Beliebter Irrtum: Alternative Energien als Retter
Martin Stephan (Chefredakteur "Wahrer Wohlstand") in Investoren Wissen
vom 20. Januar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
heillos durcheinander geht es derzeit beim Themenkomplex „Alternative Energien“. Der in Kopenhagen stattgefundene „Klimagipfel“ legte dies erneut schonungslos offen. So gibt es – natürlich – keine „Welteinsicht“ für die richtige Strategie in Bezug auf die Klimarettung. Ferner wird Umweltzerstörung, je nach Landesmentalität, entweder als Geißel der Menschheit oder als hinnehmbar eingestuft. Völlig unverständlich ist, dass es noch nicht einmal eine einvernehmliche Definition von „alternativer“ oder „erneuerbarer“
Energie gibt. Für deutsche Politiker geht es beispielsweise bei jedem Klimagipfel um etwas völlig anderes als für den Großteil der anderen Regierungsvertreter. „Wir“ wollen nämlich im Idealfall nicht nur weg vom Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß, sondern zeitgleich die
Kernkraft eliminieren. Dieser „Idealfall“ sieht in Russland, China, Japan, Südkorea oder den USA allerdings gänzlich anders aus: Dort geht es nur um das vermeintlich klimaschädigende CO2. Je höher folglich der Anteil der Kernkraft am Stromerzeugungsmix, desto größer ist der dort definierte Erfolg.
Ökonomie schlägt Ökologie
Während die Staaten der ersten Welt eher an ihrem Energiemix arbeiten, aber keine großen jährlichen Zuwächse beim Stromverbrauch
stemmen müssen, sieht es im Rest der Welt völlig anders aus. Da sind zum einen jene Staaten, deren industrieller Fortschritt beachtlich ist und die deshalb permanent neue Energieerzeuger an ein ebenso expandierendes Netz anschließen. Zu dieser Gruppe gehören neben den BRIC-Staaten vor allem große Teile Asiens. Hinzu kommen jene unterentwickelten Länder und Regionen, die auf dem Weg sind, die größte Armut hinter sich zu lassen und sich erstmals mit der nachhaltigen Stromerzeugung auseinandersetzen müssen. Beide Gruppen unterliegen ganz klar ökonomischen Zwängen. Der „umweltfreundliche Energiemix“ ist für diese Länder nur dann von Belang, wenn er ebenso schnell und kostenneutral bewerkstelligt werden kann – doch genau hier hapert es. Im Prinzip ist man nur in Teilen Mitteleuropas bereit, dem Klimaschutz gleich hohe oder gar höhere Priorität einzuräumen wie der wirtschaftlichen Entwicklung. Aus Sicht von China oder Indien sind das echte „Luxusprobleme“, die man dort eher belächelt. Auch für die USA wird in der Praxis gelten, dass keine Nachkommastelle an Wirtschaftswachstum wegen alternativen Energieideen geopfert werden wird.
In den kommenden Jahren dominieren Öl und Kohle
Weltweit steigt– trotz Wirtschaftskrise – die Stromerzeugung, weltweit gehen regelmäßig neue Kraftwerke in Betrieb. Länder wie Deutschland, in denen zuletzt die Energieeinsparungen den durch immer mehr Elektro-Verbraucher in den Betrieben und Haushalten permanent steigenden Bedarf übertrafen, sind die absolute Ausnahme. Was kaum einer vermutet: Noch nie gingen so viele Kohle- und
Ölverstromer, also CO2-Schleudern, ans Netz wie jetzt – die meisten sind zudem nicht mit nennenswerten Filteranlagen ausgestattet. Jeder Klimagipfel wirkt daher wie eine Brückendiskussion über das nächste Bremsmanöver an Bord eines Supertankers, der permanent an Geschwindigkeit zulegt. Selbst wenn es eine Entscheidung geben sollte, würde es ewig dauern, bis sich das Tempo wirklich bedeutungsvoll verringern würde. Die Vorstellungen einiger Regierungen, den CO2-Ausstoß auf irgendein früheres Niveau zurückzufahren, sind daher für all jene, die Gas geben (müssen), völlig belanglos, nichtig. Nach außen wird man diese Einstellung nicht vertreten, doch jedem sollte klar sein, wer hier welche Ziele verfolgt. Die reine Möglichkeit einer durch Menschen verursachten Klimaerwärmung – immerhin gibt es auch andere Theorien zu diesem Thema als jene von Al Gore prämierten Vermutungen – kann für
Chinas und Brasiliens Führung nicht bedeuten, die Elektrifizierung zu verlangsamen. Und die gelingt am preiswertesten und schnellsten über Kohle- bzw. Ölkraftwerke. Gerade für Chinas Pseudo-KP ist es überlebenswichtig, ununterbrochen neue Arbeitsplätze zu schaffen, da ansonsten soziale Verwerfungen drohen.
Alternative Energien sind zumeist ein teurer "Luxus"
Wenn schon alternative Energien, dann wenigstens sinnvolle Varianten. Noch immer ist die Solartechnik ineffizient und teuer, sie kommt daher für die zentrale Stromerzeugung kaum in Frage. Neue Konzepte abseits der Photovoltaik könnten das in Zukunft ändern. Dort wo der Wind bläst, ist Windenergie durchaus effizient zu gewinnen, leider taugt sie genauso wenig wie Solarenergie als Grundlast. Ideal ist die Wasserkraft, denn sie ist preiswert und schnell zu- oder abschaltbar – leider jedoch nicht beliebig erweiterbar. So sind beispielsweise nur noch wenige Regionen in West- und Mitteleuropa unerschlossen, überall sonst zwischen Atlantik und Schwarzem Meer wurden entsprechende Vorhaben bereits umgesetzt. Stark im Kommen ist die Geothermie. Gerade in den USA, auf Island und in Südamerika gibt es viele neue Projekte, die zudem staatlich gefördert werden. Die für die kommenden Jahre zusätzlich benötigte Energie kann aber auch sie nicht liefern. Keine alternative Energiequelle (nach deutscher Definition) ist dazu in der Lage.
Ohne Kernkraft keine CO2-Reduzierung
So müssen sich gerade deutsche Politiker und Bürger mit einer ungeliebten Realität anfreunden: Ohne massiven Einsatz von Atomstrom wird es keine Entlastung für die Umwelt geben. Allerdings stellt Kernenergie für private Stromversorger eine hohe finanzielle Belastung dar, denn gerade die langjährige Errichtungsphase ist teuer und potenziell verzögerungsgefährdet. Ohne staatliche Finanzierungspakete und Garantien geht hier gar nichts. Angesichts dieser Ausgangslage muss folgende Frage erlaubt sein:Wenn die private Energiewirtschaft zukunftsweisende Konzepte ohnehin nur dann umsetzt, wenn staatliche Mittel bereitgestellt werden, warum wurde sie dann überhaupt „privatisiert“? Auch in Deutschland wäre eine staatlich-kommunale Kontrolle, zusammen mit allen Eigentumsrechten, absolut notwendig.
Mit den besten Grüßen, Ihr
Martin Stephan
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Martin Stephan ist Chefredakteur des Börsendiensts "Wahrer Wohlstand", der sich durch seine sichere Anlagestrategie und schonungslos offene und ehrliche Berichterstattung auszeichnet. Die Empfehlungen von "Wahrer Wohlstand" decken ein breites Spektrum krisensicherer als auch spekulativerer Investments ab. Darüber hinaus bietet Herr Stephan immer wieder auch Absicherungsstrategien und -investments zur Sicherung des eigenen Vermögens in der Krise an. Mehr zu "Wahrer Wohlstand" erfahren Sie hier...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Michael Gebert (20.01. 2010 16:18 Uhr):
Hallo, Herr Stephan, leider findet auch bei Ihnen die "Solarenergie anderer Art", nämlich die Aufwindkraftwerke nach Prof. Schlaich keine Erwähnung. Diese Energie wäre auch mit einfacher Technologie zu bauen, und damit auch für Staaten zu realisieren, die über keine eigene High-Tech verfügen. (Aber vielleicht wird sie deshalb von gewissen Interessen nicht gewünscht, da die Staaten so einen Schritt in die Unabhängigkeit z.B. vom Öl machen würden) Zur Grundlastfähigkeit wäre wohl auch kein weiter Weg, da es in Wüsten wenige Tage gibt, wo die Sonne nicht scheint. Langlebig ist diese Technologie auch und vermutlich übersteht ein Kamin einen Sandsturm besser, als eine Solarzelle. Viele Grüße Michael Gebert
Antworten - Kommentar von Michael Stumpf (21.01. 2010 02:04 Uhr):
Herrn Martin Stephan, wer auch immer dieser Herr ist, kann man auf solch einen Artikel nur folgendes entgegnen: Mit massiven Einsatz von Atomstrom wird es keine Entlastung für die Umwelt geben. So kann man mit der Änderung nur eines Wortes der Wahrheit ein erwiesenermaßen schönes Stückchen näher kommen und hätte sich einen belanglosen Artikel sparen können. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass einem Begriffe wie Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein für kommende Generationen und die Schöpfung etwas bedeuten und man hierfür ein Verständnis entwickelt hat. Mit freundlichen Grüßen, Michael Stumpf
Antworten - Kommentar von Hermann Hofbauer (21.01. 2010 11:20 Uhr):
Hallo Herr Stephan, wenn man nur auf das CO2 blickt ist Atomstrom vielleicht für kurze Zeit eine Alternative. Ich bin allerdings in diesem Bereich aus zwei Dingen sehr skeptisch, ob ein Ausbau wirklich für die Zukunft Sinn macht. 1. Die Lösung zur Lagerung der anfallenden Abfälle ist noch nicht gelöst bzw. wird auch nicht vernünftig lösbar sein. 2. Das benötigte Uran ist auch nur ein natürlicher Rohstoff der endlich ist. Einfache alternative Energien wie Windkraft, Sonnenenergie und Geothermie haben den Vorteil, daß sie fast überall verfügbar sind und nur die Gelder in die Richtung des Ausbaus gelenkt werden müssen. Es hängt also an den Rahmenbedingungen die zu ändern sind und sofort kann ohne aufwändige Technik Energie zur Verfügung gestellt werden. Herzl Grüße Hermann Hofbauer
Antworten - Kommentar von Bonsiep (23.01. 2010 17:55 Uhr):
Da Strom bisher nicht in großen Mengen gespeichert werden kann, könnte man bei der phasenweise anfallenden Windenergie, doch in Küstennähe große Meereswasserspeicher bauen, die bei überschüssigem Windstrom durch Pumpen gefüllt werden und dann bei Bedarf Generatoren zur Spitzenstromerzeugung antreiben. Bei richtiger in die Natur eingepasster Bauweise würde dies auch von der Bevölkerung askzeptiert
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