Belügen sie nur die Wähler oder auch sich selbst?
Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 20. Juni 2011, 17:00 Uhr
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Griechenland ist nur noch einen Monat und 17 Mrd. Euro davon entfernt, seit 60 Jahren das erste sogenannte entwickelte Land zu werden, das sang- und klanglos Pleite geht. Selbst wenn Herr Sarkozy Frau Merkel davon überzeugt haben sollte – ein schlecht gewählter Begriff, denn Überzeugungen scheint die deutsche Kanzlerin ja nicht zu haben – dass Griechenland schon wieder „gerettet“ werden sollte, kann es sich dabei nur um eine Verlängerung der Agonie handeln und nicht um eine echte Rettung. Denn Solvenzprobleme sind einfach nicht durch die Gewährung neuer Kredite zu beheben. Punkt.
Mehr muss man gar nicht wissen, um die Absurdität der bisherigen politischen Bemühungen zu erkennen. Eigentlich sollten selbst ein französischer Präsident und eine deutsche Kanzlerin dazu in der Lage sein. Und bevor wir es im Eifer des Griechenlandgefechts vergessen: Portugal und Irland befinden sich in einer vergleichbaren Situation wie Griechenland. Und Spanien und Italien hinken nur wenig hinterher.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Dennoch scheinen die Finanzmärkte noch immer an eine schmerzlose Lösung der Probleme zu glauben. Heute zumindest reagierten sie mit Kursgewinnen auf die sich eventuell abzeichnenden politischen Scheinlösungen.
Erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang an Fannie Mae, den US-Hypothekenbankriesen, der als wichtigster Immobilienfinanzierer im Zentrum der US-Immobilienblase stand. Im März 2008 erweckte die US-Regierung ganz bewusst den Eindruck, sie könne und werde diese völlig marode Bank vor Schlimmerem bewahren. Prompt schoss ihr Aktienkurs innerhalb von nur drei Tagen um mehr als 50% nach oben, von damals immerhin noch 15 Dollar auf 23. Letzte Woche schloss die Aktie bei 0,23 Dollar, was einem Verlust von 99% entspricht. Ist das nicht ein schöner Erfolg der Mächtigen? Immerhin hätte das Unternehmen eigentlich abgewickelt werden müssen. Dann wär die Aktie natürlich auf null gefallen.
Ganz so heftig wird es die Gläubiger Griechenlands und anderer überschuldeter Länder vermutlich nicht treffen. Es sei denn, die Politiker und Zentralbankbürokraten entscheiden sich für eine Hyperinflation. Dann werden allerdings nicht nur die Gläubiger enteignet, sondern fast das ganze europäische Volk. Und das vollkommen unabhängig von der Frage, wer zur Erzielung höherer Renditen hohe Risiken eingegangen ist. Solidarität hat eben ihren Preis, oder?
Noch keine Zeichen einer Bodenbildung an den Aktienmärkten
Seit Tagen schon scheint die ganze Welt darauf zu warten, dass die Aktienmärkte einen Boden bilden und endlich die nächste Rally beginnt. Selbst die weiterhin sehr geringe Anzahl eher bearisher Analysten wartet auf eine Rally, um dann zu höheren Kursen short gehen zu können. Nach sieben Wochen fallender Kurse ist diese Erwartungshaltung alles andere als normal. Normal wäre eine deutliche Zunahme ängstlicher Marktteilnehmer. Am Ende größerer Korrekturen sind sie normalerweise in der Mehrheit, während die Bullen still geworden sind und ihre Wunden lecken. Derzeit ist nichts dergleichen zu erkennen. Zuversicht und Hoffnung prägen stattdessen das Bild.
Aus dieser Konstellation heraus ist eine auch nur vorübergehende Bodenbildung höchst unwahrscheinlich. Ich rechne mit einer weiteren Abwärtswelle, die durchaus panikartig verlaufen kann, bevor die nächste größere Rally beginnt.
Herzlichst Ihr
Claus Vogt
Anmerkung der Redaktion:
Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld", dem Börsendienst, der Ihr Vermögen zuverlässig schützt. Mehr zu seinen Markteinschätzungen und Vorhersagen erfahren Sie in einem stark reduzierten und sehr interessanten Kennenlernpaket hier...
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