Bilanzzahlen: Kein einheitliches Bild
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 19. Oktober 2009, 08:00 Uhr
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Nach der Hälfte der zur Veröffentlichung anstehenden Bilanzzahlen in den USA ergibt sich, wie schon vor knapp zwei Wochen hier festgehalten, kein einheitliches Bild. Während die einen Unternehmen, wie Alcoa oder Google, das Ende der Wirtschaftskrise schon für gekommen sehen, konstatieren andere, wie General Electric, kaum eine Veränderung. Verwundern darf das nicht, denn GE gehört eher zu den Herstellern von Endprodukten, deren Absatz erst wieder in einem intakten Wirtschaftsumfeld anzieht. Im Allgemeinen lässt sich aber feststellen, dass die aktuellen Bilanzerfolge noch mehrheitlich einer strengen Einsparpolitik und weniger einer stärker anziehenden Nachfrage zu verdanken sind.
Unternehmen, die unmittelbarer von einer nur besseren Stimmung profitieren können, haben es da leichter. Google oder auch Amazon verkaufen keine schwere Kost, bei der die Verbraucher lange die Preise studieren. Das Internet gewinnt auch in dieser Krise weiter an Bedeutung, weil es ein äußerst flexibler und preisgünstiger Marktplatz ist. Vieles in der aktuellen Bilanzsaison hat aber auch mit den vorgetragenen Erwartungshaltungen zu tun. Dort, wo diese besonders hoch waren, kam es tendenziell zu Kursabschlägen und Gewinnmitnahmen, umgekehrt verhielt es sich bei den Unternehmen die Überraschungseffekte lieferten wie BASF.
Schlagabtausch setzt sich fort
Der Wechsel der Gefühlswelten wird sich bei den noch ausstehenden Bilanzen mit Sicherheit noch fortsetzen. Insbesondere in dieser Woche werden noch interessante Zahlen von Apple, Yahoo, Boeing, United Airlines, Microsoft oder Du Pont erwartet, die kaum weniger unterschiedlich ausfallen werden als in der vergangenen Woche. Da sich aber der jüngste Eindruck bei den Anlegern aber immer am intensivsten hält, haben die Unternehmen, die zu Wochenanfang berichten können einen kleinen Bonus, denn die Erwartungshaltung ist aktuell wieder auf deutlich niedrigerem Niveau angekommen.
Zudem sind die wichtigsten US-Konjunkturindikatoren für diesen Monat nun veröffentlicht, so dass es von dieser Seite nicht mehr zu größerem Störfeuer kommen sollte. Enttäuschungspotential ist natürlich bei jenen Unternehmen gegeben, die in den vergangenen vier Wochen deutliche Kurssprünge nach oben gemacht haben. In deren Kursen ist praktisch eine Prämie auf das zu veröffentliche Ergebnis enthalten, die nun geliefert werden muss. In zwei von drei Fällen kann hier allerdings mit Kursverlusten gerechnet werden.
Kleinere Unternehmen mit besseren Erwartungswerten
Etwas leichter als die großen Standardwerte haben es sicherlich die mittleren und kleineren Werte, deren Kurse zum Teil auch schon deutlich zugelegt haben, die allerdings einer geringeren Erwartungshaltung unterliegen. Da der Fokus der Berichterstattung nicht auf diesen Titeln liegt, wirken positive Meldungen stärker kurstreibend als bei den Standardwerten. Der Vergleich mit den letzten Quartalszahlen dürfte darüber hinaus in der laufenden wirtschaftlichen Erholung auch weit drastischer ausfallen, denn die eigenen Prognosen der Verantwortlichen orientierten sich im Wesentlichen an der Katastrophenstimmung vom Frühjahr.
Es dürfte demnach umso leichter fallen, die zwar immer noch mäßigen aber weitaus besser als erwarteten Zahlen zu kommentieren und eine optimistischere Prognose für die nächsten sechs Monate abzugeben. Gerade bei deutschen Unternehmen wird sich aber zeigen, ob das Thema Kreditklemme noch eine Rolle spielen wird. Kein Manager wird sich momentan zu weit aus dem Fenster hängen, die wenigen dies dennoch zu tun und recht behalten, zählen dann zu den Gefragten des künftigen Aufschwungs. Mehr Bereitschaft zum Risiko ist also jetzt schon wieder gefordert.
Russell 1000: Es ist noch Platz nach oben
Im Russell 1000-Index sind die 1.000 Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung in den USA enthalten. Gegründet wurde der Index von der Investment- und Beratungsfirma Russell vor genau 25 Jahren, steigende Aufmerksamkeit von dem Marktbarometer aber erst Ende der neunziger Jahre zuteil, als Investoren viel Geld in den Aktienmärkten investierten. Die Suche nach profitablen und unterbewerteten kleinen Firmen kam damals in Mode, nachfolgend floss immer mehr Kapital in die Nebenwerteindizes. Russell verantwortet auch die nicht minder erfolgreichen Indizes Russell 2000 und Russell 3000.
Das Chart-Bild des Russell 1000 ähnelt im Wesentlichen dem des deutschen MDAX. Die Vielzahl stark konjunkturabhängiger Werte ließ den Index im vergangenen Jahr deutliche Verluste produzieren. Seit der Kehrtwende der US-Konjunkturindikatoren im Frühjahr dieses Jahres befindet sich der Russell 1000 auf Erholungskurs. Nach dem Bruch des mittelfristigen Abwärtstrends Anfang Oktober strebt das Marktbarometer dem nächsten Widerstand bei 602 Punkten zu. Hier befindet sich auch die 50prozentige Erholungsmarke der vorherigen Abwärtswelle nach den Fibonacci Retracements.
Kurzfristig könnten die Bären nochmal einen Test des gebrochenen Abwärtstrends um 550 Punkte erzwingen, mittelfristig sollten sie aber eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung nicht verhindern können. Spätestens im Bereich zwischen 630 und 650 Punkte müssen die Bullen allerdings eine größere Korrektur einkalkulieren. Vor allem das erste Quartal 2010 würde sich aus zyklischen Gründen hierfür anbieten.
