Besser spät als nie
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 07. Oktober 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Reichtum von T. Boone Pickens weiter ...
"Besser spät als nie" wäre eine passende Beschreibung für den finanziellen Erfolg von Mr. Picken. Dieser Mann war einmal ein sogenannter "Corporate Raider": In den 1980ern tätigte er als Präsident von Mesa Oil feindliche Übernahmen von Gesellschaften wie Phillips Petroleum und Cities Services, was ihm und seinen Aktionären Hunderte Millionen Dollar einbrachte.
Aber jetzt sagt Pickens, dass das niemals so profitabel war, wie einfach den Energie-Bullenmarkt der letzten paar Jahre mitzumachen. So ist der BP Capital Energy Rohstoff-Fonds in diesem Jahr schon um 283 % gestiegen, und seit seinem Start im Jahr 2000 hat er schon Gewinne von über 1,3 Milliarden Dollar eingefahren.
"Ich brauche es wirklich, zu gewinnen", erklärt der 76-jährige Pickens gegenüber Bloomberg News. Und gewonnen hat er wirklich! Seit 1997 hat er seinen Reichtum um 3.000 gesteigert, was ihm den 389. Platz auf der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner beschert hat. Pickens sagt, dass er 75 % seiner im gesamten Leben gezahlten Einkommensteuer nach seinem 70. Lebensjahr gezahlt hat.
"Der hat einfach Glück gehabt", meckert ein Unternehmensberater. Vielleicht – aber bei soviel Glück ist es schon merkwürdig, wie es sich immer wieder wiederholt ... weshalb ich fasziniert bin von diesem besonderen Glück, das Mr. Pickens hatte. Er verdankt den größten Teil seines Vermögens einigen extrem weit blickenden – oder glücklich gewählten – Calls auf Erdgas und Rohöl. Und T. Boone Pickens glaubt, dass Öl und Erdgas noch weiter steigen werden ...
Ich erinnere mich an den April 2003, als ich auf der Grant's Spring Investment Conference hier in Manhattan einem Vortrag von T. Boone Pickens zuhörte. Er verkündete: "Ich denke nicht, dass der Erdgaspreis jemals wieder unter 4,50 Dollar fallen wird."
Er erklärte, dass die Lagerbestände extrem niedrig seien, und dass das Angebot zurückgehe und die Nachfrage konstant bleibe – eine potenziell explosive Situation für die Erdgaspreise. "Wenn wir nächstes Jahr wieder einen kalten Winter haben werden", so Pickens, "dann könnte der Erdgaspreis auf 10 Dollar oder noch mehr steigen ... er könnte alles tun, und ich meine wirklich alles!"
Und tatsächlich stieg der Erdgaspreis im weiteren Jahresverlauf auf über 7 Dollar, auch wenn er seitdem noch ein paar Mal die Marke von 4,50 Dollar "geküsst" hat. Im Durchschnitt lag er seit dieser Rede von Pickens bei 5,60 Dollar, und gestern erreichte er 7 Dollar.
Auf der Konferenz fragte ein skeptischer Zuhörer Pickens: "Wenn es so wahrscheinlich ist, dass die Preise für Erdgas steigen, warum arbeiten dann nicht die Energieunternehmen fieberhaft, um neue Vorkommen zu erschließen?"
Die Antwort war – laut Pickens –, dass es "nichts zu erschließen gibt". Die Öl- und Gasindustrie bohrt natürlich weiter Löcher, aber sie findet in diesen Löchern nicht mehr sehr viel Erdöl oder Erdgas. Auf US-Territorium gibt es derzeit rund 1.243 Bohrungen – 12 % mehr als vor einem Jahr, und 40 % mehr als vor zwei Jahren. Und dennoch ist die amerikanische Produktion von Erdöl und Erdgas seit 2001 um 5 % zurückgegangen.
Die nachgewiesenen Erdölreserven in den USA befinden sich in der Nähe eines 29-Jahres-Tiefs, nachdem sie im letzten Jahr um 3,5 % zurückgegangen sind. Und die Nachfrage steigt. Die weltweite Ölnachfrage wird in diesem Jahr bei voraussichtlich durchschnittlich 82,2 Millionen Barrel je Tag liegen, und im nächsten Jahr wird sie um 1,8 Millionen Barrel je Tag steigen.
T. Boone Pickens ist nicht unfehlbar, natürlich nicht. Aber er scheint es drauf zu haben, sich selbst in den Weg des Glückes zu stellen. Und ich würde mich lieber an dauerhaft vom Glück geküsste Seelen halten, als an unglückliche.