Berichtssaison
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 5. Mai 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die Aktienmärkte mussten gestern sehr deutliche Kursverluste hinnehmen. Die in den Medien dafür angeführten Gründe glänzen dabei mit Ratlosigkeit. Da werden charttechnische Gründe angeführt oder Sorgen um die Staatsverschuldung in Europa. Diese Dinge sind dem Markt allerdings schon seit Wochen oder gar Monaten bekannt und nicht erst seit gestern. Ich schrieb Ihnen ja bereits: Der Markt ist seit Wochen stark korrekturgefährdet und da ist es wenig zielführend, nach Begründungen aus den Nachrichten zu suchen.
Aber wenn wir schon dabei sind, wie wäre es damit: Im Februar und März spekulierten extrem viele Anleger auf eine positive Quartalszahlensaison. Die Zahlen fielen bisher auch tatsächlich gut aus, aber die Kurse konnten davon nicht mehr profitieren, da alles längst eingepreist war. Wie schon während der letzten Berichtssaison setzen Gewinnmitnahmen und eine Korrektur ein, sobald das Ereignis eintritt, auf das der Markt spekuliert hat. Meine Leser in DAX Profits habe ich übrigens schon vor mehreren Wochen auf diese Umstände hingewiesen und meine Anlagestrategie entsprechend angepasst.
Allmählich neigt sich die Berichtssaison dem Ende zu und jetzt scheinen die Letzten zu begreifen, dass die Kurse vorerst nicht mehr weiter steigen dürften, da der „Rückenwind“ fehlt. Sie stellen ihre Positionen glatt. Und das tun vermutlich sehr viele Anleger gleichzeitig. Immerhin haben wir die massivste Longpositionierung (im US-Aktienmarkt) vorliegen, die ich je gesehen habe. Dazu kommt noch, dass viele Hedgefonds mit Shortpositionen auf etliche Aktienindizes dagegen halten.
Jetzt ist es völlig egal, welche Nachrichten auf diese Situation treffen: Wenn der Stein in Richtung Korrektur erst einmal ins Rollen gekommen ist (so wie jetzt mit dem Unterschreiten bestimmter Unterstützungen), dann wird der Markt solange korrigieren, bis er wieder „sauber“ ist. Und das heißt vermutlich, dass die Stimmungsindikatoren wieder in neutraleren Bereichen notieren und die zittrigen Hände aus dem Markt gespült werden. Wann das soweit ist, werden wir abwarten müssen. Irgendwann könnte die nächste Spekulationswelle auf eine gute Berichtssaison im Juli einsetzen, wenn sich diesmal nicht zu viele Anleger die Finger verbrennen..