"Bericht aus Bonn", Teil 2
Investors Daily
vom 03. April 2008 18:00 Uhr
ENL5454
2. Deutscher Börsenbrieftag - spannend bis zur letzten Minute
Liebe Leserin, lieber Leser,
nach einem abwechslungsreichen Vormittag mit durchaus kontroversen Ansichten ging es im zweiten Teil der Veranstaltung mindestens genauso spannend weiter. Neben der gelungenen Intermarketanalyse von Robert Rethfeld erwartete uns das Top-Thema des Tages: Was sollten Sie am besten unternehmen, um sich auf die neue Abgeltungssteuer ab 2009 optimal vorzubereiten? Obwohl ich mich als Chefredakteurin des Rohstoff Investor (und als private Anlegerin) natürlich schon einige Zeit mit dieser schwierigen Frage auseinandersetze, hatte Markus Miller mir hier noch einige neue und auch überraschende Lösungsvorschläge zu bieten. Lesen Sie weiter unten die wichtigsten Punkte, die Sie nicht aus den Augen verlieren sollten.
"Aktien, Anleihen, Währungen Rohstoffe - Intermarket-Faktoren 2008": In welche Märkte fließen 2008 die meisten Anlagegelder?
We im vergangenen Jahr präsentierte Robert Rethfeld (Der Wellenreiter) seine ausgesprochen treffsicheren Zyklusmodelle. Aus der vergleichenden Betrachtung langfristiger Phänomene bei allen Anlageklassen entwickelt er Charts, die Aussagen über die weitere Entwicklung der Weltmärkte liefern. Wie er bereits im vergangenen Jahr prognostizierte, befinden sich die USA wahrscheinlich bereits seit Ende 2007 in einer Rezession (mit Sicherheit kann man den Beginn einer Rezession immer erst nachträglich mehrere Monate nach Beginn bestimmen). Aufgrund der Zinsentwicklung vor der Rezession kalkuliert er eine Länge von rund neun Monaten. Da sich Rezessionen prinzipiell deflatorisch auswirken, rechnet er noch in der ersten Hälfte des Jahres 2008 mit einem vorläufigen Höhepunkt der Inflation und stark steigender Arbeitslosigkeit. Das Zinssenkungspotenzial der FED sieht er auf einem Niveau von 1,5 bis 2,0% als ausgeschöpft an. Die Zinsen sollen dann als erste Anlageklasse einen Tiefpunkt abschließen und in eine lange zyklische Zinsanstiegsphase übergehen. Der US-Dollar soll zusammen mit einer Schwäche der industriell benötigten Rohstoffe spätestens ab dem dritten Quartal 2008 Stärke zeigen. Eine generelle Dollarwende sieht er aber erst im Jahr 2010. Das Ziel liegt im Bereich von 1,65 gegenüber dem Euro. Weiterhin ist die Entwicklung von USD/JPY ein wichtiger Seismograph für die verfügbare Liquidität an den Märkten. Mit dem Fall unter die langfristige Unterstützung bei100 Punkten hat USD/JPY eine negative Divergenz zu den Aktienmärkten ausgebildet. Eine Rückeroberung dieser wichtigen Marke würde eine deutliche Entspannung für die Märkte bedeuten.
Wie zuvor Daniel Bernecker sieht Robert Rethfeld in den Tiefs des Aktienmarkts im Januar und März 2008 sehr wichtige Panikausverkäufe. Die Bedeutung dieser Böden wird durch wichtige Extrema bei Sentimentwerten und Geldflüssen unterstrichen. Daraus leitet er ab, dass sich von diesen Bodenbildungen aus eine starke Gegenbewegung entwickeln kann. Sorgen macht ihm allerdings, dass sich bereits sehr schnell wieder starker Optimismus breit macht und dass die Banken als bedeutendster Sektor des amerikanischen Marktes immer noch keine Stärke entwickeln können. Daher stellte er auch ein Alternativszenario vor, falls die Aufwärtsbewegung versagt: Wenn die Tiefs erneut unterschritten werden sollten, steht durch die enttäuschten Erwartungen eine massive Kapitulationsbewegung über mehrere Monate bevor. Deren Ausmass würde noch einmal den selben Bewegungsumfang umfassen, wie wir ihn bereits hinter uns gebracht haben. In diesem Fall wäre ein Ziel für den Dow Jones im Bereich von 9.000 bis 9.500 zu sehen, das erst im Herbst 2008 erreicht werden würde. Zu diesem doch recht bärischen Szenario passt auch seine Feststellung, dass der indische und chinesische Markt Blasen ausgebildet haben, die denen von Nikkei und Nasdaq vor ihren großen Korrekturen ähneln. Während im vergangenen Jahr die Angst vor einem Einbruch der asiatischen Märkte noch durch die Medien geisterte, als sie gemütlich weiter stiegen, ist es nun sehr ruhig um sie geworden. Niemand spricht darüber, dass sie in den vergangenen Wochen die wirklich großen Verlierer waren. So hat China vom Top in kürzester Zeit 45% abgegeben, was aber nach dem Blasenmodell von Robert Rethfeld erst ein kleiner Teil des typischen Weges ist. Wenn sich diese Entwicklung verstärkt, kann sie gerade für die Exportnationen wie Deutschland sehr negative Folgen haben. Auch politische Spannungen sollen wieder verstärkt eine Rolle spielen. Denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es typisch, dass sich die angespannte Situation in Auseinandersetzungen entlädt. Aber selbst wenn sein negatives Szenario für die Aktienmärkte wahr werden würde, hat Robert Rethfeld eine gute Nachricht speziell für deutsche Anleger: Denn das dann im Herbst zu erwartende Tief sei ein idelaer Einstiegszeitpunkt, um vor der kommenden Abgeltungssteuer noch einmal Positionen auf tiefem Niveau aufbauen zu können.