Blick hinter den Vorhang der US-Märkte
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 18. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
als Anleger und Trader sollten Sie wissen, welche Assetklassen, Märkte, Sektoren und Aktien gerade beim „Big Money“ (=den großen institutionellen Anlegern) beliebt sind und welche verschmäht werden.
Warum ist es sinnvoll, dies zu wissen?
Nehmen wir die Börsenphase 1998 bis 2000. In dieser Zeit konnte Sie mit Werten des sog. Neuen Markts fast über Nacht zum Millionär werden. Allerdings konnten Sie während dieser Periode mit Dax-Aktien oder Rohstoffen nicht wirklich viel verdienen.
Als dann im Jahre 2001 immer mehr Geld aus den Tech-Titeln floss, waren auf einmal Bankaktien und Goldminen sehr gefragt. Hätten Sie Ihr Portfolio rechtzeitig in die richtigen Sektoren umgeschichtet, dann wäre die Börsenbaisse von 2001-2003 nahezu spurlos an Ihnen vorüber gegangen.
Es bietet sich deshalb von Zeit zu Zeit an (ich bevorzuge eine 3-Monatsperiode), sich über die Großwetterlage an den Börsen ein Bild zu machen. Wo fließt Geld rein? Welche Sektoren sollte man eher meiden? Aktien, Rohstoffe oder Anleihen?
Ich will deshalb in dieser Ausgabe mit Ihnen zusammen einen Blick auf die US- und internationalen Märkte werfen und anhand von drei Grafiken ein wenig für Sie analysieren, was gerade „in“ und „out“ an der Börse ist.
Performance der US-Indizes
Schauen wir uns als erstes die Performance der großen US-Indizes an. Es fällt auf, dass der Small Cap Index Russell 2000 mit über 6,00% Performance seit Jahresanfang klar an der Spitze liegt. Abgeschlagen mit 2,47% liegt der Large Cap Index Dow Jones Industrial. Wir schließen daraus, dass vor allem kleinere Nebenwerte, die Aktien aus der zweiten und dritten Reihe, z.Z. gefragt sind.
Abb.: Perfomancechart der großen US-Leitindizes
Zoomen wir ein wenig in die Märkte hinein und schauen uns die 5 stärksten US-Sektoren seit Jahresbeginn an. Ganz vorne liegt mit knapp 30% der US-Biotechnologiesektor, gefolgt von Banken (23%) und dem Airline-Sektor (12%). Gerade als Trader sollten Sie in diesen Sektoren die Augen offen halten und bei Marktschwäche die technisch stärksten Aktien kaufen (natürlich nur mit engen Stop-Loss Marken). Auf Platz 4 und 5 stehen mit ca. 10% der Oil-Service und der Einzelhandelssektor.
Ganz schwach haben sich seit Jahresanfang die Versorgeraktien entwickelt. Ein Verlust von 3% ist hier zu verzeichnen. Ebenfalls keine Rendite gebracht haben der Telekom-, der Halbleiter und der Pharmasektor. Sie sehen anhand der Grafik, wie wichtig es ist, zwischen den einzelnen Sektoren streng zu unterscheiden. Auf den ersten Blick könnten man meinen, dass zwischen dem Pharma- und dem Biotechsektor keine großen Unterschiede in der Wahrnehmung der Anleger liegen sollten. Doch weit gefehlt. Die Performancedifferenz von ca. 30% spricht für sich.
Abb.: Perfomancechart ausgewählter US-Sektoren
Doch wie kommt es, dass einige Sektoren regelrecht explodieren, während andere nicht beachtet werden? Nun, am Beginn solch einer Bewegung stehen i.d.R. immer fundamentale Gründe. Ein großer Pensionsfonds beginnt z.B. Biotechaktien nach und nach zu akkumulieren, weil die Researchabteilung auf das mittelfristig hohe Wachstumspotential der Unternehmen des Sektors hingewiesen hat (als vereinfachtes Beispiel).
Immer mehr große Adressen kaufen sich aus fundamentalen Gründen in einen Sektor ein, was wiederum sehr viele Momentum-Trader anlockt. So entwickelt sich nach und nach ein immer größeres Kaufinteresse für einen Sektor. Und ganz am Ende bekommt dann der deutsche „Der Börsionär“-Leser die Nachricht präsentiert, dass das Unternehmen xy aufgrund der hervorragenden Geschäftszahlen schon um 600% gestiegen ist, und sich mindestens noch einmal verdoppeln wird. Und während Hans Gierig kräftig Aktien in sein Depot legt, fangen die großen Adressen bereits an, gemäß einem Sektorrotationsmodell das Geld woanders „für sich arbeiten zu lassen“.
Abb.: Perfomancechart ausgewählter MSCI-Länderindizes
Werfen wir als letztes noch einen Blick auf die internationalen Aktienmärkte. Wer hätte das gedacht? Japan führt die Performancemesung seit Jahresbeginn mit knapp 7%, dicht gefolgt von Australien (6%) an. Abgeschlagen liegt der spanische Aktienmarkt bei -6%, was mit Sicherheit auch mit der dortigen Verschuldungsproblematik zusammenhängt.
Auf eine Analyse der verschiedenen Assetklassen gehe ich ein anderes mal ein. Bevor Sie einen Trade eingehen, sollten Sie immer überprüfen ob Sie das "Big Money" im Rücken haben, oder ob Sie gegen dieses spielen. Stellen Sie sich nicht gegen den Trend. Das haben schon andere versucht und sind daran gescheitert (nicht wahr liebe VW-Shorter?).
Beste Grüße
P.S.:
Natürlich lassen sich Sektoren noch viel klarer und ausdifferenzierter analysieren als hier angegeben. Ich denke aber, dass die Grundidee auf jeden Fall klar wird und kann Sie gar nicht stark genug ermuntern, Sektorbetrachtungen in Ihren Anlageentscheidungen an eine der höchsten Stellen zu heben.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Merkel (18.03. 2010 19:22 Uhr):
Hallo, wenn ich jetzt entsprechend agiere und verstärkt Biotechnologie Aktien kaufe, wie bin ich sicher, dass big money den Markt genauso abgrenzt wie ich und wie verfolge ich regelmäßig mit einfachen Mitteln, ob big money weiterhin auf Biotechnologie setzt und nicht mittlerweile andere Favoriten im Auge hat?
Antworten - Kommentar von Pernkopf Anita (18.03. 2010 20:25 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, ich habe mit großem Interesse Ihr mail gelesen. (Ihre e-mails lese ich schon seit längerer Zeit sehr gerne). Wie komme ich "rechtzeitig" zu diesen Trends bzw. Wechsel derselben, bzw.welche Länder momentan "in" sind? Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen A.Pernkopf
Antworten - Kommentar von Kern (19.03. 2010 09:01 Uhr):
Hallo Herr Hahn, dieser Bericht war für mich sehr interessant und ich würde diese Erkenntnisse in mein Anlageverhalten gern einfließen lassen, doch wo finde ich die Perfomancecharts?
Antworten - Kommentar von Kern (19.03. 2010 16:55 Uhr):
Hallo Herr Hahn, dieser Bericht war für mich sehr interessant und ich würde diese Erkenntnisse in mein Anlageverhalten gern einfließen lassen, doch wo finde ich die Perfomancecharts?
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