Blackstone
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 03. April 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Ich wende mich an die Nachrichten, um weitere Details über das fabelhafte Angebot der Blackstone Group zu erhalten. Ich sage fabelhaft, weil es das Material ist, aus dem Fabeln gemacht werden. Eine Moralgeschichte, die sich selbst erzählt.
Die Tatsachen: Die Blackstone Group ist die größte Private-Equity-Gesellschaft der Welt. Einem Bericht in der Financial Times zufolge sind die Vermögenswerte von Blackstone in weniger als sechs Jahren von 14 Milliarden auf 78 Milliarden Dollar gestiegen. Das heißt, sie haben die Vermögenswerte, die von ihnen verwaltet werden, in sechs Jahren mehr als verfünffacht.
Doch noch erstaunlicher war die unglaubliche Rentabilität des Unternehmens. Die jährliche Gewinnrate ist besser als die von Warren Buffett. Sie liegt seit 1987 bei durchschnittlich 23% im Jahr, während Buffet lediglich eine Ertragsrate von 22% hat – doch das über einen deutlich größeren Zeitraum. Blackstones Immobilienbestand hat sogar noch bessere Ergebnisse erbracht – ein Anstieg um 29% pro Jahr seit 1991.
Wie verdienen die so viel Geld? Ich habe mich an meinen Kollegen Eric Fry, der gleich neben mir saß, gewandt, damit er es mir erklärt.
“Private-Equity kann eine ganze Reihe von Dingen bedeuten. Aber im Falle einer Gesellschaft wie Blackstone heißt es, dass sie ein Unternehmen von der Öffentlichkeit kaufen, es umorganisieren und es dann wieder an die Öffentlichkeit verkaufen. Und manchmal kaufen sie vielleicht auch ein privates Unternehmen und verkaufen es an die Öffentlichkeit. Das Papier landet meistens letzten Endes in der Öffentlichkeit.“
Ich habe schon zuvor über Private-Equity geschrieben. Es ist die heißeste Sache an der Wall Street. Und das ist der Grund:
Die Profite haben im Jahr 2006 2,27 Milliarden erreicht, mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr.
“Das bedeutet”, schreibt die Financial Times, “dass jeder der 770 Angestellten durchschnittlich 2,95 Millionen Dollar Reinerlös erwirtschaftet hat. Im Vergleich dazu haben im Jahr 2006 die Angestellten der Goldman Sachs Group Inc. – der größten amerikanischen Anlagebank – dem Unternehmen durchschnittlich nur 360.000 Dollar gebracht.“
Und jetzt kommen diese Geldscheffler mit dem Angebot, einen Teil des Geldes in die Öffentlichkeit zu scheffeln.
Oder aus der Öffentlichkeit?
Blackstone, diese fabelhaft erfolgreiche Gesellschaft der Private-Equity Anleger, will jetzt 10% seiner Aktienanteile für 4 Milliarden Dollar an die Börse bringen. Ich frage mich nur schon seit Anfang letzter Woche: „Warum?“
Heute halte ich nur kurz inne und bin erstaunt über die Dreistigkeit, die dahinter steckt.
Die Associated Press beschreibt das Geschäft:
“Stellen Sie sich vor, Blackstone ist ein großes Unternehmen. Und wenn sie jetzt an die Börse gehen, dann wird das denjenigen an der Spitze noch größeren Reichtum bringen. Doch auch abgesehen davon sind die großen Reichtümer schon von denjenigen eingefangen worden, die irgendwo in der Management-Hierarchie ihren Platz haben. Das ist nicht der Fall bei einem aufstrebenden Hochtechnologieunternehmen, das wenig freien Geldfluss erzeugt und den Börsengang oder einen Verkauf braucht, um Werte für die Aktienbesitzer zu erzeugen.“
„Blackstones war und ist auch weiterhin eine Geldmaschine, die jedes Jahr beachtliche Summen an die Gefolgsleute verteilen kann. Daher ist ein Börsengang oder eine Belastung des Bilanzbogens einfach nur ein weiteres Mittel, noch mehr Geld aus dem Unternehmen zu schöpfen. In Anbetracht des freundlichen Wesens des heutigen Equity-Marktes, ist der Gang an die Öffentlichkeit die beste Risiko/Chance Entscheidung für Blackstones bestehende Anteilsbesitzer. Das ist ein opportunistischer Schritt, der durch die aktuelle Situation am Immobilienmarkt bedingt ist und durch andere Überlegungen, wie zum Beispiel zum Zustand des Private-Equity Marktes.“
Ja schon, aber was hat das zu bedeuten?
Die Financial Times kommentiert:
„Diese leistungsbereiten, intelligenten Wesen versuchen, uns etwas Wichtiges zu sagen. Die Frage lautet: Haben wir die Möglichkeit, hinter ihre Worte und Handlungen zu blicken und ihre Motivation zu erahnen? Gier, Unsicherheit und Angst. Was sind die Auswirkungen? Dass der Equity Markt Probleme macht? Dass der Kreditmarkt an der Kippe zu einem scharfen Ausverkauf steht? Dass wir uns in einer gefährlichen Phase der Private-Equity Blase befinden?“
Hinter der Blackstone Group oder anderen Private-Equity Gruppen verbirgt sich keine Zauberei. Die Genies des erstklassigen privaten Beteiligungskapitals unterscheiden sich nicht von den Genies der weniger erstklassigen Kredite. Wenn die Liquidität steigt ... dann befinden sich beide auf dem hohen Ross.
Doch mit Geld und Krediten verhält es sich auch nicht anders als mit Bananen oder Liebhabern: Je mehr man davon hat, desto eher wird es schlecht für einen ausgehen. Das ist das, was die Wirtschaftler das Gesetz des Grenznutzens nennen. Jeder zusätzliche Anstieg, ist, ganz egal, worum es sich handelt, weniger wert als der vorangegangene.
Ich stelle bei Betrachtung der Statistiken der Zentralbank fest, dass die gesamten Kreditschulden im gesamten 21. Jahrhundert fünfmal so schnell gestiegen sind wie das Bruttoinlandsprodukt. Die Kreditgeber an die weniger kreditwürdigen Kunden hatten so viel Geld zu verleihen, dass sie es sogar an Leute gaben, die es unmöglich zurückzahlen können. Es gibt nur eine bestimmte Anzahl guter Kreditnehmer. Und dann gibt es auch nur eine bestimmte Anzahl guter Private-Equity-Geschäfte. Und auch eine Kreditblase hält nur über eine bestimmte Zeit.
Und die AP noch einmal:
„Was wird passieren, wenn der Kreditmarkt weniger freundlich wird und wenn zusätzliches Aktienkapital gebraucht wird, damit die Geschäfte weiter laufen? Die Erträge werden sinken. Und was wird mit denjenigen passieren, die in die Private-Equity-Fonds investiert haben? Sie werden nicht froh sein. Und was wird mit denjenigen passieren, die in die Stammaktien der Private-Equity-Manangement-Gesellschaft investiert haben? Die werden noch weniger froh sein.“