Ben Bernanke: Quantitative Easing
Tom Firley in Investors Daily
vom 3. November 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
Heute also wird sich (bzw. Ben Bernanke) entscheiden, mit welcher Geschwindigkeit die USA den Bach runter geht. Oh, sorry, das war jetzt etwas hart ausgedrückt. Beobachten Sie ab 20.00 Uhr einfach die US-Märkte (später dann den Nikkei und morgen den Dax...).
Es scheint beschlossene Sache, dass die FED in näherer Zukunft weitere US-Staatsanleihen aufkauft. Mit anderen Worten: Es wird weiter Geld in die Märkte gepumpt, wenn auch über einen Umweg. Von zunächst 500 Milliarden US-Dollar ist die Rede.
Ziel soll sein, die Wirtschaft anzukurbeln, indem die Unternehmen günstige Kredite von den Banken erhalten; dies wiederum soll unter anderem die Arbeitslosigkeit in den USA zügeln (die Arbeitslosenrate lag im September in den USA bei 9,6%!). Die Herausforderung ist nur, dass das Geld bei den Unternehmen ankommt.
Weitere Nebenwirkung (und die halte ich für logisch; wer es besser weiß, möge mich belehren): Inflation. Und natürlich steigende Rohstoffpreise. Und ein weiter fallender Dollar. Lernt man übrigens in VWL, erstes Semester (heutzutage vielleicht sogar schon früher...).
Quantitative Easing = Easy Money?
Das Ganze hat dann den Namen Quantitative Easing. „Easing" hört sich ja erstmal ganz gut an. Alles wird „easy", alles wird „leichter" (na ja, oder „lockerer" wäre die bessere Übersetzung).
Nur ganz so easy wird es wohl nicht werden. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Es ist schon genug Geld da in den USA, es wird nur nicht da investiert, wo es hingehört. Ansonsten könnte Bernanke ja noch an der Zinsschraube drehen... geht aber nicht, die ist schon bei nahezu „Null".
Es stellt sich die Frage, warum die FED nicht einfach direkt mit den (auch kleineren) Unternehmen verhandelt und Kredite vergibt... Gerade die USA sind doch sonst so stolz auf den viel zitierten Pionier-Geist. Hm, aber das würde vermutlich im Chaos enden. Dafür habe ich noch eine weitere Idee:
Flapsige Idee zum Schluss
Wenn ich etwas jünger wäre, würde ich ein paar hemdsärmelige (das ist in meinen Augen eine positive Bezeichnung!) Landwirtschaftsexperten zusammentrommeln, dazu noch ein paar fleißige Bäcker-Gesellen. Meine Aufgabe bestünde dann nur noch darin, Barack Obama davon zu überzeugen, dass es den USA an einem besonders mangelt: Gutes Brot. Und das kann nur mit ordentlichem Roggen (und weiteren Zutaten) gebacken werden.
Die USA flächendeckend mit wohl schmeckenden Brot zu versorgen, wäre doch mal ein sinnvolles Projekt. Und ein paar Milliarden Unterstützung von der US-Regierung sollten da wohl nicht das Problem sein. Subventioniertes Brot - so flapsig finde ich die Idee gar nicht (die Idee ist ja auch nicht neu, wie die Franzosen wissen). Aber vermutlich würden die USA lieber Treibstoff subventionieren... Doch zurück zum Ernst der Lage:
Grundsätzlich bin ich ja - wie Sie wissen - ein eher optimistischer Mensch. Aber die Entwicklung, insbesondere in den USA, löst bei mir akute Emotionen aus. Ich will nicht sagen „ängstliche", aber sehr nachdenkliche. Und da stehe ich wohl nicht ganz alleine da... Ein Tipp zum Schluss:
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Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Die Darstellung der optimalen Dax-Korrektur bringe ich Ihnen morgen mit.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Joachim Nolte (03.11. 2010 18:55 Uhr):
Es ist wohl ein offenes Geheimnis, dass QE in erster Linie der Sanierung der US-Großbanken dient. Ich habe gelesen, dass die Banken weltweit für mehr als 600 Billionen Dollar faule Derivate in ihren Büchern haben und der Hauptteil auf die US-Großbanken entfällt. Darin liegt wohl der Grund dafür, dass von den paar Billionen kaum etwas in der Realwirtschaft ankommt. Mit anderen Worten: Über eine Inflation brauchen wir uns wohl vorläufig keineSorgen zu machen.
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (03.11. 2010 21:11 Uhr):
Nur dass die USA nicht alleine "den Bach runter" gehen. Denn die anderen schlauen Zentralbanker "stützen" ja den den Dollar durch Aufkäufe. Es wird wohl ähnlich kommen wie beim Untergang des kommunistischen Systems: Die verschworenen keynesianisch-"monetaristischen" Ideologen werden durch die Realität unbeirrt bzw. unso sturer weitermachen, je evidenter ihr Scheitern ist, bis das ganze System zusammenbricht und dabei immer mehr "versteckte" (Überwachungsstaat) und schließlich offene Gewalt anwenden, natürlich alles "zum Wohle des Ganzen" (Siehe Bankenrettungen) Derilen schaut der ungläubige Bürger fassungslos zu, wie mal eben ein paar hundert Milliarden für die "armen Banken", für "die armen Griechen, Portugiesen, Iren, den "unter Spekulanten notleidenden Euro" und natürlich ohne weitere Erwähnung den notleidenen Dollar, nicht zu vergessen das britische Pfund verbraten werden, alles natürlich "aus Solidarität mit den jeweiligen Partnern". Die Schulden hat "der Steuerzahler", d.h. wir sind stickum enteignet! So wird also "Demokratie" ausgehebelt, weil der unbedarft-vertrauensselige Bürger nicht durchschaut, was ihm durch diese für ihn abstrakten Manipulationen in Wirklichkeit geschieht ! Und glaubt ja nicht, dass irgendwer unterhalb der "Oberklasse" dabei ungeschoren davonkommt, und sei er noch so schlau! Hartmut Fischer
Antworten - Kommentar von Gustav (04.11. 2010 00:12 Uhr):
Da haben Sie ja ganz schön daneben gelegen mit Ihrer Prognose, daß in den USA, in Japan und bei uns die Kurse abrutschen. Ihre Angst habe ich sowieso nicht verstanden. Wenn Liquidität in den Markt gepumpt wird, kommt immer ein nicht unerheblicherTeil davon den Aktienmärkten zugute.
Antworten- Antwort von Tom Firley (04.11. 2010 06:39 Uhr):
Hallo Gustav, ich habe nicht prognostiziert, dass die Kurse "abrutschen". Eher im Gegenteil ist klar, dass die Aktienkurse erst einmal steigen, wenn die FED weiteres Geld auf die US-Märkte schwemmt - ähnlich wie bei einer Zinssenkung. Die Frage ist eben, wann und bei welchem Betrag diese Gelddruckerei aufhört, mit welcher Inflation zu rechnen ist, mit welcher Arbeitslosigkeit usw. Viele Grüße Tom Firley
- Antwort von Tom Firley (04.11. 2010 06:39 Uhr):