Bernanke lockert
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 26. Januar 2012, 08:30 Uhr
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das wichtigste Ereignis des gestrigen Tages war nicht der sich weiter erholenden deutsche ifo-Geschäftsklimaindex (zum dritten Mal in Folge übrigens, was ein deutliches Achtungszeichen darstellt), sondern die US-Notenbanksitzung nebst begleitenden Kommentaren. Und das war es schließlich auch, was die Kurse im späten Handel bewegt hat.
Die US-Währungshüter verlängerten ihre Versprechungen niedriger Zinsen von Mitte 2013 auf mindestens Ende 2014 und beließen den Leitzins bei der auf zwei Tage verlängerten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) bei 0 bis 0,25 Prozent. Es muss wohl eine schwere Entscheidung gewesen sein, wenn sie so lange dafür brauchten. Vielleicht sind aber auch die Häppchen so gut gewesen oder man wollte es für die Aktienanleger noch ein bisschen spannender machen, die ja eigentlich schon vorher wussten, dass bei der Bescherung nichts Schlimmes auf sie zukommen wird. Freilich, einige verwirrte Geister fragen sich, was niedrige Zinsen in einem überschuldeten Wirtschaftskreislauf denn Positives bewirken sollen (hurra, Kredit ist billig, aber wir haben ja schon zu viel davon). An den Börsen wird aber alles positiv gesehen, was irgendwie einmal zu einer Blasenbildung führen könnte. Wenigstens etwas, was steigt. Zumindest für ein Weilchen.
Außerdem ließen sich die Herren um Ben Bernanke noch eine ganz tolle Neuheit einfallen. Zum ersten Mal in der fast hundertjährigen Geschichte der Federal Reserve wurden die Zinserwartungen der Geldpolitiker anonymisiert offengelegt. Immerhin glauben sechs FOMC-Mitglieder, dass die erste Zinsstraffung bereits im Jahr 2012 (da ist ja schon dieses Jahr!) oder 2013 kommen könnte. Zugleich bekannte sich die US-Zentralbank erstmals zu einem Inflationsziel - dies liegt bei zwei Prozent. Gemeint ist natürlich die offizielle Inflationsrate, die sich immer so schön anpassen lässt - aber das würde jetzt zu weit führen.
Für die Börsen war aber dies am wichtigsten: Hinsichtlich weiterer monetärer Lockerungen sagte Fed-Chef Bernanke bei seiner Pressekonferenz: "Eine weitere Runde der quantitativen Lockerung ist auf dem Tisch. Aber es ist noch keine Entscheidung gefallen". Sollte es nötig sein, werde eine Ausweitung der Notenbankbilanz ernsthaft in Erwägung gezogen. Auch sei die Federal Reserve bereit, andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nun ja, das sagen sie seit dem letzten Sommer und nichts passiert. Es ist doch erstaunlich, wie lange sich Börsen mit Versprechungen an der Nase herumführen lassen. Vielleicht reicht das aber auch bereits aus und man muss dann gar nicht mehr zur Tat schreiten. Für die US-Börsen heißt das erst einmal: Grünes Licht von der Notenbank. Allerdings ist auch schon eine ganz beachtliche Menge eingepreist. Und die Anlegerscharen drängen sich in Longpositionen wie seit dem Bullenmarkthoch 2007 nicht mehr. Der Bulle ist direkt nach seiner Geburt in Rekordzeit gealtert. Ich glaube kaum, dass das gut ausgeht, egal was die Notenbank macht. Aber es wird noch ein zäher Prozess werden, bevor hier irgendwas kippt.