Bigfoot
Christopher Corbett in Baltimore in Traders Daily
vom 14. November 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Während des gesamten Wahlrummels... und während der immer realer werdenden Bedrohung durch eine nukleare Apokalypse... und nachdem unsere Abenteuer unter dem furchtbaren Halbmond immer schlechter aussehen... war es nur natürlich, dass Bigfoot bald wieder in den Nachrichten auftauchen musste.
Immer dann wenn man glaubt, dass die Ansprüche der nationalen und internationalen Entwicklungen für die Nachrichten bedeutend genug sein sollten, die Amerikaner zu wichtigen Debatten anzuregen, dann schafft es der „haarige Waldbewohner“ – wie die Nachrichtenmacher ihn nennen - wieder in die Schlagzeilen. Diesmal stellte sich heraus, dass ein mythischer Affenmensch Thema der wissenschaftlichen Untersuchung war! Also bitte!
Dabei saß ein Pädagoge der Idaho State Universität auf dem heißen Stuhl, weil viele seiner Kollegen denken, er sei ein Exzentriker und Betrüger, weil er Bigfoot erforscht. Etliche dieser Kollegen wollten, dass er gefeuert wird. Aber wenn wir anfingen, Professoren zu feuern, weil sie Exzentriker und Schwindler sind, dann würden die Wälder bald leer sein.
Was ich an der Rückkehr von Bigfoot am interessantesten fand – und ich muss zugeben, dass ich für mein Leben gern solche Dinge lese – war, dass fast 60% der 250.000 Amerikaner die von America Online befragt wurden, an Bigfoot glauben. Doch fast alle, die befragt wurden – beachtliche 88% - waren der Ansicht, dass der Bigfoot-Forscher gefeuert werden sollte. Das ist ein interessanter Schluss. Ich vermute, es spricht für die gesunde nationale Leidenschaft für Unsinn auf der einen Ebene und für den wilden Hass gegen die höhere Schulausbildung auf allen Ebenen – sogar wenn es um Bigfoot-Studien geht.
Untersuchungen aller Art, von Pop-Nachrichten und Momentaufnahmen bis hin zu ernsthaften Versuchen solche Dinge zu erfassen, zeigen, dass Amerika immer noch eine Nation der Verrückten ist. Ein großer Teil meiner Landsleute glaubt an das Unglaubliche: Zwerge, Kobolde, Waldnymphen, Feen, Ghule, Geister, langbeinige Monster und Dinge, die in der Nacht poltern.
Diese ganze Bigfoot Geschichte ist nicht so seltsam. Vergangenes Jahr ergab eine Gallup Befragung, dass knapp drei von vier Amerikanern an irgendetwas Para-Normales glauben – übersinnliche Wahrnehmung und Spukhäuser zählten zu den am weitesten verbreiteten. Dicht gefolgt vom Glauben an Geister, Telepathie, Hellseherei, Astrologie, Hexen, Gespräche mit Toten, Reinkarnation, und die Möglichkeit, dass Geisterwesen für kurze Zeit die Kontrolle über den eigenen Körper übernehmen und an dämonische Besessenheit. Fast 75% der Befragten glaubten an mindestens eins dieser Dinge. Und wir besitzen Nuklearwaffen.
Das führte mich zur Bigfoot Field Researchers Organization (Organisation zur Bigfoot-Feldforschung). Sie verfolgen Bigfoots Aktivitäten überall im Land. Nur in Hawaii wurde Bigfoot noch nicht gesichtet und im District of Columbia. Bigfoot kommt herum.
Ein Pilzsammler meldete, Bigfoot in der Nähe von Festus Missouri gesichtet zu haben. (Keine Ahnung, welche Pilze er gesammelt hat). Jäger und Fischer berichten immer wieder dass sie ein haariges Monster gesehen haben, das bis zu drei Meter groß ist. Die Berichte machen keine Angaben, ob irgendwer von diesen Leuten getrunken hatte. Bigfoot hat einige Kinder in der Nähe eines Tante Emma Ladens im ländlichen Georgia erschreckt. Der Bericht macht keine Angaben, ob in diesem Fall Pilze im Spiel waren.
Amerika sucht Bigfoot jeden Tag. Ständig machen sich Expeditionen auf den Weg, um Bigfoot zu finden. Die nächste findet in Oklahoma statt, doch keine Sorge, auch in Ihrer Nähe wird irgendwer gerade nach Bigfoot suchen. Ich lebe in Baltimore, weit weg vom pazifischen Nordwesten (die ursprüngliche Heimat von Bigfoot), und so war ich hocherfreut, als ich erfuhr, dass es möglich ist, die gewaltige haarige Kreatur in den Wäldern gleich hinter meinem Haus zu sehen zu kriegen. In nur kurzer Distanz von Baltimore wurde Bigfoot gesichtet.
Bigfoot ist wirklich überall. Er – wir wollen davon ausgehen, dass es sich um einen ‚Er’ handelt – hat versucht, einen Kleinbus in der Nähe von August in West Virginia zu stehlen. Unten in Flamingo, Florida, haben einige Leute Bigfoot an der Straße stehen sehen. Er sah nicht so aus, als suche er nach einer Mitfahrgelegenheit. Einer der Zeugen sagt, es sei ein Bär gewesen. Ein anderer sagt, es sei kein Bär gewesen. Ein dritter dachte, es könnte vielleicht auch ein Reh gewesen sein. Auch in diesem Bericht fehlen alle Hinweise auf Pilze oder alkoholische Getränke.
Ein Mann, der in der Nähe von Beaver in Utah, angelte, hat Bigfoot auch gesehen. Der Bericht sagt nicht, ob dabei kühles Bier im Spiel war. Ein gerade erst angestellter Polizist sah Bigfoot in der Nähe von Wanblee, South Dakota. Ein achtjähriger Junge, der bei seiner Großmutter übernachtete, hat Bigfoot gesehen. Ein Zeitungsbote hat ihn in der Nähe von Wyoming auf dem Land gesehen. Meistens wir er in den Wäldern und bei Nacht gesichtet. Das ergibt Sinn. Man würde nicht erwarten, ihm am helllichten Tag in einem Pfannkuchen- oder einem Einrichtungshaus zu begegnen.
Aber er ist dort draußen. Er wird fast jeden Tag irgendwo erblickt. Vielleicht sehen Sie ihn bald schon selber. Seien Sie darauf vorbereitet.