Bill Bonner – Teil der amerikanischen Diaspora
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. März 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Ein Leser schrieb mir, ich würde den Berufsstand der preußischen Junker bewundern... deren Sinn für Pflichterfüllung und nationale Identität dazu führe, dass sie nicht korrumpierbar wären. Andererseits würde ich mich in erster Linie um meine eigenen Angelegenheiten kümmern... und nicht um das amerikanische Imperium". Der Leser hat Recht - wenn mir ein Platz in leitender Funktion des Imperiums angeboten würde, würde ich ihn ablehnen.
Es ist auch richtig, dass diese beiden Vorstellungen nicht in Einklang zu bringen sind. Wenn man vorhat, ein großes und mächtiges Imperium aufzubauen, dann braucht man eine Gruppe von Junkern - eine Gruppe von Leuten, auf die man sich verlassen kann. Die Römer nahmen dazu ihre eigenen Bürger - anfangs. Sie alle teilten die gleiche Kultur und verfolgten den gleichen Zweck. Aber als das Imperium älter wurde, kamen immer mehr Leute auf die Verwaltungspositionen, die andere Vorstellungen hatten. Nach 100 n. Chr. waren sogar die Kaiser häufig keine Römer mehr. Nach 200 n. Chr. haben sie oft noch nicht einmal mehr in Rom gelebt.
Genauso hatten die Briten im 19. Jahrhundert ihre eigenen vertrauenswürdigen Staatsdiener und Angestellten. Wie ich schon zuvor festgestellt habe, waren viele davon nicht kompetent, aber nur wenige waren illoyal. Heute jedoch finden wir nirgends im englischsprachigen Imperium Leute der gleichen Klasse. Stattdessen kann man sich die Gehälter der CEOs, der Auftragnehmer der Regierung, der Staatsangestellten und sogar die Massen selbst ansehen.
Man wird wahrscheinlich auf Leute stoßen, die nicht bloß inkompetent sind, sondern auch unbeteiligt gegenüber dem Staatsdienst. Das soll heißen, dass sie sich nur um sich selbst kümmern. Das ist nur eine Feststellung: Der Mangel an einer Junkerklasse legt meiner Ansicht nach nahe, dass das Imperium seinem Ende zugeht.
Und derweil muss ich feststellen, dass auch ich nur ein Geschöpf meiner Zeit bin. Das hier ist nicht der Zweite Weltkrieg - im Zweiten Weltkrieg standen die Leute Schlange, um sich freiwillig zu melden. Ein Freund hat mich vor kurzem daran erinnert, wie enttäuscht er war, als das Militär in 1942 ablehnte.
Als Kind hatte ich Kinderlähmung. Also habe ich immer gehinkt. Ich tue es noch immer. Aber ich bin dennoch hingegangen, um mich zu melden. Jeder hat das damals getan. Niemand wollte außen vor bleiben. Zumindest ich nicht. Als die Armee mich also nicht wollte, bin ich zur Marine gegangen. Und die haben mich genommen. Ich habe drei Jahre auf dem südlichen Pazifik verbracht. Und ich kann dir sagen, dass waren keine Ferien."
Aber jetzt haben wir ein anderes Jahrhundert, und die Rekrutierungsbüros sind verlassen. Die Militärkräfte haben es schwer, auf ihre Zahlen zu kommen. In ärmlichen und rückständigen Gegenden machen sie noch Ausbeute. In den guten Gegenden scheinen die Leute besseres zu tun zu haben. Nicht viele Amerikaner wollen ihr Leben für einen Krieg gegen den Terror aufs Spiel setzen - nicht ohne hohe finanzielle Verlockungen.
Nein, es ist wirklich ein anderes Zeitalter und ich bin ein Teil davon. Ich gehe dorthin, wo es die besten Möglichkeiten gibt... ich sehe mich um... ich teste die Möglichkeiten... ich probiere neue Wohnorte so aus, wie andere Leute ein Hemd. Ich schau mir an, wie sie zu mir passen.
Sicher, wo auch immer ich hin gehe, immer bin ich auch da. Und ich bin immer noch Amerikaner. Aber ich bin ein Amerikaner aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich bin ein Amerikaner des untergehenden Imperiums... Ich bin ein Amerikaner im Ausland... so wie die Chinesen in San Francisco... die Inder in Jamaika... oder die Libanesen in Paris.
Wenn die Leute dich fragen, was du bist", hat mich ein Freund vor kurzem gefragt, was antwortest du denen? Ich meine, du bist natürlich Amerikaner, aber du bist schon seit fast zwanzig Jahren nicht mehr dort und deine Kinder klingen eher französisch als amerikanisch... und du lebst auch in London. Wie siehst du dich selbst?"
Ich bin Ire", sagte ich, nur halb im Witz.
Ich bin die neue amerikanische Diaspora, und versuche herauszufinden, was ich wirklich bin.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Alban (15.03. 2011 16:19 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, es gibt ja nicht wenige Amerikaner, die in Europa nach ihren Vorfahren suchen und sogenannte Ahnenforschung betreiben. Aus ihren Ausführungen wird mir dieses Unterfangen verständlicher, mit freundlichen Grüßen PS: Sind die Verhältnisse bei uns so anders?
Antworten - Kommentar von Breunig (20.03. 2011 22:46 Uhr):
Um zu wissen wer man ist, muss man schauen woher man kommt und wohin man geht.
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