Bier am Morgen ...
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 31. März 2004 12:00 Uhr
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Auch wenn man sich vormittags nicht mit dem Thema "Bier" beschäftigen sollte ... werde ich das hiermit tun. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt diesen erfrischenden Gerstensaft zu mir nehmen werde – sondern, dass ich Ihnen News zu den chinesischen Brauerei-Aktien mitteilen werde. Denn da ist einiges passiert:
Sie erinnern sich sicherlich daran, dass ich Ihnen letzte Woche die chinesische "Tsingtao Brewery" vorgestellt habe, meine Lieblingsaktie unter den chinesischen Brauereien. Diese Firma geht auf eine deutsche Gründung zurück – zu der Zeit, als Tsingtao noch deutsches Pachtgebiet war (bis zum Ersten Weltkrieg). Also auf die vermeintlich gute alte Zeit. Eine gute Zeit hat die Tsingtao-Aktie auf jeden Fall ihren Aktionären gebracht: Vor zwei Jahren stand die Notierung bei 0,30 Euro, vor einem Jahr bei rund 0,60 Euro und letzten Herbst wurde bei 1,10 Euro der vorläufige Höchstkurs erreicht. Fundamental übrigens völlig gerechtfertigt, denn dieses Unternehmen schreibt schwarze Zahlen, und die Gewinne steigen stetig.
Diese Aktie bewegt sich derzeit in einer relativ engen Range von 0,90 Euro bis 1,00 Euro, und am unteren Ende dieser Range – also bei 0,90 und 0,91 Euro – können Sie einsteigen. Und genau da steht die Notierung derzeit übrigens auch. Dann können Sie übrigens auch noch die Dividendenzahlung von 2 bis 3 Cents mitnehmen, die in der nächsten Woche anfallen dürfte.
Jetzt aber zur Harbin Brewery, einem Konkurrenten der Tsingtao Brewery. Denn bei Harbin ist es derzeit richtig spannend! Der Grund: Die Stadtverwaltung von Harbin hat mitgeteilt, dass sie ihren Anteil an der Harbin Brewery komplett verkaufen will. Es handelt sich um 291,5 Millionen Aktien – also einen richtigen Batzen, denn das entspricht ungefähr dem 200fachen eines typischen Tagesumsatzes in diesen Papieren! Und jetzt kommt das Entscheidende: Die Stadtregierung von Harbin will diese Papiere am besten an einen Groß-Käufer loswerden, und sie ist bereit, einen Discount von 19 % zu akzeptieren.
Das hat natürlich kräftig auf den Kurs der Harbin Brewery gedrückt. Denn wenn ein Großaktionär aussteigen will, und dazu noch bereit ist, deutlich weniger als den aktuellen Kurs zu akzeptieren – dann ist das kein gutes Zeichen. Natürlich weiß ich nicht, was sich die chinesische Stadtverwaltung von Harbin dabei gedacht hat. Braucht Sie Geld für andere Projekte, weiß Sie mehr über den wirtschaftlichen Zustand der Harbin Brewery als andere oder streut sie einfach Gerüchte, um in Wahrheit ihre eigenen Bestände günstiger aufstocken zu können? Das ist derzeit völlig unklar.
Ich habe die Lage analysiert: Und da ist mir aufgefallen, dass insbesondere die großen internationalen Bierkonzerne Gewehr bei Fuß stehen und ihre Chancen zum günstigen Einstieg bei chinesischen Brauereien nutzen. So ist zum Beispiel der größte Aktionär bei der Harbin Brewery nicht die Stadtverwaltung von Harbin ... sondern der zweitgrößte Bierkonzern der Welt, SABMiller. Mit einem Anteil von immerhin 29,4 %. Gut möglich, dass SABMiller jetzt dankend die Hände aufhält.
Meine Schlussfolgerung: Die chinesischen Brauereien bleiben interessant, aber man muss die Spreu vom Weizen trennen. Die größeren Brauereien sind interessanter als die kleinen, die günstig bewerteten interessanter als die hoch bewerteten. Eigentlich eine Binsenweisheit. Die sich hier aber in den letzten beiden Jahren eindeutig ausgezahlt hat. Und die Harbin Brewery gehört nicht zu den Aktien mit der günstigsten Bewertung. Allerdings können auch Titel wie die Harbin Brewery interessant werden – nämlich genau dann, wenn es einen temporären Selloff gibt. Einen Selloff, wie wir ihn gerade gesehen haben.
Doch halt, zu spät: Ich sehe gerade, dass an der Börse Stuttgart die Notierung von Harbin Brewery schon wieder gestiegen ist, aktuell liegt der Kurs bei 0,38 zu 0,41 (Geld-/Briefkurs), d.h. Sie müssten schon wieder 41 Cents bezahlen, wenn Sie einsteigen wollen. Das ist zuviel, gestern hätten Sie noch zu 37 Cents Material erhalten und ich hatte gehofft, dass wir heute Kurse von 36 Cents sehen. Also hier jetzt NICHT einsteigen! Ich behalte die Lage für Sie im Blick. Und ich werde in den nächsten Tagen auf dieses Thema zurückkommen, denn gerade sehe ich mir eine weitere Chinesen-Aktie an, bei der ein anderer internationaler Brauereikonzern eingestiegen ist. Das könnte ein kaufenswerter Titel sein!
Bis Morgen!
Beste Grüße,
Michael Vaupel