Blind durch Internet-Liebe
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 15. August 2007 12:00 Uhr
ENL5454
*** Am 3.8. schrieb ich hier im Trader´s Daily, dass wir das Thema „Milch als Anlageobjekt“ abhaken können, mangels handelbarer Milch-Zertifikate.
Seit gestern hat sich das geändert:
Denn seitdem gibt es zwei Endlos-Zertifikate auf den Milchpreis der Börse Chicago, ausgegeben vom Emittenten Société Générale. Einmal mit Währungssicherung (denn in Chicago notiert der Milchpreis in Dollar), und einmal ohne. Die Wertpapierkenn-Nummern der Scheine: SG05X1 und SG05X0.
Kaufenswert?
Na, sagen wir mal so: Ich bin froh, dass Milch für die Trader´s Daily-Gemeinde nun als Basiswert handelbar geworden ist. Ich hätte mich aber mehr gefreut, wenn das schon vor einem Jahr oder so der Fall gewesen wäre….also VOR dem deutlichen Anstieg des Milchpreises.
Jetzt, NACH dem Anstieg, möchte ich nicht mehr reingehen. Aber gut, dass die Endlos-Zertifikate nun auf dem Markt sind, der Milchpreis wird ja vielleicht noch mal fallen.
Den Milchpreis der Börse Chicago finden Sie hier: www.cme.com
Dort auf „all delayed quotes“ klicken, und dann finden Sie unter dem Punkt „Agricultural Commodity Products“ die Milch = Milk.
*** Und hier noch eine Warnung, besonders an die Single-Männer der Trader´s Daily-Gemeinde. Machen Sie es besser nicht so wie Des Gregor.
Dieser 56jährige, seines Zeichens Schafzüchter in Australien, verliebte sich in eine Frau in den Zwanzigern, die er im Internet kennen gelernt hatte. Gesehen hatte er sie nie…denn sie gab an, im fernen Afrika zu leben. Genauer gesagt: In Bamako, der Hauptstadt von Mali. Dorthin sei sie vor dem Bürgerkrieg aus ihrer Heimat Liberia geflohen.
Und ja, sie liebe ihn auch….ob er sie nicht heiraten wolle? Sie hätte Geld gespart, und würde ihm eine Mitgift von 86.000 Dollar geben können.
Ach, Des Gregor….wie kann Mann so etwas glauben?
Er glaubte es jedenfalls. Und flog nach Bamako.
Dort warteten einige Männer auf ihn, die vorgaben, die Verwandten seiner Braut zu sein. Arglos stieg er in ihr Auto, und ließ sich in die Wohnung seiner Braut in Bamako fahren.
Dort angekommen, kam es, wie es kommen musste: Die Männer erwiesen sich als Gangster. Seine Braut war schlicht und einfach nicht-existent. Und diese Männer waren wahrlich kein guter Ersatz für sie:
Sie hielten ihm eine Pistole an den Kopf, zogen ihn nackt aus und drohten, ihm mit einer Machete Körperteile abzuhacken.
Wenn, ja wenn er nicht 86.000 Dollar Lösegeld zahlen würde. (Eben jene 86.000 Dollar, die er als Mitgift erwartet hatte.)
Ach, armer Des Gregor. Er schrieb an seine Familie im fernen Australien mit der Bitte, das Geld zu besorgen. Was ist schon eine Schaf-Farm gegen das eigene Leben?
Die Familie immerhin zeigte gesunden Menschenverstand: Sie informierte umgehend die australischen Behörden. Die australische Bundespolizei und die kanadische Botschaft in Bamako schafften es dann, Des Gregor in einer spannenden Aktion zu befreien. Nach 12 Tagen Geiselhaft.
Inzwischen ist Des Gregor zurück bei Schafen und Familie im heimischen Australien.
Und wenn seine Familie gefragt wird, wie er denn so etwas habe tun können, dann lautet die Antwort: „He was blinded by internet love.“
Bleiben Sie wachsam!
Ihr
Michael Vaupel