Blick in die Medien +++ Lesens- und sehenswertes Material
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 1. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
ein sehr interessantes Interview mit einem unkonventionellen, „Heavy-Metal“- Investmentbanker finden Sie unter diesem Link. Gerald Hörhan erklärt darin, warum aus seiner Sicht die Mittelschicht in einem Hamsterrad läuft und sich vom System stets ausbeuten lässt. Auch wenn ich nicht in allen Punkten mit ihm übereinstimme, so regt das Interview m.E. doch etwas zum Nachdenken an.
Einen Verlust über 4 Mrd. Euro und dafür "gibt's noch nen Bonus obendrauf". Glauben Sie nicht? Unmöglich? Nun, dann heißt Ihr Arbeitgeber wohl nicht RBS (Royal Bank of Scotland) und Sie sollten schnellstens den Job wechseln! Die beinahe komplett verstaatlichte Bank wies für 2009 einen Nettoverlust von 3,6 Mrd. Pfund aus und plant trotzdem einen Bonuspool in Höhe von 1,3 Milliarden Pfund ihren schwer arbeitenden Mitarbeitern "zu gönnen". Und das Beste: Das britische Finanzministerium hat diesem "opportunen" Vorschlag sogar noch zugestimmt...
Doch was die Briten können, können wir Deutsche allemal (wenn auch in diesem Fall auf kleinerem Niveau). Die Financial Times schreibt:
„Viele Landesbankenmitarbeiter können für 2009 wieder auf einen kleinen Bonus hoffen: Nachdem vor allem die staatlich gestützten Häuser im Vorjahr alle Sonderzahlungen gestrichen hatten, wollen einige für das abgelaufene Jahr wieder ausschütten. Nach FTD-Informationen zahlt etwa die angeschlagene HSH Nordbank mindestens allen rund 4300 Mitarbeitern unterhalb der Bereichsleiterebene für 2009 eine Extravergütung. Dabei geht es dem Vernehmen nach jeweils grob geschätzt um ein halbes Monatsgehalt. Hinzu kommen Zahlungen für ausgewählte Mitarbeiter, die durch den Umbau der HSH stark belastet sind.“
(...) Bei der HSH, die 2009 mit 1,4 Mrd. Euro Verlust kalkuliert, könnten sich die Boni auf einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag summieren. "Die beschlossene Vergütung ist ein fairer Ausgleich für die in erheblichem Maße angefallene Mehrbelastung im vergangenen Jahr", sagte ein Sprecher. Zugleich sei sie Ansporn, bei der Restrukturierung der Bank nicht nachzulassen. Die Pläne wurden vergangene Woche dem Aufsichtsrat vorgestellt und werden jetzt über Gespräche mit dem Betriebsrat umgesetzt.“
Arme "stark belastete" Pleitebanker... Kommt bei solchen Tränengeschichten nur mir der ernsthafte Gedanke, ein großes Spendenkonto für die chronisch unterfinanzierten "Helden des Geldes" zu eröffnen?
Beste Grüße
P.S.: Noch eine kleine Randbemerkung aus aktuellem Anlass:
Können Sie sich vorstellen, dass es im Elfenbeinturm des Europaparlaments einen Abgeordneten gibt, der den Präsidenten des europäischen Rates einen "feuchten Waschlappen" nennt und sein Auftreten mit dem eines niedrigen Bankangestellten vergleicht? Oder gar den EU-Präsidenten als den "stillen Meuchelmörder der Demokratie in Europa" bezeichnet? Nein? Dann kennen Sie wahrscheinlich nicht den prominenten britischen EU-Skeptiker und Abgeordneten des EU-Parlaments Nigel Farage...
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