Blick in die Zukunft
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. September 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Sehr geehrte Damen und Herren,
Da rechnet man nach einem trotz allem versöhnlichen Wochenschluß mit einem freundlichen Start der Börsen am Montag.....und wird dann umso brutaler wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Das scheint das einzig konstante in diesem Börsenjahr zu sein. Auf jedes Aufatmen und jedes Fünkchen Hoffnung folgt ein neuer Tiefschlag! Aber trifft das wirklich auch für die heutigen Ereignisse nach? Aber der Reihe nach!
Eigentlich hatte ich heute entschieden, Sie nicht auch noch mit dem traurigen Thema Lehman zu belästigen. Aber das Thema ist so wichtig, und die möglichen Folgen auch für unsere Nebenwerte so groß, dass ich doch einiges dazu schreiben will. Aber vielleicht nicht mit dem Ergebnis, welches Sie erwarten. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass die internationalen Nebenwerte sehr viel weniger von diesem Paukenschlag in Mitleidenschaft gezogen werden als wir es heute befürchten!
Neuer Höhepunkt der Finanzkrise
Trotz verzweifelter Versuche, noch in letzter Sekunde einen Käufer für die gesamte Bank oder für einzelne Sparten zu finden, konnte man am Sonntag keine Übereinkunft mit den potentiellen Interessenten finden. Nachdem die Bank of America von der FED gedrängt wurde, für den Preis von 50 Mrd. $ den nächsten Insolvenzkandidaten" Merril Lynch zu übernehmen, war klar, dass es keine Rettung mehr für Lehman gibt. Die fast 160 Jahre alte Traditionsbank, von deutschen Auswanderern gegründet, die zwei Weltkriege überlebt hat, musste nun einen Antrag auf Gläubigerschutz stellen und ist insolvent. Laut dem Insolvenzgericht vom Southern District of New York saß Lehman Brothers auf einem Schuldenberg von 613 Mrd. $. Damit übersteigt die Pleite sogar den Zusammenruch das Junk-Bond-Hauses Drexel Burnham Lambert im Jahr 1990. Marktbeobachter sehen nun bereits das gesamte Finanzwesen am Rande eines Kollaps stehen und befürchten einen Börsencrash. Einige sprechen gar von einem schwarzen Montag und suggerieren damit Parallelen zum Jahr 1929.
Ich will Ihnen die neue Woche nicht schon am Montag verderben! Dies sollen die ganz großen Crash-Propheten machen, die nur durch mehr oder weniger spektakuläre (und häufig unseriöse) Prognosen auf sich aufmerksam machen können, die zum Glück für die Allgemeinheit nur sehr selten aufgehen.
Ein Punkt wird heute in den Medien übrigens überhaupt nicht diskutiert. Nicht jeder Antrag auf Gläubigerschutz ändert zwangsläufig in der Pleite. In einigen Fällen haben sich jüngst Gläubiger und Schuldner einigen können - die gebeutelte Luftfahrtbranche sei hier erwähnt.Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich will die jüngsten Ereignisse nicht verharmlosen
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