Bitte nicht schon wieder!
Axel Retz in DAX Daily
vom 21. November 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Wie gut, dass es den CIA gibt. Aber mehr und mehr bringt dieser amerikanische Geheimdienst den eigenen Präsidenten in Bedrängnis. Einmal fliegt er mit seinen Jets terrorverdächtige Leute in geheime Folterlager, was der Präsident und die Mitglieder der Regierung ja gar nicht wissen können. Weil der Dienst ja geheim ist.
In anderen Fällen finden die mit modernster Technik und Hunderten von Millionen US-Dollar ausgestatteten Spürnasen heraus, ob und wann und wo Massenvernichtungswaffen hergestellt, gelagert, verbreitet oder eingesetzt werden. Leider passieren Herstellung, Verbreitung, Lagerung und Einsatz dieser Waffen nicht immer dort, wo der Präsident es gerne hätte.
Im Fall Irak ist das seit Monaten durch einen Untersuchungsausschuss des Kongresses nun erwiesen, im Falle Iran scheint der US-Präsident wieder ins Fabulieren verfallen zu sein.
Das zumindest behauptet der Enthüllungs-Journalist Seymour Hersh, der als erster auch das Massaker von My Lai im Vietnamkrieg und die Vorgänge im nahe Bagdad gelegenen Gefängnis Abu Ghraib an die Öffentlichkeit gebracht hatte.
Nach Hershs neuestem Bericht, der in dieser Woche im „New Yorker" erscheinen wird, fand der CIA im Iran keinerlei Hinweise auf die von George W. Bush behauptete geplante oder bereits laufende Herstellung von Atomwaffen. Das allerdings gefällt dem US-Präsidenten gar nicht. Und Herhs Bericht wurde schon vor Veröffentlichung mit einem Dementi belegt. Dementis gab es allerdings auch zum Fall My Lai und Abu Ghraib.
Sollte sich nun erneut herausstellen, dass George W. Bush II die Erkenntnisse seiner Geheimdienste schon wieder nur dann wahrnimmt, wenn sie zur Bestätigung seiner Politik dienen und sich ansonsten eigene strickt, würde sich das Standing des Präsidenten in der amerikanischen Öffentlichkeit wohl noch weiter verschlechtern.
Die Wall Street würde davon vermutlich erst zeitverzögert betroffen, nämlich wenn die Daten des Verbrauchervertrauens bröckeln. Denn dieses Vertrauen hängt auch von der Wahrnehmung der politischen Führung ab. Ein Präsident, der die eigenen Landsleute erneut hinters Licht führt, wäre dem nicht dienlich!