Bilanzen lesen: Der „Cashflow"
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 14. Januar 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Thema Casflow.
Was bedeutet diese Kennzahl eigentlich?
Ich habe es noch so gelernt:
„Der Cash Flow ist der Überschuß der regelmäßigen betrieblichen Einnahmen über die regelmäßigen laufenden betrieblichen Ausgaben. Er gibt damit das aus der Betriebstätigkeit nachhaltig zu erwirtschaftende Zahlungsmittelreservoir zur Deckung besonderer betrieblicher Ausgaben an."
Ein Markenzeichen des Trader´s Daily ist es, auch komplizierte Sachverhalte so einfach wie möglich (aber nicht noch einfacher, haha) darzustellen.
Also, was ist der Cashflow?
Er gibt bei einem Unternehmen an, wie hoch der Zufluss an liquiden Mitteln in einem bestimmten Zeitraum war.
Es geht also um tatsächliche Zahlungsströme, daher der Begriff „Cash". Und „flow" steht für „fließen".
Der Cashflow entspricht keineswegs dem Bilanzgewinn.
Beim Bilanzgewinn spielen schließlich auch Dinge eine Rolle, bei denen es gar nicht zu einem Zahlungsstrom kommt. Beispiel Abschreibungen. Ein Unternehmen wird Abschreibungen auf seiner Anlagen vornehmen. Diese mindern sich schließlich jedes Jahr im Wert. Diese Abschreibungen mindern den Gewinn.
Doch haben sie den Cashflow gesenkt?
Keineswegs...denn die Anlagen sind längst gekauft. Es wirkt sich nicht auf dem Konto des Untenrehmens aus, dass sie nun weniger wert sind. Diese Abschreibung ist nicht „Zahlungsstrom relevant."
Es gibt einige von solchen Dingen, welche den Gewinn verändern, nicht aber den Cashflow. Denken Sie nur an Rückstellungen.
Dann gibt es natürlich unterschiedliche Berechnungsmethoden. Ich beschränke mich hier auf das Wesentliche: Der Bedeutung des Cashflows bei der Analyse eines Unternehmens/einer Aktie.
Wenn der Netto Cashflow (vereinfacht gesagt: Geldzuflüsse minus Abflüsse) positiv ist, dann bedeutet das: Dem Unternehmen ist in diesem Zeitraum so viel Geld zugeflossen.
Der Gewinn kann etwas ganz anderes sagen. Der Cashflow gibt Hinweise auf die wirkliche Finanzkraft des Unternehmens.
Das ist wichtig, wenn es um anstehende Investitionen geht: Kann das Unternehmen die aus eigener Tasche stemmen? „Aus dem Cashflow finanzieren"? Falls ja, ist das eine feine Sache.
Insbesondere bei anstehenden größeren Projekten und gleichzeitiger Zurückhaltung möglicher Kreditgeber ist der Blick auf den Cashflow sinnvoll. Und die Richtung, die dieser nimmt.
Für das Beispiel „Bayer" bedeutet dies: Die Tatsache, dass der Netto Cashflow im letzten Quartal um 22,9% gestiegen ist, ist ein sehr positives Zeichen. Ordentliche Finanzkraft.
Soviel für heute!
Ich werde gleich für einen positiven Zahlungsstrom beim „Gyros Palast" um die Ecke sorgen (Mittagspause).
Ihr
Michael Vaupel