Bodenbildungsformation bei Candlesticks
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 4. April 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
In der Freitagsausgabe von -Investoren-Wissen- ging es um die Frage nach einer schnellen und effizienten Methode, um Top-Formationen und damit Trendumkehrmarken mit Hilfe von Kerzencharts (Candlesticks) zu identifizieren, die dabei helfen, Verluste zu minimieren oder Gewinne schneller zu realisieren als die Konkurrenz (Exitstrategie). (Sollten Sie heute neu zum Investor-Wissen-Daily dazustoßen, bitte die Freitagsausgabe nachlesen, weil wir dort auf die Grundlagen der Kerzencharts eingegangen sind).
Aufgabenstellung: Es wird ein Markt gesucht, der seinen Kursanstieg noch vor sich hat, weshalb wir idealerweise nach einer Trendumkehrformation Ausschau halten (Bodenbildung, siehe Archiv: invertet SKS). Um bei den Kerzen zu bleiben: Wir suchen zum Beispiel einen Morning-Star, eine Kombination aus drei Kerzen.
Schauen wir auch bei dieser Formation zuerst auf die Marktpsychologie hinter den Kerzen. Denken Sie also darüber nach, welche Marktsituation vorherrscht, wenn ein Aktien-, Devisen-, Renten- oder Rohstoffmarkt im Chart ein tieferes Tief mit Fenster (Kursabriss) ausbildet, aber nur einen kleinen Kerzenkörper, möglicherweise auch nur ein Kreuz produziert. Wie sieht die Marktstimmung aus und wie sind Angebot und Nachfrage aufgestellt? Wir werden darauf einmal im Detail eingehen. Auf diese Weise brauchen Sie sich die zum Teil schwer verständlichen Bezeichnungen nicht zu merken. Im Kasten innerhalb des Charts sehen Sie die lehrbuchmäßige Konstellation: schwarze Kerze und kleine Kerze als Kreuz, sowie die Trendwende als weiße Kerze.
Der Fahrplan einer Trendwende
Phase 1 (roter Kreis): Wesentliche Voraussetzung für eine Trendwende: Der Markt befindet sich im Abwärtstrend, der Gleitende Durchschnitt MA20 (blau) verläuft im Tageschart nach Süden gerichtet. Phase2: Der Abgabedruck in der Aktie ist so groß, dass sich eine große, dunkle Kerze bildet und die Aktie in der Nähe ihres Tiefkurses den Handelstag abschließt. Der Pessimismus in dieser Aktie ist so groß, dass am nächsten Tag der Eröffnungskurs tiefer liegt als der Schlusskurs des Vortages, weshalb sich ein Kursabriss (auch Fenster oder GAP genannt) bildet. Phase 3: Der Schlusskurs des zweiten Tages liegt auf demselben Niveau wie der Eröffnungskurs und Tagestief/Tageshoch verharren in einer engen Range um den Eröffnungskurs herum, weshalb sich nur ein kleiner Kerzenkörper (Kreuz) bildet. Hintergrund und Folge: Möglicherweise hat sich ein größerer Investor von seiner Position getrennt und als der Abgabedruck aufhört, ergreifen die Bullen das günstige Kursniveau am dritten Tag als Chance und kaufen die Aktie (weiße Kerze). Da der Verkäufer seinen Bestand abgebaut hat, bildet sich ein Nachfrageüberhang, der den Schlusskurs des dritten Tages in die Nähe des Tageshochs (die Kerze wird weiß) führt. Fazit: Je größer der Kursabriss nach unten und je kleiner die Kerze am zweiten Tag ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Verkaufsdruck nachlässt und die Bullen den Markt nach oben ziehen können.
Zum zweiten Teil von: Handelsstrategie der Bullen: