Black Friday macht Hoffnung
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 26. November 2007 18:00 Uhr
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Der Black Friday (shopping), der Tag nach „Thanksgiving“ gilt, wie schon geschrieben, als wichtiger Indikator für das US-Weihnachtsgeschäft. Viele Analysten haben dem Black Friday dieses Jahr eine besondere Bedeutung beigemessen. Es ginge darum, so war zu lesen, ob die USA in eine Rezession abrutsche oder nicht. Sollte nämlich der US-Verbraucher aufgrund der Kreditmarktkrise, der Krise am Immobilienmarkt, sowie der Sorge um das US-Wirtschaftswachstum den Konsum verweigern, wäre dies ein dramatisches Warnzeichen für die US-Wirtschaft gewesen.
Ich finde, dass diese Kommentatoren den Black Friday ein wenig überbewerten. Das Weihnachtsgeschäft alleine wird nicht über eine Rezession in den USA entscheiden. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Trotzdem muss man diesen Tag als wichtigen Indikator zumindest für das vierte Quartal sehen, aber alles darüber hinaus ist Unsinn und Zeichen der um sich greifenden Panik.
Alles gut gegangen...
Und Sie haben es schon an der positiven Kursentwicklung am Freitag in den USA erkennen können: Der US-Handel ist gut in das Weihnachtsgeschäft gestartet. Auch wenn viele Kunden durch massive Rabatt-Aktionen angelockt wurden, gaben sie unter dem Strich deutlich mehr Geld aus als noch im Vorjahr. Um die 42 Mrd. Dollar sollen die US-Amerikaner von Freitag bis Sonntag ausgegeben haben, immerhin ist das ein Anstieg um ca. 5 % zum Vorjahr. (Wenn man nun die von einigen Analysten errechnete Inflation von 5-6 % abziehen würde...., aber okay, wir wollen nicht Erbsen zählen).
Der Markt reagierte erleichtert. Nun fragt es sich, ob diese eine positive Nachricht ausreicht, die Märkte zu beruhigen.
Besorgte Analysten
Ich habe am Wochenende einige sehr besorgte Kommentare gelesen. Die Krise sei noch nicht vorbei, hieß es da, oder der Dollar werde die Welt in eine Finanzkrise stürzen, der hohe Ölpreis belastet und, und, und. Sie wissen, dass ich immer anfange dann bullisher zu werden, wenn ich solche Nachrichten lese.
Man erinnere sich, dieses Mal musste die Realität schon echte „Hämmer“ herausholen, um diese unglaublich bullishe Stimmung im Sommer gedreht zu kriegen. Am 07.08.2007, als der Markt gerade erst eine leichte Korrektur hinter sich hatte, hatte ich dazu folgendes geschrieben:
Wie trennt man alte Hasen von ihren Aktien?
Wesentlich schwerer ist es, die erfahreneren Anleger von ihren Aktien zu trennen. Dazu bedarf es Fakten oder Ereignisse, die dramatisch genug scheinen, auch solche Spekulanten zu verunsichern. Wie sonst sollte eine größere Konsolidierung funktionieren?
Offenbar ist es in dieser Konsolidierung allerdings nur durch verhältnismäßig „extreme“ Nachrichten gelungen, die Spekulanten zu verunsichern. Anleger, die nach 4 Jahren Bullenmarkt eigentlich davon überzeugt waren, jede Konsolidierung zu kaufen. Ob aber bereits die alten Hasen verunsichert sind?
Brisante Situation
Eigentlich ist die bearishe Stimmung ein gutes Zeichen. Kurse steigen gerne entlang der Angst. Aber es besteht leider noch die Möglichkeit, dass es zu einem finalen Sell Off kommt. Das sollte man nicht aus den Augen verlieren. Wenn jetzt nicht bald die Kurse zumindest zu einer Gegenbewegung ansetzen, werden viele Spekulanten die Geduld verlieren und verkaufen, damit sie vor dem Jahresende nicht noch ihre Jahresperformance vernichten.
Die aktuelle Unsicherheit spiegelt sich im Dax wieder:
Der Dax befindet sich seit April in einer Dreiecksformation, notiert also mehr oder weniger unentschlossen seitwärts. Genau genommen konnte man demnach im Dax als mittelfristiger Anleger seit Mai/Juni keinen Blumentopf gewinnen.
Dreiecksformationen sind nicht sonderlich zu verlässlich, zurzeit gibt es drei Varianten:
- Normalerweise sind diese Dreiecke Fortsetzungsformationen. Sollte also diese Formation nach oben aufgelöst werden (das wäre nach einem Bruch der oberen roten Linie der Fall), müsste man mit einer dynamischen Fortsetzung des bisherigen Aufwärtstrends rechnen.
- Wenn jedoch der Kurs in die Spitze des Dreiecks läuft, ist meistens eine Seitwärtsbewegung die Folge
- Bricht die untere Linie und die 7200er Marke nach unten, wäre das bearish zu werten. Kurse bis runter auf 6400 Punkte wären dann denkbar.
Mehr als diese unbefriedigende Analyse ist zur Zeit charttechnisch aus dem Dax jedoch nicht herauszulesen. Man kann noch die Wahrscheinlichkeiten bestimmen:
Wahrscheinlichkeiten und Charttechnik
Im Moment ist der Kurs an der untere Linie abgeprallt. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Dreieck nach oben aufgelöst wird, leicht angestiegen. Sie liegt bei vielleicht 55 zu 45 Fällen (wenn überhaupt). Wenn die obere Linie gebrochen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit für weiter steigende Kurse auf geschätzte 60 / 40. Sollte anschließend die obere Linie noch von oben getestet werden und sich danach eine dynamische Aufwärtsbewegung ausbilden, steigt sie auf schätzungsweise 65 / 35! Und selbst, wenn das alte Hoch im Dax nach oben gebrochen wird, steigt sie zunächst nicht sonderlich weiter an. In diesem Fall wäre immer noch ein für Seitwärtsbewegungen typisches "False Break" denkbar.
Das bedeutet aber, dass Sie selbst nach einem bestätigten Ausbruch aus dem Dreieck mindestens 35 von 100 Fällen immer noch mit einem Long falsch liegen können, nein, nicht können – mit Sicherheit falsch liegen werden! Wie gesagt, Dreiecke sind nicht sonderlich zuverlässig.
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
