Ben Bernanke Bashing
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 03. April 2008 18:00 Uhr
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Man darf sich wirklich fragen, was diesen Ben Bernanke umtreibt. Anstatt die Märkte zu beruhigen, hat er in seiner gestrigen Rede erneut deutlich gewarnt, zu deutlich. Dieses Mal hielt er sogar eine Rezession in den ersten beiden Quartalen 2008 für möglich, kann diese zumindest nicht ausschließen.
Das ist untypisch, normalerweise neigen die Verantwortlichen dazu, alles tendenziell eher besser darzustellen. Ben Bernanke ist da offensichtlich eine Ausnahme. Wenn ich auch normalerweise für klare Worte in der Politik bin, weiß ich nicht, ob solche Aussagen im Zusammenhang mit der Fed Sinn machen. Wir wissen, wie hysterisch der Markt reagieren kann. Zudem wundert mich sowieso die ganze Zeit, warum die Fed, speziell Ben Bernanke, seit Wochen mit besorgten Aussagen aufwartet.
Gut, wir wissen aus seiner Zeit als Professor, dass er sich immer für eine offenere Fed-Politik ausgesprochen hat. Von ihm stammt aber auch die Aussage, dass man jede Krise meistern könne, mit den richtigen Mitteln.
Alan Greenspan versus George W. Bush
In den Medien wird Alan Greenspan die Verantwortung für die aktuelle Immobilienkrise zugeschoben. Das ist nicht ganz korrekt. Alan Greenspan musste nach dem 11. September, aber besonders vor dem Irak-Krieg die Zinsen senken. Die Gefahren für eine sehr, sehr lange Rezession waren einfach zu groß. Sicherlich, im Nachhinein hätte er die Zinsen etwas zügiger wieder anheben können. Nur, im Nachhinein gibt es immer verdammt viele verdammt schlaue Leute. Auf diese kann man aber meistens verzichten. Wenn ich mich an diese totale Endzeit-Stimmung in den Jahren 2003-2004 erinnere, kann ich verstehen, dass die Fed damals zögerlich gehandelt hat.
Ich denke, für die vielen Probleme der USA kann man nicht die Fed verantwortlich machen. Derjenige, der sich diese Krisen auf die Fahnen schreiben muss, ist George Bush. Er hat diesen unverhältnismäßig teueren Irak-Krieg gestartet. Er hat alles getan, um die USA aus einem Überschuss in eine massive Neuverschulden zu treiben, verbunden mit einer höchst verantwortungslosen Haushaltspolitik. Eine Politik, die mittlerweile auch in den eigenen Reihen offen kritisiert wird.
Es war übrigens die Fed, insbesondere Alan Greenspan, die / der oft genug die US-Regierung zu einer restriktiveren Haushaltspolitik aufgerufen hat, öffentlich und sehr, sehr deutlich – leider ohne Erfolg. Der oder die Nachfolger(in) von Bush wird es extrem schwer haben. Es war übrigens auch Alan Greenspan, der Mitte letzten Jahres die Fed dazu aufgerufen hat, die Zinsen zügiger zu senken. Im Nachhinein wäre auch das richtig gewesen.
Ben Bernanke macht einen Fehler nach dem anderen
Meiner Meinung nach hat sich Ben Bernanke einige größere Fehler zuzuschreiben. Und ich meine damit nicht, mit einer Journalistin ein paar zu offene Worte zu wechseln. Nein, er hat die Zinsen zu schnell und zu lange hintereinander angehoben. Vielleicht erinnern Sie sich noch, dass ich mich über diese Aktionen gewundert habe und fragte, warum die Fed nicht erst einmal abwartet, was die Zinssenkungen bewirken. Eben weil sich Zinsschritte erst mit einer Verzögerung von mindestens sechs Monaten auswirken. Jetzt ist die US-Wirtschaft in einer Rezession, jetzt werden fast panisch die Zinsen gesenkt. Es wirkt alles ein wenig, wie soll man sagen – unbeholfen.
Aus heutiger Sicht waren es wohl letzten Endes auch diese viel zu schnell und zu hoch steigenden Zinsen, die dazu führten, dass die schon damals bekannte Krise des US-Immobilienmarkts derart eskaliert ist.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Und jetzt in dieser doch angespannten Situation ist es wieder Ben Bernanke, der mit zu offenen Worten die Märkte verunsichert. Dabei ist doch bekannt, dass Kurse Nachrichten machen. Wenn die Kurse steigen, werden die guten Nachrichten folgen, das würde zu einer größeren Sicherheit im Finanzmarkt führen, was wiederum das Vertrauen unter den Banken verbessern würde. Wäre hier nicht ein wenig mehr Rhetorik gefragt?
Sollen die Rohstoffpreise gedrückt werden?
Also warum macht Ben Bernanke das? Die einzige Erklärung, die mir noch einfällt, ist, dass er mit diesem Bashing versuchen will, die Rohstoffpreise zu drücken. Die niedrigen Zinsen sind nicht das Problem, die hohen Energie- und Rohstoffpreise sind es, die Sorgen machen. Einerseits importieren sie Inflation in die USA, auf der anderen Seite müssen die US-Bürger immer mehr Geld für Energie und Benzin ausgeben. Geld, das dem Konsum nicht mehr zur Verfügung steht.
Nur: Wenn das seine Absicht war, hat es gründlich nicht funktioniert.
Der Notenbankchefwechselcrash
Ich hatte bei der Einführung von Ben Bernanke mal geschrieben, dass es eigentlich bei jedem Notenbankchefwechsel in den USA zu einem Crash in einer Anlageklasse gekommen ist. Wahrscheinlich wurde dieses Mal der Crash durch die zuvor niedrigen Zinsen nach hinten verschoben.
Ich vermute, dass die Ursache dieser Notenbankchefwechselcrashs ist, dass die neuen Fed-Vorsitzenden einfach noch nicht wissen, wie sie mit den Märkten umgehen sollen.
Auf jeden Fall missfällt mir, was Ben Bernanke bisher gemacht hat - immer mehr. Die Schonfrist ist abgelaufen und ich befürchte, er ist ein Theoretiker und offensichtlich auch ein Idealist. Mit dieser "Hochschulmentalität" ist die Gefahr groß, dass er an den Märkten scheitert.
Hoffen wir, dass er schnell lernt, denn die Märkte verzeihen Fehlverhalten nicht. Sollte sich die Meinung durchsetzen, dass Ben Bernanke eine Luftnummer ist, wird es für den Notenbankchef sehr schwer werden.
Schulnote 3 -
Alan Greenspan konnte sich, auch wenn er viele Kritiker hatte, doch immer des Vertrauens der Märkte sicher sein, eben weil es zumindest immer so schien, als ob er wisse, was zu tun sei. Dieses Vertrauen hat gerade in den USA auch in schwierigen Zeiten viel Ruhe in den Markt gebracht. Ben Bernanke muss erst noch beweisen, dass auch er weiß, was zu tun ist. Im Moment würde ich ihm nur eine 3 - geben.
Viele Grüße
Jochen Steffens