Biodiesel – für Investoren interessant?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 5. November 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Letztens hatte ich hier im Trader´s Daily das Thema Ethanol behandelt.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ethanol ist nicht Biodiesel! Und die wirtschaftlichen Hintergründe/Investmentchancen sind meiner Ansicht nach auch deutlich unterschiedlich.
Ethanol wird Benzin beigemischt, Biodiesel eben...Diesel.
In Deutschland wird Biodiesel in erster Linie aus Raps hergestellt. In der Praxis werden gerne Sojasaat und/oder Palmöl beigemischt. (Wobei Letzteres ein Problem sein kann, wenn dafür in tropischen Gebieten Regenwälder abgeholzt werden.)
In Deutschland gibt es auch für Biodiesel eine Beimischungspflicht: Derzufolge müssen Diesel 7 Volumenprozente Biodiesel beigemischt werden. Bis zum Jahresanfang waren es nur 5 Volumenprozent.
(Quelle: „Verordnung über die Beschaffenheit und die Auszeichnung der Qualitäten von Kraftstoffen" vom 27.1.2009)
Diese „Nachfrage-Erhöhung per Gesetz" war für die Produzenten von Biodiesel natürlich erfreulich, Werte wie Verbio konnten deshalb seit Jahresanfang zulegen.
*** Ich sage hier aber ganz klar „Vorsicht"!
Denn es ist hierzulande eben so, dass Biodiesel ohne staatliche Förderung noch nicht wettbewerbsfähig ist. Und die staatliche Förderung (die ich durchaus für sinnvoll halte) besteht eben nicht mehr in einer Steuervergünstigung für Biodiesel...sondern stattdessen in besagter Beimischungspflicht.
Das bedeutet: Ein Absatz in Höhe der Beimischungspflicht ist für die Anbieter sozusagen staatlich garantiert. Darüber hinaus besteht aber kein wirtschaftlicher Anreiz, Diesel durch Biodiesel zu ersetzen = substituieren.
Wir sprechen von einem Biodiesel-Absatz von 2,7 Mio. Tonnen in Deutschland, das entspricht ca. 3,1 Mrd. Litern. (Quelle: Unterrichtung durch die Bundesregierung, Drucksache 16/13900)
Nun ist es so: Diesem Absatz von rund 3,1 Mrd. Litern steht eine Biodiesel-Produktionskapazität von rund 5,2 Mrd. Litern gegenüber.
Bei voller Auslastung würden also über 2 Mrd. Liter Biodiesel produziert, für die keine staatliche Förderung anfällt und die deshalb nicht wettbewerbsfähig sind.
Und genau das ist der Grund, warum einige Biodiesel-Produzenten (und deren Aktienkurs) in den letzten 12 Monaten Probleme hatten bzw. sehr bald bekommen werden!
Das Problem wird sich vielleicht 2010 verringern, wenn die Beimischungspflicht auf 10 Volumenprozent ansteigen sollte. Aber selbst dann wäre noch nicht die gesamte Produktionskapazität abgedeckt.
In der Zwischenzeit könnte es durchaus sein, dass einige kleinere europäische Biodiesel-Produzenten untergehen werden. Mittelfristig könnte das zu einigen wenigen Gewinnern führen, welche überleben und Anlagen der Konkurrenz günstig einkaufen können. Doch ob man da genau den richtigen Wert herauspickt? Ich bin hier vorsichtig und verkünde meine Einschätzung:
Biodiesel-Unternehmen sind derzeit - anders als die Hersteller von Ethanol! - keineswegs „kaufenswert"!
Dies sprach:
Michael Vaupel, Trader´s Daily-Gemeinde
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Günter Feuerlein (05.11. 2009 12:27 Uhr):
Ich frage mich warum man überhaupt Biodiesel herstellen muss, wenn man z.B. das Rapsöl direkt als Treibstoff verwenden kann. Die Beimischungspflicht sollte ganz wegfallen, dass dieser unsinnige Produktionsprozess stirbt.
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