Bernankes Helikopter laufen warm
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Schrapp… schrapp… schrapp…
Das ist das Geräusch der Rotorblätter der Hubschrauber.
Ja, Helikopter Ben, der Vorsitzende der Zentralbank, lässt die Motoren seines Schwadrons warmlaufen… und bereitet sich darauf vor, überall im Staat die Dollar abzuwerfen.
Sie werden sich vielleicht erinnern, liebe Leser, dass Ben Bernanke, der einstige Vorsitzende des Instituts für Wirtschaft an der Universität in Princeton, auch der führende Schüler der Sushi-Rezession – Japans langwieriger, auf-und-ab-Rezession seit 1990 – ist. Er will verhindern, dass diese Rezession die Vereinigten Staaten erreicht – und das auf die schlimmstmögliche Weise, indem er Papiergeld abwirft, „notfalls sogar von Hubschraubern.“
Er versuchte es mit beruhigenden Worten. Dann versuchte er es, indem er die Zinssätze senkte. Und er versuchte sich mit den Zentralbanken überall auf der Welt zusammenzuschließen, und mehr Geld in das System einzuspritzen. (schon seit dem 11. September 2001 hat die Welt keine solche Sturzflut mehr erlebt). Jetzt sieht es schließlich so aus, als müsste er die Helikopter in die Luft bringen. Und damit wurde meine Theorie Ende vergangener Woche auf die Probe gestellt.
Meine Theorie ist ganz einfach: Mr. Market will korrigieren. Er will die Preise der Vermögenswerte nach unten bringen… die Vereinigten Staaten in die Rezession führen… und das Schuldenniveau senken.
Und Mr. Bernanke will ihn aufhalten. Er befürchtet, dass bei so hohen, ausstehenden Schulden und so zerbrechlichen Verbraucherbilanzen – jede Korrektur mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Sushi-Rezession endet. Oder sogar noch schlimmer.
Aber alles, was die Verantwortlichen tun können, ist Mr. Market noch mehr von der Medizin zu geben, die überhaupt erst dazu geführt hat, dass er anfing sich mulmig zu fühlen – noch mehr Geld und noch mehr Kredite. Und immer dann, wenn sie den Patienten wieder mit noch mehr Geld zwangsernähren, führt es zu einer Art von Goldfieber… es treibt den Preis für Gold nach oben und den Dollar nach unten.
Wenn die Medizin nicht mehr wirkt, d.h. wenn sie nicht mehr in der Lage ist, eine große Rezession zu verhindern, werden die Aktien Richtung Boden stürzen. Wenn es ihnen gelingt, die Rezession zu stoppen (und/oder einen Bärenmarkt bei den Aktien zu verhindern), dann wird man dafür einen schrecklichen Preis zahlen – Inflation, die den Goldpreis nach oben treiben wird.
Was auch immer passiert, dieser Theorie zufolge tut der geschätzte Leser am besten genau das, was ich in den vergangenen acht Jahren getan habe – Aktien während Rallys verkaufen… Gold während Einbrüchen kaufen.
Und Ende der letzten Woche konnte ich beobachten, wie das in der Praxis funktioniert.
Der Vorsitzende der Zentralbank sagte, er sei bereit, weit reichende zusätzliche Maßnahmen zu treffen, die notwendig wären, um das Wachstum zu unterstützten und eine weitere Sicherung gegen einen Abwärtstrend anzubieten.“
Das lässt sich mit: Schrapp… schrapp… schrapp… am besten übersetzen.
Die Anleger mussten gar nicht erst auf die Nachrichtenanalysen warten. Sie sahen eine Zinssenkung um 50 Basispunkte beim Leitzinssatz der Zentralbank gegen Ende des Monats kommen und kauften Aktien. Der Dow ist gestiegen… um fast einen Prozentpunkt.
Aber wenn meine Theorie stimmte, dann müsste man kurz darauf auch einen Anstieg des Goldpreises sehen. Und einen fallenden Dollar. Und genau das ist auch eingetroffen. Gold hat einen neuen absoluten Rekordwert erreicht… und der Euro ist auch wieder nach oben geschossen. Und dann? Mehr desselben.
Solange die Wirtschaft weiter schwächelt, muss die Zentralbank die Türen zu ihren Schatzkammern offen halten. Und solange die Türen offen stehen, wird der Dollar an Wert verlieren und Gold – von der Financial Times zur „neuen Weltwährung ernannt“ - wird weiter steigen.
Die Zentralbank verleiht schon heute das Geld zu Sätzen, die effektiv fast bei Null liegen. Zieht man die Inflationsrate von den Zinssätzen der Zentralbank ab, dann bleibt nichts mehr übrig. Wenn sie die Zinssätze erneut senken, dann wird das letzten Endes zu einem effektiven Zinssatz von unter Null führen.
Die Zentralbank führt außerdem das lockerste Regime in der westlichen Welt. Die Zinssätze sind sowohl in der Eurozone als auch in Großbritannien effektiv höher als in den Vereinigten Staaten und die Inflationsrate ist in beiden Gebieten niedriger als die in den Vereinigten Staaten.
Und dennoch, halten Sie die Ohren nach dem Geräusch der Hubschrauber offen… das Geräusch wird immer lauter werden.
Es mag Wahnsinn sein… aber es ist lustig, das zu beobachten.
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