Blasenmacher: Derivate und Alan Greenspan
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 9. Oktober 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Heute zum Abschluss noch ein paar Zeilen zu Alan Greenspan und seiner Vorliebe für Investmentblasen. (allerdings hätte er ruhig einmal zugeben können, dass diese auch platzen können)
Ich habe ja schon öfter über Alan Greenspan geschrieben. Allerdings immer in Bezug auf den Goldstandard und die radikale Abkehr des älteren Greenspan vom jungen Greenspan. Als Freundin wahrer Werte wie Gold, habe ich schon öfter meiner Enttäuschung über Greenspans Handlungen als FED-Vorsitzender Luft gemacht.
Aber lassen wir das, heute möchte ich kurz darauf eingehen, warum Greenspan von einigen Ökonomen immer wieder als Vater der jetzt geplatzten Blase genannt wird.
Gut, wir alle wissen, Greenspan liebt den freien Markt (wobei ich ihm grundsätzlich zustimme) und glaubt an die Selbstheilungskräfte des Marktes (wobei ich ihm grundsätzlich auch immer zugestimmt habe, aber im Angesicht der gegenwärtigen Krise kurzfristig von meinem Standpunkt abgerückt bin - gut ich gebe es zu, ich bin selbstsüchtig und möchte den ganz großen Knall doch nicht miterleben), mittlerweile sagt er, die Verantwortung der Krise liegt in der Gier der bösen Wall-Street-Geier (na ja, ich mag die auch nicht...)
Was Greenspan aber gänzlich außer Acht lässt, ist, dass erst er die Horde junger Hunde von der Leine gelassen hat. Und wie ist das so, wenn junge Hunde etwas anstellen? Haftbar ist und bleibt der Halter (natürlich hat mittlerweile Ben die Hunde geerbt).
Ganz ehrlich, mit Ausnahme einiger maßloser Individuen würde ich es mir nicht anmaßen die gesamte Bankenwelt dafür verantwortlich zu machen, dass sie neue Konzepte ausprobiert haben. Warum auch? Geschäfte müssen alle machen und die risikoreichen haben schließlich auch viele mitgemacht.
Ich spreche von den Derivaten. Moment, ich spreche nicht von den Equity Derivatives, also von den strukturierten Produkten, Optionen oder ETFS. Diese sind im Vergleich zu den beiden Folgenden recht klein mit einem Gesamtvolumen von 11,9 Billionen USD (ist auch schon ganz schön viel ich weiß).
Ich spreche vornehmlich von den Zins- und Währungsaustauschvereinbarungen und den CDS.
Sie kennen sicher die CDS (nach Subprime das zweite große Problem für halb-insolvente Banken). CDS, oder Credit Default Swaps sind eine Art Kreditderivate, die -lapidar gesprochen - wie eine Art Versicherung gegenüber Kreditrisiken wirken sollen und bei den Banken sehr beliebt, da auch handelbar waren/sind..
Das Volumen in den CDS ist mittlerweile auf 54,6 Billionen USD angestiegen. Im Jahr 2002 lag es noch bei rund 2,2 Billionen USD.
Das Volumen in den Interest rate - und Currency Swaps liegt gegenwärtig bei 464,7 Billionen USD, im Jahr 2002 noch bei 101,3 Billionen USD.
Was da passiert ist? Nun Greenspan hat sich gegen jede Art der Regulierung des Derivate-Markts ausgesprochen. Vehement und immer wieder, gegen jede kleine Gegenstimme.
Von denen gab es ein paar, so wie Charles Bowsher, damals Vorsitzender des General Accounting Office, der 1994 folgendes sagte: Der plötzliche Fall eines großen US-Händlers solcher Papiere, dürfte zu massiven Liquiditätsproblemen führen mit hohen Risiken für die Stabilität des gesamten Finanzsystems. Eine Lösung kann dann nur noch in Intervention bestehen, mit der Folge eines Bailouts auf Kosten der Steuerzahler.
Kluger Mann, nicht wahr?!
So long liebe Leser....ein ebenso kluger Mann hat im Übrigen ebenfalls jahrelang vor einer solchen Blase gewarnt: Warren Buffet, Value-Investor und gegenwärtiger Schnäppchenjäger ...bis morgen dann wieder einmal zum Rohstoff-Wochenrückblick...
Ihre Miriam Kraus