Bleiben Sie locker ...
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. August 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Die Welt, wie wir sie kennen, kommt zu einem Ende. Aber warum sollten wir uns darum Sorgen machen? Ich lache und habe mir vorgenommen, das zu genießen. Das Römische Imperium brauchte Hunderte von Jahren, bis es zusammenbrach. Während dieser Zeitspanne wussten die meisten Leute nicht einmal, dass ihre Welt zu einem Ende kam. Die meisten gingen weiter ihren Geschäften nach, pflanzten ihr Getreide an, tranken ihren Wein, schaukelten ihre Kinder auf ihren Knien – so als ob das Imperium für die Ewigkeit wäre. Natürlich mag der Mob von Rom bei jeder neuen Nachricht gejammert haben: Die Barbaren hatten die Po-Ebene überquert und waren auf dem Weg nach Süden – bald würden sie vor den Stadttoren Roms stehen!
Aber andere leben ruhige Leben, in denen sich Verzweiflung und Amüsement abwechselten – so, als ob nichts passiert wäre. Und was hätten sie auch tun können ... außer dem Unheil aus dem Weg zu gehen und sich um ihre eigenen Sachen zu kümmern?
So gab es auch während der Weltwirtschaftskrise viele Leute, die diese Krise genossen. Wenn man damals einen gut bezahlten Job hatte und ihn behielt, dann muss das wie das Paradies gewesen sein. Man musste nirgendwo anstehen, man brauchte für gute Restaurants keine Reservierung mehr. Es war nie leichter, mit den Nachbarn mitzuhalten – denn mit den Nachbarn ging es abwärts. Ein Großteil der Befriedigung im Leben kommt daher, dass man sich anderen Leuten gegenüber überlegen fühlt. Und wann konnte man das schon besser, als in einer Weltwirtschaftskrise, wenn man selbst einen Job hatte?
Das Geheimnis zum Genuß von Massenbewegungen ist es, ein Zuschauer und kein Teilnehmer zu sein. Wieviel besser wäre es gewesen, wenn man Napoleons Grande Armée auf dem Weg nach Russland nur zu gewunken hätte, als wenn man mit ihr mitmarschiert wäre. Vielleicht hätte man den Soldaten Ohrenschützer und Handschuhe verkaufen können!
Und genauso hätte man es mehr genießen können, wenn man den großen Boom der Wall Street der 1990er nur als Zuschauer mitbekommen hätte, der gelegentlich das Fernsehen einschaltet, um zu sehen, was für absurde Dinge die Analysten als nächstes sagen würden. Besonders erfreulich wäre es gewesen, wenn man auch beim folgenden Absturz nur Zuschauer gewesen wäre.
Ich fordere Sie dazu auf, gegenüber den Schlagzeilen in der Presse und den Meinungen in den Editorials misstrauisch zu sein. Auf fast alle Massenbewegungen, die dadurch angeheizt werden, wird man eines Tages mit Bedauern und Erheitern zurücksehen.