Börse Hongkong: Des Wahnsinns fette Beute!
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 29. August 2007 07:30 Uhr
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Nachdem die US-Notenbanker den Diskontsatz gesenkt hatten, kam wieder eine Beruhigung in die Aktienmärkte. Das, was die Mehrzahl der Akteure als „zu weit gefallen“ ansahen wurde eingesammelt. Short-Positionen wurden eingedeckt und so ebenfalls für steigende Kurse gesorgt. Dennoch zeigen die Charts, dass es sich bislang nur um eine Gegenreaktion auf einen scharfen Kursrutsch handelt – aber nicht um eine Bodenbildung.
Gerade die niedrigen Umsätze zeigen, dass sich die großen Adressen keineswegs mehr an dieser Erholung beteiligen, als sie müssen. Ja sogar die Hedge-Funds halten sich dieser Tage spürbar zurück. Und dieses Bild zeigt sich an allen wichtigen Aktienmärkten weltweit. An allen? Nein, eine der großen Börsen leistet diesen allgemeinen Verhaltensweisen erfolgreich Widerstand. Die Börse in Hongkong. Hier scheint es, als würden einige Akteure schlicht durchdrehen!
Rekordverdächtige Rallye im HangSeng
Sehen sie sich diesen Chart an! Da erblasst sogar die Zockerbude Shanghai vor Neid. Binnen drei Wochen brachen die Kurse in der Spitze um 17% ein. Das ist heftig. Doch gemessen vom Tief am Freitag vor eineinhalb Wochen explodierten die Kurse danach in gerade einmal sieben Handelstagen um über 22% auf gestern früh intraday erzielte neue Rekordhochs. Das ist blanker Irrsinn.
Ich habe keine Ahnung, ob ein Index (außer kleineren Indizes natürlich) schon einmal in einer solch kurzen Zeit so extrem zugelegt hat. Aber wenn ich mir diese Rallye auch noch in Relation zu den momentanen Rahmenbedingungen ansehe, ist das erst recht irre.
Sicher, man geht davon aus, dass das briefmarkengroße Hongkong keine eigenen Immobilienprobleme hat und darüber hinaus dort kaum Kreditprobleme auftauchen dürften. Diese aktuellen Aspekte lassen die Akteure dort kalt. Und als man sah, dass man so betrachtet nur aus Versehen mitgefallen war, ging es eben hurtig wieder aufwärts. Nun ja. Aber das ist ja nur die aktuelle Problematik. Handelt man an der Börse nicht die Zukunft?
Hongkong ist keine Insel, sondern ein Knotenpunkt
Und ich bin nicht schließlich nicht der einzige, der die Erwartung hegt, dass die normale Verkettung wirtschaftlicher Elemente einfach zwangsläufig dazu führt, dass die momentane Kreditproblematik das Wirtschaftswachstum in den USA und sekundär damit Wachstum weltweit negativ beeinflussen wird. Und das würde Hongkong sehr wohl betreffen, ebenso wie die dann mit einer solchen Wachstumsschwäche (es muss nicht einmal eine Rezession werden) einher gehenden Probleme an den Kapitalmärkten. Immerhin ist Hongkong der Finanz-Knotenpunkt in Asien.
Diese Kursexplosion wirkt umso grotesker, als die anderen wichtigen Börsen in Asien keineswegs vergleichbar reagiert haben. Sie sehen in den Charts des KOSPI 200 (Südkorea) und des Nikkei 225 (Japan), dass wir hier zwar, wie weltweit, eine Gegenreaktion auf die vorherigen Kursverluste gesehen haben, diese haben aber bislang noch nicht einmal die jeweiligen kurzfristigen Abwärtstrends brechen konnten. Fazit:
Warnsignal “dark cloud cover” auf Allzeithochs
Diese isolierte Rallye des HangSeng-Index in Hongkong mag sicherlich zu einem Teil die innere Stärke dieses Marktes und seine vorläufige Nicht-Betroffenheit von der Kreditproblematik abbilden.
Doch eine solche wirklich extreme Kursbewegung nach einem derart deutlichen Warnschuss im Vorfeld ist auch ein starkes Signal für eine hochbrisante Unbekümmertheit, die blitzschnell zu einem erneuten Einbruch führen kann. Zumal ich den Eindruck gewinne, dass die Momentum-Player unter den Hedge-Funds, die sich nun spürbar und wie erwartet vom deutschen Markt zurück gezogen haben, hier eine neue Spielwiese gefunden haben – denn mehr Momentum geht wohl nicht.
Das Risiko, dass dieser Budenzauber ruckzuck zu Staub zerfällt, ist recht hoch. Und die per gestern entstandene Candlestick-Chartformation eines „dark cloud cover“, (Eröffnung deutlich im Plus, Schlusskurs dann aber unterhalb der Mitte des vorhergehenden weißen Kerzenkörpers) lässt vermuten, dass den Wagemutigen nun die Puste ausgeht – zumal dieses negative Signal auch noch auf dem Niveau von Allzeithochs entstanden ist!
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