Betrachten Sie sich als gewarnt!
Alexander Green (US-Korrespondent), Investoren Wissen vom 27.07.2010 16:00
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Liebe Leser,
die Kritik wächst langsam an.
Seit mehreren Monaten warne ich meine Leser über die sich entwickelnde Blase bei den Staatsanleihen.
Und jetzt raten Sie mal, was die am besten performende Assetklasse in der ersten Jahreshälfte 2010 war? Richtig geraten: Langlaufende Staatsanleihen mit einer Gesamtrendite (Kursgewinne plus Zinsen) von 13,2%.
Woher kommt diese Entwicklung? Ich sehe zwei Gründe dafür...
- US Aktien entwickelten sich in den ersten 6 Monaten des Jahres 2010 sehr schwach. Sie fielen um 5,6%. Das trieb viele in den vermeintlich sicheren Hafen der Staatsanleihen.
- Der kraftlose Euro macht US-Dollar basierende Wertpapiere für internationale Investoren attraktiver. Und Staatsanleihen sind die traditionelle Alternative für diejenigen, die sich um Aktien sorgen.
Bedeutet das jetzt, dass es überhaupt keine Blase gibt? Wohl kaum. Tatsächlich ist das Risiko heute größer als jemals zuvor...
1999: Eine Internet-Odyssee
Im Herbst 1999 gehörte ich einem noblen Tennisclub an. Es war eine Zeit, in der Internet und Technologieaktien total angesagt waren.
Meine Spielkollegen wussten, dass ich in der Vermögensverwaltung tätig war und so gab es eine Menge Gerede über „die neue Ära“ und wie „das Internet alles verändert“.
Mitunter fragte mich einer meiner Kameraden, welche Internetaktien ich denn gekauft hätte.
„Keine“ sagte ich (Ich war sehr früh im Sektor investiert und auch sehr früh wieder draußen). Die Bewertungen waren unverschämt und ich glaubte nicht, dass das gut enden würde.
Sie waren von dieser Sichtweise überrascht, aber kauften enthusiastisch weiter und handelten Internetaktien wie beinahe jeder andere auch. Und tatsächlich stiegen die Aktien noch weiter.
Die Wochen vergingen und es entwickelte sich ein vertrautes Ritual. Jedes Mal, wenn ich zu meiner Gruppe stieß, fragten sie, obwohl sie genau wussten, dass ich keine besaß, wie sich meine Internetaktien entwickeln würden.
Überall wurde gelacht.
Dies setzte sich Woche für Woche, Monat für Monat fort. Und dem Lachen nach zu urteilen, wurde die Frage von Woche zu Woche lustiger.
Bis es an einem Tag nicht mehr lustig war.
2000: Der Alptraum der Wall Street
Im März 2000 löste sich die Nasdaq regelrecht auf und die Internetaktien legten einen Sturzflug hin. Als ich eines schönen Morgens am Tennisplatz ankam, stoppten sie sofort ihre Unterhaltung.
„Guten Morgen, Jungs“, sagte ich. „ Was machen eure Internetaktien?“
Lustig... Dieser Spruch war bis vor kurzem noch höchst amüsant.
Was ist die Moral der Geschichte?
Sie können keine rationalen Urteile darüber fällen, wann irrationales Verhalten enden wird.
Die beiden fernen Dämonen
Internetaktien stiegen länger, als es jede logische Analyse vorausgesagt hätte. Genauso verhielten sich auch die Häuserpreise vor ein paar Jahren.
Und die Situation bei den langlaufenden Staatsanleihen macht auch nicht wirklich Sinn, außer wenn wir natürlich einer stark deflationären Zeit entgegen sehen. Aber wenn dies der Fall ist, warum steigen dann auch gleichzeitig Gold und inflationsgeschützte Staatsanleihen (TIPS)?
Entweder liegen die Käufer von Gold und TIPS oder die Käufer von langlaufenden Staatsanleihen falsch. Ich denke Sie wissen, welchen Standpunkt ich vertrete.
Und wie das Wall Street Journal am 6. Juli schrieb: „Das riesige Stimulusprogramm, mit welchem die Federal Reserve und die US-Regierung in den letzten Jahren die Wirtschaft gestützt haben, wird zwangsläufig sowohl die Zinsen als auch Konsumentenpreise steigen lassen. Da diese Entwicklung noch nicht unmittelbar bevorsteht, ist es noch nicht zu spät, den Teil des Portfolios, welcher mit Anleihen bestückt ist, vor den beiden fernen Dämonen zu schützen.“
Betrachten Sie sich als gewarnt.
Erfolgreiches Investieren,
Alexander Green
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