BIP Deutschland
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 16. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die Wachstumsdaten für Deutschland fielen am Freitag enorm positiv aus. Das Bruttoinlandsprodukt BIP, also der Wert aller Waren und Dienstleistungen, legte im zweiten Quartal um 2,2% gegenüber dem Vorquartal zu (Prognose: +1,4%) nach revidiert +0,5% im ersten Quartal. Sofort wurden die Daten in den Medien als „größter Aufschwung seit der Wiedervereinigung" gefeiert.
So erfreulich solche Wachstumsdaten auch sind, ich finde es absolut unseriös, eine bloße Quartalsveränderung (die noch dazu nur eine erste Schnellschätzung ist) mit einem solchen Etikett zu versehen. Das ist in etwa so, als würde ein Marathonläufer schon nach dem ersten schnellen Kilometer den Sieg feiern. Würden Sie da nicht auch mit dem Kopf schütteln? Die Jahresrate dürfte da schon viel aussagefähiger werden. Mal sehen wie viel dann noch vom „größten..." übrigbleibt, wenn die Industrieproduktion bereits wieder einzubrechen beginnt und die beiden größten Volkswirtschaften der Welt bereits heftige Wachstumsprobleme zu verzeichnen haben. Ich gehe davon aus, dass sich Europa nicht auf einer Insel der Glückseligen befindet, sondern von der Wachstumsabschwächung in China und den USA mit einer Zeitverzögerung von einigen Monaten ebenfalls angesteckt wird. Zumindest zeigen das die Wirtschaftsdaten an, die ich regelmäßig verfolge.
Was mir weiterhin in den letzten Monaten besonders auffällt, ist die mediale Gleichschaltung, die mich fatal an unselige DDR-Zeiten erinnert. Positive Wirtschaftsdaten werden nahezu euphorisch gefeiert, während negative Daten Randnotizen bleiben oder komplett totgeschwiegen werden. Oder haben Sie in der Tagesschau oder im Radio je von dem Crash im Welthandel seit Mai gehört? Oder vom ebenfalls crashartigen Einbruch der Frühindikatoren in den USA? Von den Rekordwerten der Zwangsversteigerungen bei US-Immobilien? Nein? Gut, dass es den DAX Daily gibt.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich habe absolut nichts gegen positive Wirtschaftsdaten und deren Berichterstattung, im Gegenteil. Jede konjunkturelle Stabilisierung kommt uns allen zugute und wir können nur hoffen, dass diese von Dauer ist. Aber ich bin ein vehementer Gegner einer tendenziösen und einseitigen Berichterstattung, die nur dazu da ist, die vermeintlichen Erfolge von Politikern und Notenbankern zu feiern, die bis heute nichts als Mist verzapft haben. Wer zu undemokratischen Mitteln wie Totschweigen oder gar Lügen (geschönte Statistiken gehören zweifellos dazu) greifen muss, macht sich nun einmal verdächtig. Und wird von mir an dieser Stelle angeprangert.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hans Peter Neuhaus (16.08. 2010 10:36 Uhr):
Gut so, mir gefaellt es besonders wenn alles um uns herum die "Wahrheit" schoenreded, dieselbe beim richtigen Namen nennt. Was steckt blos hinter der Schoenrederei??? Und noch eins - Sie sagen es mit anderen Worten - EINE SCHWALBE MACHT NOCH LANGE KEINEN SOMMER. Danke und beste Gruesse: HPN
Antworten - Kommentar von Werner Karnitz (16.08. 2010 14:19 Uhr):
Na ja Herr Voigt,gundsätzlich haben Sie schon recht.Bemerkenswert ist nur,dass,wenn das 3.und4.Quartal Nullwachstum haben,schliesst man 2010 mit 1,9% ab und liegt damit höher als die bisherigen Schätzungen von 1,7%.Wie das die Börse honoriert,ist natürlich eine andere Frage. Mit freundlichen Grüssen Werner Karnitz
Antworten - Kommentar von Jürgen Drgala (16.08. 2010 17:38 Uhr):
Zwar gilt Deutschland als Land der ewigen Pessimisten, für mich eher als Land der Hochmutsoptimisten. Nach einem überzeugendem Sieg bei der WM in Südafrika gegen einen zweitklassigen Gegner hat die sog. Fundamentalpresse die deutsche Mannschaft schon zum Weltmeister hochstilisiert. Nicht anders jetzt die Politprofis ,die sich, von den gegenwärtigen Wachstumszahlen berauscht ,mit falschen Federn schmücken, um bei negativ sich verändernden Quartalszahlen, wieder dezent unterzutauchen. So positiv ich die Entwicklung persönlich für mein Portfolio auch fände, wenn sich die gegenwärtigen Hurrasirenen nachhaltig wenigstens für einen etwas längeren Zeitraum stabilisierten, so glaube ich persönlich nicht- jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt-an einen nachhaltigen Aufschwung.Wie wir in den letzten Jahren feststellen konnten hat sich die Welt in wirtschaftlicher Hinsicht in sog. Korrelationsblöcke aufgeteilt, d.h. in die "alte Welt" -sprich die USA und West-und Mitteleuropa und in die Emerging Markets, wobei sich die neuen Wirtschaftsmächte China und Indien und z.T. Brasilien in einer rasanden Beschleunigung von der alten Welt wirtschaftlich abgekoppelt haben.Gleichwohl bestehen zwischen der alten Welt und den Emerging Markets positive und negative Korrelationen gewissermaßen in einer prästabilisierenden Harmonie.Die Emerging Markets bilden dabei mit den Rohstoffblöcken Rußland, Afrika und Brasilien negative Korrelationen innerhalb des globalen Gebildes.Keiner dieser Blöcke lebt nunmehr noch für sich allein im Zustand der Glückseligkeit , sondern es besteht ein massives Interlinksystem. Wenn man nunmehr die maßgeblichen Aktienindizes dieser Korrelationsblöcke einmal näher untersucht, fällt auf, dass sich der Hang Sen, Sensex, RTX, Dax, Dow Jones oder Bovista schon längere Zeit -bis heute- keineswegs nach Norden bewegen, sondern stark seitwärts.Bei dieser Konstellation erscheinen mir Bedenken bezüglich eines momentanen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwungs in Deutschland und Europa schon mehr als angebracht, es sei denn dem deutschen Witrschaftsminister ist es zwischenzeitlich in einem Tarnkapppenakt gelungen die Binnennachfrage sehr nachhaltig anzukurbeln, was jedoch seine Untertansbanausen irgendwie sträflich entging.(Wenn Sie wollen können Sie diesen Kommentar ins Internet stellen).
Antworten - Kommentar von salomao joao tomas (16.08. 2010 17:38 Uhr):
Das year muss oben kommen fur 4 monantes fin
Antworten - Kommentar von Annette (16.08. 2010 21:51 Uhr):
Danke für Ihre offenen Worte. Es freut mich, dass Sie sich nicht verdummen lassen. Nur tote Fische schwimmen immer mit dem Strom ...
Antworten
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