Ben Bernanke bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 21. März 2006 18:00 Uhr
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Hm, was soll mir das nun sagen. Das war sie wieder, die Unsicherheit im Zusammenhang mit Ben Bernanke. Bei seiner gestrigen Rede stellte er das US-Wirtschaftswachstum trotz einer Abschwächung des Immobilienmarkt als weiterhin solide dar. In der gegenwärtig "sehr flachen Renditekurve" sieht er kein Signal einer möglichen Verlangsamung der US-Wirtschaft. Soweit so gut, das sagte auch sein Vorgänger Alan Greenspan. Dann fügte er hinzu, dass die Finanzen der Konsumenten in einem ausreichenden Zustand seien, um die US-Wirtschaft in der Nähe ihres Potenzialwachstums zu halten. Ben Bernanke sprach auch davon, dass die Entwicklung der langfristigen Zinsen ein vorsichtiges Verhalten erfordere.
Ich sehe hier wenig Neuigkeiten, von den Kommentatoren und Analysten wurden diese Aussagen jedoch als ein Zeichen für weitere Zinserhöhungen interpretiert.
Welche Politik wird Ben Bernanke verfolgen
Wie muss man diese Aussagen von Ben Bernanke interpretieren? Das habe ich mich heute gefragt. Zum einen schafft er es im Moment ausgezeichnet, seinen ehemaligen Ruf als Inflationist und Vertreter des leichten Geldes (Geld mit Hubschraubern abwerfen) abzulegen. Ich hatte damals dazu geschrieben, dass es etwas anderes ist, sich als Professor zu äußern und als Notenbankchef reale Geldpolitik zu betreiben.
Ich vermute, dass diese Veränderung seines Rufes gewollt ist. Ben Bernanke versucht alles, um den nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, er werde alles tun, um die Inflation zu bekämpfen. Man stelle sich nur vor, er würde das nicht machen.
Alles andere wäre zu gefährlich
Schnell würde der Dollar massiv einbrechen, weil die Devisenhändler mit stark fallenden Zinsen oder einem wertlosen Dollar rechnen würden. Der fallende Dollar würde sich wiederum extrem auf die Inflation auswirken, die Kosten für Rohstoffe und Energie in gigantische Höhen treiben, natürlich auch die Handelsbilanz beeinflussen, mit anderen Worten, es käme im schlimmsten Fall zu einer Katastrophe.
Das kann er und das wird er nicht wagen. Aus diesem Grund ist es sehr vernünftig, nun den Anschein zu hinterlassen, eine restriktive Geldpolitik zu verfolgen. Schließlich, wie gesagt, werden die Zinserhöhungen in den USA früher oder später ausgesetzt werden müssen.
Soweit ist also alles in Ordnung.
Bisher ist das alles eine Vermutung
Nur, ich kann Ben Bernanke nicht einschätzen. Eigentlich ist er als Professor eher den Theoretikern zu zuordnen. Und mit Theoretikern habe ich so meine Probleme, wenn Sie wichtige Positionen in der Politik/Wirtschaft übernehmen.
Deswegen kann ich auch nicht beurteilen, ob er dem Aktienmärkten wirklich die Bedeutung beimisst, die sie tatsächlich haben. Eins ist sicher, wenn er die Zinsen in den USA zu stark anhebt, dann wird auch Ben Bernanke in der Tradition der anderen Notenbanker sehr früh seinen ersten Crash, in diesem Fall einen Aktiencrash erleben. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass er das riskieren wird.
Wenn alles Taktik ist, kann es gut sein, dass wir trotzdem bald eine Aussetzung der Zinserhöhungen sehen werden. Daran werden wir schließlich auch erkennen, wie Ben Bernanke einzuschätzen ist.
Die Märkte fallen trotzdem
Die Märkte nahmen die Rede eher negativ. Das kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, da, wie gesagt, häufig die Woche nach dem Verfallstag richtungsweisend ist. Ob diese sowieso schon unsichere Regel angesichts der Rede von Ben Bernanke dieses Mal auch Geltung hat, lasse ich einmal dahingestellt.
Von der Inflationsseite nimmt der Druck ab
Eins ist in diesem Zusammenhang auch anzumerken:
Die um 14.30 Uhr veröffentlichten US-Erzeugerpreise sind um 1,4 % zurückgegangen! Das ist es, was ich meinte. Durch die sinkenden Energiepreise kann es nun auch zu sinkenden Inflationsraten kommen. Allerdings ist die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) noch um 0,3 % angestiegen. Es wird etwas dauern, bis sich sinkende Energiepreise auch in weiteren Bereichen durchsetzten. Das war umgekehrt auch so.
Eigentlich hat somit Ben Bernanke auch von der Inflationsseite nun Hinweise, dass er ohne Gefahren, die Zinserhöhungen aussetzen kann. Warum sollte er also die Zinsen weiter anheben?
Im Prinzip müsste der Markt diese Daten mit steigenden Kursen quittieren. Ich bin gespannt. Noch muss der Nasdaq100 nachhaltig über die 1700 Punkte steigen und der S&P500 über die 1300/1310 Punkte – darauf warte ich immer noch.
Die Gefahr zu hoher Zinsen
Steigen jedoch die US-Zinsen über 5 % wird es meines Erachtens kritisch und zwar aus einem ganz einfachen Grund:
Die US-Aktienmärkte haben eine länger eher seitwärts gerichtete Phase hinter sich. Da sind 5 % sichere Rendite eine gute Alternative zum Aktienmarkt. Die Bereitschaft Teile des Geldes aus den Aktienmärkten abzuziehen wird sicherlich steigen.