Bernanke und Snow halten sich bedeckt
Von Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Mai 2006 07:30 Uhr
ENL5462
Die Reden von US-Notenbankchef Ben Bernanke und US-Finanzminister Snow blieben bis Fertigstellung dieses Newsletter um 16:15 Uhr ohne interessante Aussagen zur US-Konjunktur und hatten daher keine nennenswerten Auswirkungen auf die Märkte. Man hatte aber bei Mr. Bernanke den Eindruck, dass er sehr bemüht war, auf keinen Fall etwas über die Konjunktur zu sagen ...
Um 16:00 wurde in den USA der Index der so genannten „Leading Indicators“ für Mai veröffentlicht. Es handelt sich um einen Index aus mehreren Indikationen, die eine Einschätzung der wahrscheinlichen Entwicklung der Konjunktur in den kommenden sechs Monaten erlauben soll. Gemeinhin ist dieser Index nicht so bedeutend, da dessen Fehlerquote recht hoch sein kann. Mit –0,1 fiel er schwächer als erwartet aus, die Prognosen lagen bei +0,1/0,2 (Vormonat –0,1). Die Reaktion der Märkte war nur minutenlang leicht positiv (geringere Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen), wurde dann aber sofort wieder neutralisiert (wegen des Gegenarguments schwächerer Unternehmensgewinne). Hier zeigte eich erneut, dass die Märkte im Moment dazu tendieren, in allem das Negative zu suchen.
Der Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia (Philly-FED Index) wird erst um 18:00 Uhr unserer Zeit veröffentlicht und wird damit Gegenstand des morgigen Konjunkturdaten-Blocks sein. Der Index wird für den Mai mit einem Wert von 12,5 nach 13,2 im April erwartet. Dieser Konjunkturindex zeigt die Lage verschiedener konjunktureller Elemente in einer der wirtschaftlich wichtigsten US-Regionen und wird daher von den Marktteilnehmern stark beachtet. Grundsätzlich gilt auch hier: Je schwächer die Daten, desto höher die Chance auf eine Pause bei den Zinserhöhungen, desto negativer aber zugleich die Aussichten für die Unternehmensgewinne. Man kann also – egal, wie die Daten ausfallen – eine negative Sichtweise einnehmen. Ob dies im Handelsverlauf zu erneutem Abgabedruck an Aktien- und Anleihemärkten führen wird und wie die Daten realistisch zu interpretieren sind, werde ich ihnen morgen berichten.
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