Bernankes Kristallkugel
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. Mai 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
"Jeepers, creepers...where'd you get those peepers...
"Jeepers, creepers...where'd you get those eyes..."
Dem Herrn sei Dank für Laserchirurgie der Augen. Jetzt können die Leute, die so blind waren, dass sie die größte Finanzkrise in der Geschichte nicht sehen konnten, endlich wieder klar sehen. Und was sehen sie? Eine Erholung.
Bernanke lässt der Wirtschaft eine Nachricht der Hoffnung zukommen" heißt es in einer Schlagzeile im heutigen International Herald Tribune."
Der Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank, Ben S. Bernanke, sagte am Dienstag, dass die amerikanische Wirtschaft so wirke, als habe sie sich an vielen Fronten stabilisieren können und dass die Erholungsphase vermutlich in diesem Jahr beginnen wird."
Sind das gute Nachrichten? Oder was? "Oder was" vermute ich eher.
Doch am Ende der vergangenen Woche schien der Markt Luft zu holen. Die Aktien sind leicht gefallen. Öl ist auch leicht gefallen. Der Dollar hielt sich dort, wo er war... aber immer noch auf Abwärtstrend. Und Gold hielt sich auch stabil... bei 902 Dollar pro Unze.
Können die Regierungsvertreter die Schwierigkeiten in Ordnung bringen, die sie nie haben kommen sehen? Können die Leute, die die Banken in Grund und Boden gestampft haben, jetzt die Banken führen, die dabei helfen werden, die Erholung zu finanzieren? Können Investoren, die mit geliehenem Geld Schrott-Anlagen kauften, jetzt die guten Anlagen erkennen, die man ihnen vor die Augen legt.
Weder Ben Bernanke, noch Tim Geithner, Hank Paulson oder Alan Greenspan konnten es kommen sehen - aber eine Sache war mit der Blasenwirtschaft der Jahre 2001 bis 2007 wirklich falsch. Ich habe das so viele Male gesagt.
Ein Glück, dass wir sie los sind, so feierte ich, als die Blasenwirtschaft in die Knie ging.
Lebenserhaltende Maßnahmen treiben die nächste Generation in die Pleite
Doch jetzt bemühen sie sich darum, sie wieder ans Leben zu bringen. Wie bei einem hirntoten Kauz der an den Maschinen hängt, so treiben sie die nächste Generation in die Pleite, bei dem Versuch, sie am Leben zu erhalten.
Ich rechne damit, dass die Erholung erst nach und nach in Schwung kommen wird", so lautete Ben Bernankes Prognose, mit der er versucht, die Erwartungen zu leiten, und ich rechne damit, dass die wirtschaftliche Flaute langsam zurückgehen wird."
Hellsichtige Zentralbanker
Wirklich? Ach, die Wunder der modernen Medizin. Mit besten Werten für die Augen kann der Vorsitzende der Zentralbank heute in die Zukunft blicken und uns sagen, was als nächstes passieren wird. Wenn er doch nur schon vor zwei Jahren zum Arzt gegangen wäre!
Die Aktien erholen sich überall auf der Welt. Die Wirtschaftswissenschaftler setzen ihre Brillen auf und blicken in die Zukunft. Die Banker reichen ihre Schecks ein und lachen auf dem gesamten Weg nach Hause.
Diese Gefühl des unablässigen freien Falls, das wir noch vor ein, zwei Monaten hatten, ist heute nicht mehr spürbar", sagt der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Larry Summers.
Barron's Big Money Poll zeigt, dass die professionellen Portfolio Manager wieder auf Hausse setzen. Sie erwarten, dass der Dow in diesem Jahr 7% zulegen wird... und 17% bis zur Mitte des nächsten Jahres.
(Das sind gute Nachrichten für mich. Ich hatte schon angefangen, mich umzusehen und festzustellen, dass zu viele dumme Menschen mit mir einer Meinung sind. Aber jetzt sehe ich, dass die Profis wieder im gegenüberliegenden Lager sind... und kann deswegen wieder besser schlafen.)
Der naheliegendste Grund für all diesen Optimismus ist der Elan, mit dem die Leute, die das Problem nicht kommen sahen, losgezogen sind, um es zu bekämpfen. Mr Market nimmt... aber Mr. Bundeszentralbank gibt. Zumindest ist das die Logik, die dahinter steht. Bislang haben sie allein in den Vereinigten Staaten eine Summe des Dreifachen dessen dafür veranschlagt, was es kostete, im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Es sind nicht nur direkte Bargeldauslagen. Ein großer Teil des Geldes entfällt auf Finanzgarantien" und Investitionen (wie z.B. den Aufkauf der stinkenden Derivate der Wall Street.) Es ist aber immer noch eine Menge Geld.
Normalerweise fällt während einer Korrektur der Wert der Geldmenge M1. Die Anlagewerte werden zerstört... die Kreditnehmer sind nicht mehr zahlungsfähig... und das Geld verschwindet in Schatzkammern und unter Matratzen. Aber diesmal war die Antwort der Behörden derartig energisch, dass die Geldmenge M1 sogar um ungefähr 14% im Jahr gestiegen ist. Das Geld muss ja irgendwo hin.
Ein ähnliches Bild in Großbritannien
Hier in London schreitet die Regierung ähnlich energisch zur Tat. Die Bank of England ist auf den Zug der Regierung aufgesprungen und hat die Bilanzbögen in den vergangenen 12 Monaten um mehr als das doppelte in die Höhe getrieben. Banken wurden mit leichtverdientem Geld überschwemmt. Die Zinssätze wurden gesenkt. Der Konjunkturhaushalt wurde beschlossen. Und Ende vergangener Woche hat die Regierung LDV gerettet, einen Hersteller von Lieferwagen für die Industrie.
Solche Rettungen gibt es natürlich nicht ohne weitere Verpflichtungen. Die Regierung hat betont, dass es sich dabei nur um einen kurzfristige" Lösung handeln würde, die auf die Rettung durch eine Gruppe aus Malaysia wartet. Und hey... einen Moment mal... das Unternehmen musste auch versprechen, dass die Produktion das Vereinigte Königreich nicht verlässt. Wer braucht denn Smoot und Hawley, wenn man die eigenen Märkte retten kann, indem man das Geld der Zentralbank verwendet?
Wir sehen also, dass die Regierung sich mit dem Fall befasst. Die Investoren kehren an den Markt zurück. Die Banken haben wieder Geld. Was könnte noch schief laufen?
Nun... alles... natürlich! Glückerlicherweise werden meine Leser darauf vorbereitet sein, wenn es so weit ist.
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