Bernankes Hauptsorge: die Rezession!
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 16. Juli 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
bereits zum wiederholten Male hatte ich such im Devisen-Monitor meiner Ansicht Ausdruck verliehen, dass Ben Bernankes Augenmerk schon längst nicht mehr auf der Inflation ruht. Die US-Wirtschaft ist es die ihm wesentlich größere Sorgen bereitet. Oder besser gesagt die massive Abschwächung der Dynamik derselbigen.
Der US-Finanzsektor muss ihm diesbezüglich vermutlich schlaflose Nächte bereiten. Aber nun gut, Bernanke und auch Henry Paulson machen sich Sorgen und drücken diese ebenfalls öffentlich aus. Was sie damit bezwecken wollen? Ich kann mir nur vorstellen, dass dies der Beruhigung des Marktes dienen soll. Auf die Art: wir wissen um die Probleme und wir befassen uns damit! Keine Angst, wir werden's schon irgendwie, irgendwann schaukeln.
Der FED-Chef unterstrich dies gestern noch indem er sich noch einmal der düsteren Aussichten für die US-Wirtschaft widmete. Also eigentlich eine wesentlich bärischere Haltung in Bezug auf die US-Wirtschaft einnahm als zuvor.
Wir werden sehen obs hilft, doch vermutlich wird es früher oder später sowieso wieder einige geben die sich gerne beruhigen lassen wollen. Wenn sich schon der große FED-Chef, einsam und heroisch, Gedanken über die Rezession macht, dann fühlt man sich wenigstens nicht so alleine. Seufz!
Aber nun gut, gegenwärtig sind die Marktteilnehmer noch sehr vorsichtig. Man sagt die Risikobereitschaft nimmt drastisch ab. Einer Umfrage der Merril Lynch zufolge sind 53 % der Fonds-Manager overweight mit ihren Cash-Positionen. Ein Rekord!
Abwarten und US-Dollar verkaufen - oder wie lautet die Devise?! Ja, der USD - auch die US-Währung muss wieder kräftig Flügel lassen, denn der Fokus auf die Rezession versperrt ganz gründlich den Weg auf die Inflation. Seit langem bin ich schon davon überzeugt, dass Ben und seine Mannen nicht in der Lage sind den Leitzins anzuheben. Und auch ganz offiziell schwinden nun die Chancen dafür immer mehr.
Das vergrößert zwar die stagflationäre Zwickmühle immer weiter, doch was solls, lassen wir die Inflation mal einfach außer Acht.
EUR/USD erreichte gestern jedenfalls ein neues Rekordhoch bei 1,6038. Gegenwärtig notiert EUR/USD bei 1,5924. Und noch immer kann ich keinen Grund erkennen, der dafür spricht jetzt USD zu kaufen. Der Verkaufsdruck dürfte wohl eher noch eine Weile anhalten und EUR/USD in dieser Woche zwischen 1,5856 und 1,6035-1,6045 pendeln lassen.
Noch einmal zur abnehmenden Risikobereitschaft! Ein weiterer Indikator dafür ist der Rückgang der Carry-Trades. Damit einher geht eine weitere Aufwertung des JPY gegenüber dem USD. Gegenwärtig notiert USD/JPY bei 104,03. Im Angesicht der für heute zur Veröffentlichung anstehenden US-Konsumenten-Preise könnte USD/JPY durchaus weiter bis auf die technisch bedeutsame Marke bei 103,70 abgeben.