Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Weitere Börsenthemen
vom
Ich sehne mich nach Klarheit. Nach einem Tag der Abrechnung. Doch der scheint noch weit in der Zukunft zu liegen. Die Welt hat darauf gewartet, dass Mr. Bernanke seine Absichten darlegt. Doch stattdessen sagte er nur, er wolle sich seine Optionen offen halten.
Das war genug, um den Aktienmarkt ein bisschen in Bewegung zu halten, doch nicht genug, um zu diesem Zeitpunkt den Goldpreis steigen zu lassen. Sowohl die Gold-Anhänger als auch die Liebhaber des Aktienmarktes zählen darauf, dass die Fed durchkommt. Und so könnte es kommen.
Kürzlich konnte man sehen, wie die obersten 1% der Bevölkerung so reich werden konnten. Die US-Politiker, begünstigt und unterstützt durch die Konsumenten und die Finanzindustrie, haben in den letzten 50 Jahren die private Schuldenlast um den Faktor 50 steigen lassen.
Diese Explosion von Krediten hat die Welt verändert", schreibt Richard Duncan in seinem neuen Buch 'The New Depression'.
Ja... auf der einen Seite machte es die Reichen reicher. Das Geld ging nicht an die Lohnabhängigen. Es floss in Aktien und Anleihen - das Vermögen von den 1%.
Der Aktienmarkt begann seinen epischen Bergaufmarsch 1982. Seit dem ging es 13mal hoch (gemessen am Dow). Auch das BIP der USA stieg 13mal an.
Doch viel von diesem Wachstum" des Aktienmarktes und des BIP dieser Zeit war unecht. Das Maß an dem dieses Wachstum gemessen wurde, war der Dollar. Und der Dollar täuschte, weil er von den Feds gestreckt wurde.
Man betrachte, was in den letzten zehn Jahren passiert ist. Seit ihrem Tiefpunkt Anfang der 2000er sind Aktien etwa 50% gestiegen. Die Investoren könnten denken, sie hätten die Nase vorn bei diesem Spiel.
Doch misst man diese Steigerung in Bezug auf Gold, so lösen sich die Gewinne in Luft auf. Stattdessen sind Aktien 16% RUNTER gegangen. Bei Öl sind die Aktien sogar noch tiefer gefallen: - 43%.
Und nun sagen uns die Feds, die Wirtschaft sei in Genesung". Ja, sie geben zu, dass es keine riesige Genesung ist, doch die Wirtschaft wächst. Und wenn wir nur lange genug warten, wird alles in Ordnung gebracht.
Ach ja? Bei diesem Tempo erreichen die USA niemals volle Beschäftigung, weil es jeden Monat mehr Menschen sind, die nach Arbeit suchen als jene, die welche finden. Warum? Weil nur wenig dieses Wachstums" real ist. Es ist nur das, was passiert, wenn man zusätzliche 2 Billionen Dollar in Bargeld und Krediten ins System schmeißt.
Doch die Investoren scheint es nicht zu interessieren, ob dieses Wachstum real ist oder nicht. Stattdessen warten sie, beten und hoffen auf eine neue Runde GELD! Sie wollen dieses alte Elixier, mehr Cash und Kredite, dieses Wundermittel, dass die Fed nutzen um die Wirtschaft erblühen zu lassen.
- Kommentar von Albert Karl
Wenn wir die Augen aufmachen, sehen wir doch, dass die Welt sich radikal ändert. Kein Zufall sind auch die extrem schnell ändernden Bewärtungen der Rating-Agenturen. Darin sind Anzeichen tiefgreifender Veränderungen im weltweiten Finanzsystem zu sehen. Die USA als Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft kann die Märkte nicht mehr stützen. Es fehlt nicht mehr viel und sie sind in der Deflation. Die Lage ist also ernst, auch wenn man komischerweise darüber nichts in den übergeordneten Zeitungen zu lesen bekommt. Wie ernst die Lage inzwischen ist, sieht man auch daran, dass die USA trotz Milliarden und Abermilliarden druckfrischer neuer Dollars, dem sogenannten Fiat Money, also der "Geldschöpfung", das Geld ausgeht. Und das was uns die schlauen Amerikaner in der Euro-Krise empfehlen, ist doch schon seit Jahren mit wachsender Sorge zu beobachten und die gängige Praxis der Fed......aufkeimende Krisen mit immer neuen Fiat Money zu stopfen. Das kann auf die Dauer nicht funktionieren. Irgendwann muss das System kollabrieren. Seit Jahren und Monaten pumpt die Fed auf Weisung der US-Regierung neues Geld in ihr System, um die taumelnden Banken zu retten. Im Dezember 2007 waren es 52 Mrd. Im Januar 2009 waren es 180 Mrd. $, die in den Markt gepmpt wurden. Nicht zu vergessen die damalige Rettung von Freddie Mac und Fannie Mae mit etwa 300 Mrd. $. Im 4. Quartal 2011 kaufte die US-Regierung weitere Hypothekenpapiere auf; natürlich sie mussten handeln - wie im Rausch. Hier ist jedes Maß verloren gegangen. Dass bei solchen Summen die Geldmenge trotzdem abnimmt, heisst ganz einfach, dass damals die Kredite schneller geplatzt sind, als die Druckerpressen von Herrn Bernanke neue $-Scheinchen ausspucken konnten. Das Problem aber ist, dass die USA bereits jetzt mit ca. 14.600.000.000.000 Dollar, also Vierzehntausendsechshundert Milliarden Dollar Schulden kämpft. Und diese Summe kann n i e m a l s getilgt werden. Eine solche Summe sprengt alle Rekorde. Die Bedrohlichkeit für die Märkte in Deutschland und Europa wächst. Jetzt wird schon deutlich, warum unsere Kanzlerin im Mai d. J. auf dem Landsitz des US-Präsidenten mehr oder weniger isoliert war. Ihr Kurs deckt sich nicht so recht mit dem amerikanischen Kurs des fröhlichen Geldausgebens! Sie stand in der Defensive. Nur, ihre Situation ist doch mit der von den USA vernachlässigbar, denn in den USA hat inzwischen auch die realwirtschaftliche Seite wieder Schlagseite bekommen: - die Kapazitätsauslastung der Industrie liegt etwa bei 78 %, das reicht noch nicht mal um die Kosten zu decken! - Der Philly-Fed-Index, ein Vorlaufindikator für die Konjunktur stagniert seit einiger Zeit. - Die BIP-Verschuldung der USA liegt meines Wissens bei 100%. Hinzu kommt, dass die USA allein Verbindlichkeiten durch Kranken- und Rentenversicherung in Höhe von 107 Billiarden US-Dollar hat. Die unverantwortlich leichtfertige Geldpolitik nach dem Platzen der Internet-Blase führte zur Kreditkrise und die USA in eine ganz neue Abhängigkeit. Das sind doch die Gründe, warum das Weiße Haus immer nervöser reagiert - kein Wunder, dass in Sachen Euro-Krise der Sündenbock auch außerhalb der USA-Grenzen gesucht wird: Europa mit Deutschland im Mittelpunkt, das seine Währungskrise nicht in den Griff bekommt. Zusammengefasst: Der Urkonflikt zwischen Sparpolitik und Wachstum ist insofern auch eine amerikanische Erfindung, immer wieder gepredigt etwa vom Nobelpreisträger Paul Krugmann, der die Sparauflagen geißelt, aber man sieht ja wohin das ganze Spiel geführt hat. Fakt ist, der Finanzsektor braucht starke Leitplanken, damit niemand mehr - weder in der neuen, noch in der alten Welt - das System in den Abgrund steuern kann.
Antworten- Antwort von Monetenmann:
Bin ganz anderer Meinung, nieder mit allen Leitplanken und zurück zur Eigenverantwortung. Wer etwas tut, das ins Höschen geht, soll in den Bankrott gehen, selbst wenn dadurch 100000 Arbeitsplätze auf einen Schlag hopps gehen. Es wird sich nichts ändern, solange alle wissen, dass sie immer weiter gerettet werden.