Blue Chips und langfristige Geldanlage
Tom Firley in Investors Daily
vom 23. Oktober 2008, 18:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
Sie haben es vielleicht schon mitverfolgt: Schwache Quartalszahlen und Gewinnwarnung bei Daimler. Dennoch kann sich der Kurs der Daimler-Aktie erstaunlich gut halten. Zu Börsenschluss notiert der Wert „nur" 1,26 Prozent im Minus.
Vermutlich müssen wir in den nächsten Wochen mit weiteren schlechten Quartalsmeldungen, Gewinnwarnungen etc. der großen und größten Unternehmen (natürlich nicht nur in Deutschland) rechnen. Aber treten wir einmal einen Schritt beiseite und betrachten das Ganze einmal aus langfristiger Sicht.
Schauen wir uns einmal Thyssen an. Vorab: Das soll keine Aufforderung zum Kauf werden. Auch weiß ich nicht, ob Thyssen sich noch einmal halbiert oder nächste Woche mit 20% im Plus steht. Keiner weiß das. Langfristig können wir uns aber einmal ein paar Gedanken machen. Hier zunächst der kurzfristige Chart:
Gruselig. Eindeutiger kann ein Abwärtstrend wohl kaum aussehen. Der noch moderaten Abwärtsbewegung von Mitte Mai bis Anfang August folgte ab September ein brachialer Kurssturz. Die Thyssen-Aktie verlor über 50%, sie fiel von 34 Euro auf aktuell unter 15 Euro. Wie gesagt, die Aktie ist in einem klaren Abwärtstrend und ein charttechnisches Auffangbecken findet sich erst bei den Juni-Tiefs aus dem Jahre 2004 - bei etwa 13 Euro.
Nun gut, schauen wir uns den langfristigen Chart an und denken einmal langfristig.
Sie erkennen recht deutlich den Höhenflug der Thyssen-Aktie März 2003 (bei 7 Euro) bis Juni 2006 (45 Euro). Die Aktie hat sich in dieser Zeit mehr als versechsfacht.
Nun stellen sich folgende Fragen:
Braucht die Welt keinen Stahl mehr?
Wird die Regierung dem Thyssen-Konzern in Zukunft Prügel zwischen die Füße werfen?
Wird in / nach einer drohenden Rezession nicht mehr gebaut oder saniert werden?
Gehen wir einmal davon aus, dass die Welt auch diesmal nicht untergeht und die Thyssen-Aktie irgendwann einmal wieder steigen wird. Ab welchem Niveau aus, wage ich nicht zu prognostizieren. Auch wage ich nicht zu behaupten, dass jemals das Allzeithoch wieder erreicht wird. Aber ich wage einmal einen „fairen Wert" festzulegen: etwa 30 bis 33 Euro, gleichbedeutend mit dem Zwischenhoch aus dem Jahre 2000.
Der Rest ist Formsache. Sollte es der Aktie tatsächlich gelingen, in den nächsten Jahren dieses Ziel zu erreichen, ergeben sich per heute folgende durchschnittliche Jahresrenditen (die durchschnittliche Jahresrendite ist wie der Zins auf einem Sparbuch).
Durchschnittliche Jahresrendite bei Erreichen von 33 Euro bis
Ende 2009: 88% (unwahrscheinlich)
Ende 2010: 40% (ambitioniert)
Ende 2011: 27% (hm)
Ende 2012: 19% (why not)
Ende 2013: 16% (gut möglich)
Wie gesagt: Thyssen ist an dieser Stelle nur als Beispiel gedacht. Aber gerade jetzt lohnt es sich doch (auch wenn mich jetzt wieder ein paar Bären unter den Lesern steinigen werden...) einige Werte anzuschauen.
Sicherlich haben auch Sie eine oder einige Aktien parat, bei denen Sie sich nicht sicher sind, ob nun das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Betrachten Sie das Ganze einfach einmal langfristig, prognostizieren Sie, ob Ihr Wert einen bestimmten Kurs erreichen kann und entscheiden Sie (z.B. anhand der durchschnittlichen Jahresrendite), ob sich eine langfristige Geldanlage lohnen könnte.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
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