"Die alte irakische Börse, an der Broker in blauen Westen mit Kreide Trades auf Tafeln schrieben, war nach dem Krieg geplündert worden, und ist jetzt illegal besetzt", so das College Journal. Einige börsennotierte Gesellschaften existieren nicht mehr, und viele Großaktionäre – wie Saddam Hussein und seine Freunde und Verwandte – sind entweder tot oder im Gefängnis." Könnte es noch schlimmer sein? Oder, vielleicht, könnte der antizyklische Investor fragen: Könnte es einen besseren Zeitpunkt geben, um einzusteigen?
Ich habe ein Memo mit dem Titel "Warum im Irak investieren" gefunden, auf der Homepage des U.S. Department of state. Dort steht: "Der Irak ist ein einmalig attraktives Land für Geschäfte im Mittleren Osten. Der Irak hat rund 25 Millionen Einwohner, mit einer aufgestauten Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die sie jahrelang nicht kaufen konnten. Seit dem Krieg hat der Konsum zugenommen, als Ergebnis von signifikanten Lohnsteigerungen und des Öffnens für den internationalen Handel."
Wir vom Investor's Daily wissen nicht, ob Bagdad oder der Irak ein gutes Investment für die lokalen irakischen Broker oder für die Koalition oder für Präsident Bush werden wird – aber ich als antizyklischer Investor könnte mir vorstellen, dass Investments im Irak sich besser entwickeln werden als die meisten Nasdaq-Aktien.
Wenn ich nur wüsste, wie ich dort investieren könnte ... vielleicht sollten wir unseren um die Welt reisenden Korrespondenten Dan Denning, der sich gerade an den Sandstränden Thailands aufhält, nach Bagdad schicken, damit er dort nach Investmentmöglichkeiten suchen kann?