Bericht aus Singapur
Andreas Lambrou in Traders Daily
vom 13. November 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Lieber Leser,
diesen Beitrag schreibe ich Ihnen aus dem 13. Stock meines Appartments in Singapur. So habe ich mich über das letzte Wochenende noch auf der Edelmetall- und Rohstoffmesse von den glänzenden Aussichten für Gold und noch viel mehr von Silber überzeugen können.
Danach ging es gleich am Sonntag morgen ins Flugzeug. Vor dem Abflug um 11 Uhr war der Genuss von Leberkäs und Erdinger Weißbier noch Pflichtprogramm, dann flog ich über Katar nach Singapur.
Aus Katar gab es soweit zu berichten, dass dort der Goldboom unverändert anhält. Überall wird Gold gekauft und auch die Anleger legen ihr Geld dort immer mehr in „goldgedeckten" Konten oder goldhinterlegten Produkten an. Dank der milliardenschweren Öl- und Gaseinnahmen fließen Katar so jährlich mehr als 50 Milliarden US-Dollar zu. Dies macht das Land mit rund 1,4 Millionen Einwohnern zum drittreichsten Land der Erde mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 90.000 US-Dollar.
Hochinteressant finde ich auch die Erdgasaktivitäten von Katar. Denn das Emirat besitzt nach Russland und dem Iran die dritthöchsten Erdgasvorkommen der Welt. Insgesamt 25 Billionen m³. Was ausreichen würde, um die Welt rund 9 Jahre lang allein zu versorgen. Die westeuropäischen Importe, die derzeit aus Norwegen und Russland stammen, könnten durch Flüssiggasimporte aus Katar theoretisch sogar mehr als 70 Jahre lang gedeckt werden.
Manchmal frage ich mich bei solchen Aussichten, weshalb wir uns von Russland derart in die Mangel nehmen lassen? Immerhin haben die Amerikaner es verstanden und allein ExxonMobil investiert ja über die nächsten 5 Jahre eine Summe von 30 Milliarden US-Dollar in die Flüssiggasförderung. Bei diesem Flüssigas wird Katar, dessen Jahreskapazitäten bei 41 Millionen Tonnen stehen, eine weltweite Schlüsselrolle einnehmen.
Auch wenn einige Investoren und sogar der Energieminister von Katar im nächsten Jahr eine deutliche Erhöhung der Erdgaspreise vorhersehen, dürfte die Gaspreisfixierung an den Ölpreis, der in Westeuropa zu deutlich teureren Gaspreisen führt, als in den USA, langfristig Gefahr laufen aufgehoben zu werden.
Die Financial Times schrieb hierzu in ihrer gestrigen Ausgabe: „Die Internationale Energieagentur (IEA) hält mittelfristig sogar eine Gassschwemme für wahrscheinlich. Angesichts neuer Vorkommen in den USA und dem stark gestiegenen Angebot an verflüssigtem Erdgas könnten in der nahen Zukunft vollkommen neue Preisverhältnisse entstehen, schrieb die IEA in ihrem am Dienstag vorgestellten jährlichen Ausblick. Eine mögliche Konsequenz: Die seit Jahrzehnten gültige Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis wird gelöst."
Die Frage bleibt, ob diese Kopplung tatsächlich zu langfristig tieferen Preisen führen wird? Schließlich kommt diese Preisfixierung der Versorgungssicherheit für Westeuropa zugute und mit China und Indien treten bereits zwei neue Gasverbraucher auf dem Weltmarkt auf, die langfristig auch die neuen Gaslieferungen aus dem Mittleren Osten aufnehmen werden.
Investieren würde ich im LNG Sektor jedoch aktuell nicht. Die hohen Investitionskosten für die Tanklager, Transportschiffe ermöglichen für Anleger derzeit kaum überdurchschnittliche Renditen. Allerdings habe ich in meinem Rohstoff Investor ein sehr gutes Gasförderunternehmen aus den USA empfohlen. Dieses Unternehmen ist ein Meister bei der Absicherung vor fallenden Erdgaspreisen und versteht den Gasmarkt so gut wie kaum ein zweites Unternehmen. Durch neue Fördertechnologien wird dieses Unternehmen auch zum Marktführer für neue Gasvorkommen (Shale Gas) aufsteigen und deshalb für die USA gesehen das mit Abstand höchste Förderwachstum aufweisen.
Somit ist das Unternehmen ein großer Profiteur des laufenden Gasbooms. Zumal der Gaspreis rein kalkulatorisch gesehen nicht ewig unter dem Niveau des Ölpreises notieren kann, da sonst Arbitragemöglichkeiten entstehen würden.
Auf jeden Fall erscheint es mir, dass der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau weit überteuert ist und Erdgas im Vergleich dazu eigentlich zu billig scheint.
Herzliche Grüße
Andreas Lambrou
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Kante (13.11. 2009 12:14 Uhr):
Halten Sie ein Engagement in Katar - z.B. mit Produkten wie DB1QAT aktuell für sinnvoll? Mit freundlichen Grüßen und Dank für die aufschlußreiche Info Henning Kante
Antworten - Kommentar von Kante (13.11. 2009 12:18 Uhr):
Halten Sie ein Engagement in Katar - z.B. mit Produkten wie DB1QAT aktuell für sinnvoll? Mit freundlichen Grüßen und Dank für die aufschlußreiche Info Henning Kante
Antworten - Kommentar von Kante (13.11. 2009 14:27 Uhr):
Halten Sie ein Engagement in Katar - z.B. mit Produkten wie DB1QAT aktuell für sinnvoll? Mit freundlichen Grüßen und Dank für die aufschlußreiche Info Henning Kante
Antworten - Kommentar von Waldemar (13.11. 2009 17:08 Uhr):
"Manchmal frage ich mich bei solchen Aussichten, weshalb wir uns von Russland derart in die Mangel nehmen lassen?" Was meinen Sie damit? Wann hat Russland Deutschland in die Mangel genommen???
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