Ben "Helikopter" Bernanke: Was hat er denn nun schon wieder gesagt?
vMichael Vaupel in Traders Daily
vom 07. Juni 2006 12:00 Uhr
ENL5462
*** Zunächst eine Korrektur: Am 1.6. schrieb ich hier im Trader´s Daily zu Imperial Oil: „Auf dieser Seite steht, dass der Aktiensplitt (für 3 alte Aktien erhalten Sie eine neue zusätzlich) mit Stichtag 23. Mai durchgeführt wurde.“
Das stimmt nicht: Imperia Oil-Aktionäre erhielten nicht für 3 alte Aktien eine neue, sondern für eine alte 3 neue. Ich bitte, diesen Fehler zu entschuldigen. (Übrigens sollten die neuen Aktien inzwischen eingebucht sein.)
Mein Dank geht an Trader´s Daily-Leser Rainer K., der mich auf diesen Fehler hingewiesen hatte (und den ich als aufmerksamen und kritischen Leser sehr schätze)!
*** Zahl des Tages: Laut Mikrozensus haben 15,3 Mio. Menschen (19%) in Deutschland einen sogenannten Migrationshintergrund.
*** Nachdem gestern der US-Notenbankchef Ben Bernanke mitgeteilt hatte, dass er die Inflation in den USA hart bekämpfen möchte….ging es weltweit mit Aktienkursen und Rohstoffpreisen bergab. Denn obwohl er bis jetzt das genaue Gegenteil getan hat, argumentieren viele Marktteilnehmer so:
Kampf gegen Inflation, das bedeutet stärkere (als erwartet) Zinserhöhungen. Die könnten die US-Konjunktur abwürgen (weshalb die Aktienkurse fallen). Ein Rückgang des US-Wirtschaftswachstums würde auch China treffen, denn die Chinesen exportieren fleißig nach Nordamerika. Dann würde wiederum die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen zurückgehen, und deshalb fallen auch die Rohstoffpreise.
Meine Einschätzung:
Selbst wenn Bernanke nun die US-Zinsen stärker als erwartet erhöhen wird und den Kampf gegen die Inflation ernst nimmt – die chinesische Rohstoff-Nachfrage wird nicht SINKEN, höchstens weniger stark als bisher steigen. Das muss sie aber ohnehin, denn sonst würden bei zahlreichen Rohstoffen in einigen Jahren das WELTWEITE Angebot nicht mehr reichen, um die chinesische Nachfrage zu decken. Bei einigen Rohstoffen gingen im letzten Jahr satte 99% der weltweiten Nachfrageerhöhung auf China zurück. Wenn China so weiter wachsen würde, dann würden die weltweiten Rohstoff-Vorkommen in vielleicht einem Jahrzehnt schlicht und einfach noch nicht mal mehr für China ausreichen.
Es ist deshalb überhaupt keine Katastrophe, wenn das chinesische Wirtschaftswachstum von aktuell rund 10% auf 8, 7 oder auch „nur“ 6% zurückgehen würde. Was der Anlass für diesen Rückgang sein würde, ist gar nicht entscheidend (ob es nun eine Konjunkturabkühlung in den USA aufgrund drastischer Zinserhöhungen oder einfach nur das erhöhte Ausgangsniveau in China ist).
Fakt ist aber: Es gibt bereits heute einige Rohstoffe, bei denen schon jetzt die Nachfrage über dem Angebot liegt. (Die Nachfrage kann nur durch den Abbau von Lagerbeständen befriedigt werden.) In solchen Fällen reicht schon eine Stagnation der Nachfrage aus, um den Preis des betreffenden Rohstoffs weiter steigen zu lassen (solange das Angebot nicht deutlich steigt, aber das lässt sich gerade bei Rohstoffen zum Glück immer recht gut abschätzen, da z.B. neue Minen nicht von heute auf morgen die Produktion aufnehmen.
Fazit: Bleiben Sie genau wie ich locker, wenn die Rohstoffpreise aktuell aufgrund der Bernanke-Rede durch die Bank verlieren. Wenn es noch etwas weiter abwärts gehen sollte, können Sie dankbar die Hände aufhalten und einsammeln – es wird sich auszahlen, davon bin ich überzeugt! (Bei meinem Börsendienst „Rohstoff Signale“ handhabe ich es deshalb so).
Viele Grüße,
Michael Vaupel
P.S.: Achja, ich wollte ja noch auf die US-Arbeitsmarktdaten vom letzen Freitag zurückkommen. Die fielen nicht gerade gut aus: Es wurden 75.000 neue Stellen geschaffen, und nicht wie erwartet über 100.000. Zudem wurden die beiden Vormonatswerte um 37.000 nach unten korrigiert. Sobald etwas „unter den Erwartungen“ liegt, wird es an der Wall Street als „schlecht“ bezeichnet. Ich möchte aber auch einmal betonen, dass 75.000 neue Stellen immerhin einen ZUWACHS an Arbeitsplätzen bedeuten. Und die US-Arbeitslosenquote liegt mit 4,6% auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2001. Per saldo würde ich diese Zahlen in Bezug auf mögliche US-Zinserhöhungen als „neutral“ bezeichnen. Mehr dazu von meinem deutsch-amerikanischen Kollegen Christoph Amberger, siehe sein Beitrag unten.
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