Ben Bernanke – der Wunderheiler?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 9. August 2011, 20:30 Uhr
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Und wieder wartet die ganze Welt auf Ben Bernanke, auf dass er erneut in seinen Helikopter steigen möge, um grüne Scheinchen regnen zu lassen. Zur Stunde ist der US-Notenbankchef noch nicht vor die Kameras getreten, um eine neue "Wunderheilung" vorzunehmen, doch sein Ruf eilt ihm voraus.
Der Markt will offene Schleusen
Was ich ja schon mehrmals in den letzten Monaten und noch einmal vehementer in den letzten beiden Ausgaben vermutet hatte, will heute auch der Markt von FED-Häuptling Ben sehen: ein QE-3 oder zumindest etwas, das in die Richtung sich weiter öffnender Schleusen zeigt. Der Markt fordert seine Liquidität, auch wenn das bislang in keinster Weise zu den eigentlich von der FED erhofften Zielen geführt hat.
Wir erinnern uns: Häuptling Ben und seine FED-Mannen hatten bereits zweimal seit der Finanzkrise ein Quantitative Easing beschlossen. Hierbei kauft die FED US-Staatsanleihen und versorgt die Banken dabei mit Liquidität.
Ziel der ganze Chose ist es, die Banken dazu zu bringen mehr Kredite zu vergeben, auf dass die Wirtschaft endlich florieren möge und im angenehmen Nebeneffekt die Zahl der Arbeitslosen sinken kann. Dieses Ziel wurde bislang aber keinesfalls erreicht. Die US-Arbeitslosenrate ist immer noch verflixt hoch und die zwischenzeitliche Erholung der US-Wirtschaft scheint (dies wird immer deutlicher) noch immer wacklig herum zu tapsen und keinesfalls bereits das Laufen gelernt zu haben.
Doch das hat einen Nebeneffekt
Nebeneffekt der ganzen Chose: da die FED für ihre QE-Programme riesige Summen in die Hand nehmen muss, die sie durch eine Aufblähung ihrer Bilanz in die Hand nimmt und wobei sie gleichsam die Geldmenge aufbläht, wächst die Inflation und schließlich steigen auch die Teuerungsraten. Und so haben sich die US-Verbraucherpreise im Juli schon um 3,6% verteuert gegenüber dem Vorjahr. Na ja, kein Wunder, bedenkt man die wirklich gewaltigen Summen, welche die FED da in die Hand nehmen muss. QE-1 und QE-2 zusammen haben ein Volumen von 2,3 Billionen US-Dollar. Und die FED ist mittlerweile der größte Halter von US-Staatsanleihen.
Häuptling Ben - Retter der Märkte?
Heli-Ben hielt nach der Finanzkrise dieses Vorgehen für absolut unumgänglich, schließlich ist es ja auch seine Aufgabe für Beschäftigung und Wachstum zu sorgen. Nachdem QE-1 ausgelaufen war, wurde deutlich, dass die US-Wirtschaft noch nicht so weit ist (das ist sie zwar heute auch noch nicht...aber lassen wir das mal) und QE-2 wurde schließlich beschlossen. Die Party ging weiter. Inzwischen ist auch QE-2 ausgelaufen und Ben (der durchaus weiß, dass die US-Wirtschaft noch immer nicht so weit ist) versucht sich seitdem am Kompromiss-Kurs: die extrem hohe Geldmenge konstant halten, aber dennoch weiter Treasuries kaufen (dies funktioniert indem die FED nur die Einnahmen aus auslaufenden Wertpapieren wieder reinvestiert).
Das reicht aber augenscheinlich nicht aus, um den Markt am Schwimmen zu halten und außerdem zeigt sich die Verbraucherpreisentwicklung diesmal stärker als im letzten Jahr. Mit anderen Worten: die Angst vor Straffungs- anstelle von Überschwemmungsmaßnahmen ist diesmal höher gewesen. Dies zusammen mit den bekannten und hochdiskutierten Schulden- und Wachstumsproblemen in den USA und der Eurozone hat schließlich den Stimmungsknick und den Abverkauf der letzten Tage ausgelöst.
Jetzt ist der Markt deprimiert und in dieser Depri-Stimmung kann ihm nur noch die FEDsche Stimmungsdroge helfen. Und weil der gute Heli-Ben dem armen traurigen Markt noch nie etwas abschlagen konnte, schöpft der Depri-Markt auch heute neue Hoffnung und legt eben jene vollkommen auf den netten Onkel Ben, der hoffentlich das Stimmungs-Bonbon in der Tasche hat.
Der liebe Ben hat es dabei sogar recht einfach: ich schätze der Gute muss heute noch nicht einmal schon QE-3 ankündigen, es dürfte wohl ausreichen wenn er erst einmal nur ein paar Maßnahmen in Richtung lockere Geldpolitik ankündigt und eine Straffung der Geldpolitik in die ferne Zukunft verschiebt. Doch wehe, wenn der gute Onkel den Markt enttäuschen sollte: dann droht mit Sicherheit neues Wehklagen von den Märkten! Ach es könnte so einfach sein, wenn da nur nicht diese bedrohlichen Nebeneffekte wären und der verflixt ungute Nebengeschmack des Verschiebens der Probleme in die Zukunft und der damit einhergehenden Vergrößerung der Probleme.
Aber so ist das eben, lieber Häuptling Heli-Ben, du bist halt leider der Onkel eines abhängigen Marktes und musst dir irgendwann auch eingestehen, dass du und dein Vorgänger eben jenen erst dazu gemacht habt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Erhard Langegger (09.08. 2011 21:48 Uhr):
Guten Abend Frau Kraus! In Allem haben Sie recht! Eine solche Staatenverschuldung hat es seit bestehen der Welt noch nie gegeben. Der große Knall wird hart sein,ich denke das neue Geld wird eines Tages eins zu einer Million gewechselt werden müssen. Schönen Abend noch! Erhard Langegger
Antworten - Kommentar von Albert Karl (10.08. 2011 00:32 Uhr):
Hallo Frau Kraus, zu Ihrem Thema: Ben Barnanke - der Wunderheiler? Wie wir wissen, sieht ja die amerikanische Verfassung vor, dass die Schuldengrenze per Präsidenten-Dekret erhöht werden kann. Wir haben dann gesehen, dass die Rating-Agentur S&P die Bonität der USA herabstufte mit all den auslösenden dramatischen Folgen. Wer die Schuldenaufnahme anordnet ist aber doch lange nicht so wichtig wie die Tatsache, dass es überhaupt zu einer enormen zusätzlichen Verschuldung kommt. Bezüglich eines Ratings finde ich ausserdem die Tatsache, dass die neu auszugebenden Anleihen zu einem großen Teil von der eigenen Notenbank aufgekauft werden, wesentlich gravierender. Jede andere Nation die soetwas tun würde, also die Staatsausgaben über die Notenpresse zu finanzieren, wäre von den amerikanischen Rating-Agenturen längst auf Junk-Status abgestuft worden. Die merkwürdige Ungleichheit in den Sichtweisen der Rating-Agenturen hängt wohl damit zusammen, was in nationalen Interesse der USA ist. Die Geschichte zeigt uns, dass Recht und Gesetz ausser Kraft gesetzt wird, wenn es um`s geheiligte nationale Interesse geht. Es würde mich nicht wundern, wenn hinter den Kulissen Druck ausgeübt wird, denn immerhin steht die Währungshoheit der USA auf dem Spiel. 1. Und Sie haben es in Ihrem fundierten Bericht aufgezeigt: Fakt ist, dass die Schuldengrenze auf die eine oder andere Art und Weise erhöht wird. Fakt ist auch und das habe ich Ihrer Kollegin Frau Bach schon geäußert, dass Chinesen, Japaner und die Golfstaaten nicht mehr "heiß" auf US-Treasuries sind. Dies wiederum bedeutet, dass die FED - und jetzt kommen wir zu Ihrem Onkel Ben - einen großen Teil der amerikanischen Schrottpapiere wird aufkaufen müssen. Das Finanzieren des Haushalts mit der Notenpresse ist ja wiederum der Beginn jeder Währungszerrüttung. Wie lange das gut geht ist ungewiss; gewiss ist aber, dass bei einer Währungszerrüttung die Preise - und das wissen wir beide - für Real Assets und damit auch die Kurse für Aktien steigen. 2. Also: Es spricht aus meiner Sicht alles dafür, dass jetzt wieder in großem Stil von Anleihen in Aktien umgestiegen wird. Andere "Real Assets" sind bereits wieder im Steigflug (z.B. Gold, Edelmetalle), andere stehen kurz vor dem Ausbruch. Und sowieso gilt: Ceterum Censeo: Gold kaufen! Gold kaufen! Gold kaufen! Gute Nacht und entschuldigen Sie, dass ich wiedereinmal meine Gedanken nicht im Zaun halten konnte. Ihr eifriger Leser Albert Karl
Antworten - Kommentar von Dietmar Funk (10.08. 2011 14:25 Uhr):
Welch mieser Schreibstil ! Eine sachliche Kommentierung tut not.
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