Bill Bonner, unser US-Korrespondenten
Investors Daily
vom 27. August 2002 18:00 Uhr
ENL5454
*** Aktien am Freitag schwach, gestern erholt. Wie geht es weiter ...
*** Ist die kurze Rallye von letzter Woche schon wieder vorbei? Wie wird sich der Immobilienmarkt halten? Und wohin geht der Dollar? Wir werden es sehen ...
*** Die Umsätze bei "Radio Shack" fallen ... Wasserknappheit in Virginia ... das Geldangebot nimmt deutlich zu ... und mehr!
Wir sind hier in Frankreich, auf dem Land ... und warten ...
Wir warten auf die Beantwortung der Frage, ob die Rallye von letzter Woche (1) der Beginn eines neuen Bullen-Marktes war ... (2) oder nur eine typische Bären-Markt-Rallye oder (3) schon vorbei ist. Der S&P-Index hat die letzten 5 Wochen in Folge zulegen können. Aber die Umsätze blieben relativ gering – wie man es im Spätsommer auch erwarten sollte – und am Freitag gab der Dow Jones satte 180 Punkte ab, die US-Technologiebörse Nasdaq verlor 3 %.
Intuitiv würden wir sagen, dass wir uns derzeit am Ende einer Bärenmarkt-Rallye befinden. Als die Rallye begann, erreichten die Bewertungen am Aktienmarkt schließlich immer noch historische Höchststände (keineswegs Tiefsstände!). Beispiel Dividendenrendite: Mit durchschnittlich weniger als 2 % bei den Werten des S&P-Index haben wir hier weiterhin eine ungünstige Bewertung. Dieser Wert sollte am Ende eines Bärenmarktes deutlich höher liegen, damit die folgende Rallye fundamental gut unterstützt ist.
Vielleicht erinnern Sie sich an ein Buch, das auf dem Höhepunkt der Aktienblase geschrieben wurde – "Dow 36.000". Die These des Buches war es, dass sich Aktien zu deutlich höheren Kursen verkaufen lassen, da sie nicht so riskant seien wie bis dahin angenommen. Diese Idee war natürlich Unsinn – im nachhinein, natürlich. Aber auch damals brauchte jeder Leser nur den Blick nach Japan zu wenden, um zu sehen, dass Aktien eine sehr riskante Anlageform sind. Sogar in den 90ern konnten die Aktien dort fallen und für ein Jahrzehnt im Keller bleiben. Und jetzt, nachdem wir schon rund 2 1/2 Jahre in Amerika und Europa einen Bärenmarkt haben, besteht praktisch kein Zweifel mehr daran, dass Aktien eine sehr riskante Geldanlage sind. Die Risikoprämie gibt es schließlich nicht ohne Grund!
Wir warten auch darauf, was mit dem Immobilienmarkt passieren wird. Zum Hintergrund: Alan "Mr. Bubble" Greenspan hat mehr neues Geld in die Volkswirtschaft gepumpt als alle anderen US-Zentralbankchefs zusammen. Laut Jonathan van Eck hat er mehr neues Geld zur Verfügung gestellt als alle US-Präsidenten, Zentralbankchefs zusammen ... seit Washington im Jahr 1788 den Amtseid geleistet hat!
Was ist mit dem ganzen Geld passiert? Bis zum Jahr 2000 wurde es in Aktien investiert. Zuletzt wanderte es jedoch größtenteils in Immobilien. Hypotheken-Refinanzierungen liegen derzeit satte 100 % über dem Vorjahreswert.
Goldman Sachs berichtet, dass das Volumen der Hypotheken in den USA derzeit mit einer jährlichen Rate von einer halben Billion (!) Dollar wächst. Bei Refinanzierungen auslaufender Hypotheken fällt auf, dass 67 % der Schuldner das Volumen um mindestens 5 % erhöhen. Die durchschnittliche Hypothek ist 4,1 Jahre alt und belastet ein Haus, das im Wert durchschnittlich 23 % zugelegt hat.
Die Leute denken dass sie damit in "solide Werte" investieren. Fakt ist aber, dass gerade in der Anfangsphase der Hypotheken meist fast nur Zinsen bezahlt werden – die Tilgungsrate ist typischerweise sehr gering. Das bedeutet, dass mit dieser geringen Tilgungsrate gerade einmal der überteuerte Kaufpreis auf ein erträgliches Maß zurückgeführt wird. Sean Corrigan, unser Korrespondent in London, weiß mehr dazu – gleich, weiter unten.
Wir warten darauf, was nun passiert. Die Immobilienpreise können nicht weiterhin mit der 3 bis 4-fachen Rate des persönlichen Einkommens wachsen. Wer wird dann noch kaufen können?
Die große Frage ... wenn der Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt aufhört – kommt es dann im Gegenzug zu Preisrückgängen, also Deflation? Und wird das auf die gesamte Volkswirtschaft durchschlagen? Wir warten darauf, es rauszufinden ...
"Die Umsätze im August gingen zurück", berichtete Radio Shack, ohne überhaupt das Monatsende abzuwarten, "und trotz verstärkter Werbe-Maßnahmen gelang es uns nicht, den Rückgang der Verbrauchernachfrage zu stoppen."
"Zu viel Angebot, zu wenig Nachfrage", so eine Schlagzeile der Washington Post, die auf die Luftfahrt-Industrie hinweist.
Wenn die Immobilienpreise nicht mehr steigen ... und Hypotheken nicht mehr so leicht refinanziert werden können ... dann bricht der private Verbrauch völlig weg.
Zumindest in Japan ist genau das ja passiert. Wir warten darauf, ob es auch in den USA zutreffen wird. Wir warten auch darauf, herauszufinden, was mit dem Dollar passieren wird. Zuletzt kam er zurück. Dann stieg er wieder, als die US-Aktien stiegen. Vor kurzem musste für einen Euro noch mehr als ein Dollar bezahlt werden, mittlerweile gibt es die Gemeinschaftswährung wieder für rund 97 US-Cents je Einheit. Wenn wir Recht haben ... und sich sowohl die US-Aktien als auch der Dollar derzeit in langfristigen Bärenmärkten befinden ... dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um beide zu verkaufen.
Verkaufen Sie während der Rallye, kaufen Sie derzeit nicht bei Kursrückgängen.
Ich bin immer noch in Frankreich, in Urlaub. Eric Fry, unser Mann an der Wall Street, ist auch noch in Urlaub. Deshalb richten wir jetzt unsere Augen und Ohren auf Sean Corrigan, unseren Korrespondenten in London, der das Thema "US-Immobilienmarkt" vertiefen wird ...