Bittere Konjunkturbotschaften
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 5. März 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Endlich, endlich war es so weit und der deutsche Leitindex setzte am gestrigen Mittwoch zu einem fulminanten Sprung nach oben an. Sage und schreibe 5,4 Prozent betrug das Plus. Am Ende des Handelstages standen 3890 Punkte auf der Tafel.
Hauch von Euphorie
In diversen Marktkommentaren kommt bereits nach dem ersten Hoffnungstag seit langer Zeit wieder ein Hauch von Euphorie auf. Ob nach dieser Eintags- bzw. möglichen Mehrtagsfliege die deutschen Anleger tatsächlich im Freudentaumel sind? Es wäre wahrlich ein Wunder, wenn etwa Commerzbank (83 Prozent-Minus seit Ende September 2008)- oder Infineon-Aktionäre (90 Prozent Minus seit Ende September 2008) tatsächlich Grund zur Freude haben würden.
Bärenmarktrally im Focus
Nichtsdestotrotz wartet das Heer der Investoren gebannt auf eine längere Aufwärtsbewegung. Mittlerweile wird gar so argumentiert, dass nach diesen historisch einzigartigen Verlusten es sehr unwahrscheinlich sei, auf eine Verschärfung der Situation zu setzen. Zudem sei der Dow Jones aktuell exakt 33 Prozent von der 200-Tage-Linie entfernt und demnach derart überverkauft, dass ähnlich wie vom 20.11.2008 an eine technische Gegenbewegung nun überfällig sei.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, ob angesichts des Platzens einer historisch einmaligen Schuldenblase die bisherigen Wahrscheinlichkeiten tatsächlich noch gültig sind? Oder wird Mr Market höchstpersönlich die allseits ersehnte Gegenbewegung, die keine Mehrtagsfliege ist, erst im Sommer starten?
Bittere Konjunkturbotschaften
Die Lage an der Konjunkturfront bleibt indes extrem angespannt. Vorsichtig formuliert. Für die USA halten Volkswirte der Deutschen Bank gar einen BIP-Einbruch von zehn Prozent im ersten Quartal 2009 für möglich. Mit großer Spannung werden die aktuellen Februar-Daten vom Arbeitsmarkt erwartet. Im Konsens wird ein Jobabbau von 615000 erwartet. Auch aus Deutschland war die Nachrichtenlage mit einem real um 42 Prozent gesunkenen Auftragseingang im Januar beim Maschinen- und Anlagenbau alles andere als erfreulich.
EU-Beruhigungspillen
Schlußendlich meldete sich in jüngster Vergangenheit auch noch EU-Währungskommissar Almunia zu Wort. Wir sind politisch und wirtschaftlich darauf eingerichtet, uns diesem Krisenszenario zu stellen", sagte der Spanier. Weiter konzedierte er vor dem Europäischen Parlament, dass einige Euro-Länder schwerwiegende Probleme haben würden. Zudem sei man bestrebt, zuerst eine EU-interne Lösung zu finden, ehe man Hilfe beim IWF ersuchen werde. Über konkrete Hilfsmaßnahmen für angeschlagene Euro-Länder sagte er allerdings nichts.
Letztlich bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in Brüssel wahrlich vorbereitet sind für diese historisch einmaligen Krisenzeiten...
Wehe, dem ist nicht der Fall...