Bloß keine Lohnerhöhungen?
Axel Retz in DAX Daily
vom 06. Dezember 2006 08:30 Uhr
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Man muss nun wirklich nicht den Klassenkampf predigen, um die aktuellen Diskussionen um Lohnerhöhungen nachzuvollziehen. Seit seinem Märztief 2003 hat der Dax 183 Prozent zugelegt, die Gewinne der deutschen Unternehmen sind explodiert, die Dividendenausschüttungen auf den höchsten jemals erzielten Stand geklettert.
Dass der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, nun ausführt, dass Lohnzuwächse die Binnennachfrage nicht ankurbeln können, mutet etwas weltfremd an. Wenn nicht steigende Einkommen, gepaart mit einer optimistischeren Sicht der Zukunft, was denn dann?
Nicht wahr ist die Behauptung Walters, dass die deutschen Konsumenten „keinen Patriotismus und keine Solidarität" kennen und im Zweifelsfall auf preisgünstigere ausländische Produkte zurückgreifen. Die gestern veröffentlichten Zahlen zu den KFZ-Käufen im November beweisen das. Sie lagen so hoch wie niemals zuvor in einem November, und deutsche KFZ-Hersteller konnten am stärksten zulegen.
Und wenn die Lohnerhöhungen tatsächlich nicht in den Konsum flössen, wäre das auch kein Nachteil. Denn dann würde es die Sparquote erhöhen und damit der allerorts angemahnten Eigeninitiative bei der Altersvorsorge zugute kommen.
Das wird auch nötig sein, denn die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind alarmierend: Danach ist jeder Achte im Lande von Armut bedroht. Und diese Zahlen stammen aus 2004 und haben sich seitdem beleibe nicht verbessert.
Die Zeit für Lohnerhöhungen, die die Kirche im Dorf lassen, ist reif. Und sie wird den Aufschwung nicht bremsen, sondern der gefährlichen Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft (58 Prozent aller Umsätze werden im Ausland erzielt) ein zweites Bein zur Seite stellen!