(Beinahe) das jüngste Opfer der Krise
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Oktober 2008, 10:34 Uhr
ENL5454
Ende vergangener Woche war der Autor dieser Zeilen, als er zu Fuß zur Arbeit ging, in großer Sorge. Das Ende der Welt würde vielleicht doch nicht so erfreulich, wie er gehofft hatte. Diese Sorgen verwandelten ihn beinahe in das jüngste Opfer der Kreditkrise. Das soll heißen, dass er beinahe festgenommen worden wäre.
Worüber hat er sich Sorgen gemacht? Er hat keine Schulden, aber viele Verpflichtungen. Von seinen sechs Kindern steht nur eines wirklich auf eigenen Beinen. Die anderen gehen noch zur Schule oder fangen gerade ihre eigenen Karrieren an. Er hat Häuser, die er in Stand halten muss - auf zwei Kontinenten. Und er hat ein Unternehmen, das gerade expandiert... mit neuen Büros... und neuen Produkten. Unter diesen Umständen lassen sich die Ausgaben nicht leicht einschränken - von den Steuern ganz zu schweigen.
Aber so ist das bei einer echten Panik. Jeder kümmert sich nur um sich selbst. Wie wird man seine Hypotheken bezahlen? Wie wird man in der Lage sein, sich zur Ruhe zu setzen? Wie wird man weiterhin das Essen auf den Tisch stellen können und ein Dach über dem Kopf behalten?
Und man fängt an nachzudenken... zu reflektieren... zu bereuen. Wenn man doch nur diese dummen Bankenaktien verkauft hätte. Wenn man doch nur aus Indien und China ausgestiegen wäre. Wenn man doch nur das eigene Unternehmen verkauft hätte... und das Geld in Gold gesteckt hätte... und sich zur Ruhe gesetzt hätte - als dazu noch die Gelegenheit bestand.
Die jüngsten Zahlen zeigen, dass die amerikanischen Rentenfonds in den vergangenen 15 Monaten zwei Billionen Dollar verloren haben. Das kommt natürlich noch zu dem Betrag hinzu, der am Immobilienmarkt verloren ging.
Natürlich wandern diese Finanzverluste jetzt in die Wirtschaft aus. Ein Bericht von MasterCard besagt, dass die Verbraucher deutlich die Ausgaben zurückfahren. Im September gab es bei Einzelhandelstransaktionen über Kreditkarte einen gewaltigen Einbruch, heißt es von MasterCard.
„Wenn sich weltweit Unruhen entfalten, dann könnte das Jahre des Wohlstandes umkehren", sagt eine Schlagzeile der Washington Post. Nicht wirklich. Was hier wirklich passiert, ist, dass der Wohlstand enthüllt, was er wirklich war - trügerisch. Wenn die Leute Geld ausgegeben hätten, dass sie verdient haben - Geld, das man bekommt, wenn man wirklich wohlhabend ist - dann hätten wir heute keine Probleme. Stattdessen haben die Leute das Geld ausgegeben, ehe sie es verdient haben. Und jetzt fallen die Einkünfte... die Anleger verlieren Geld... und sie haben keine Möglichkeit mehr, die Kredite zurückzuzahlen. Also werden die Kredite nicht mehr bedient... die Banken verlieren Geld... und die Kredite werden überall im System annulliert... was zu weiteren Verkäufen, geringeren Preisen, weiteren Pleiten, weiterem Stellenabbau und noch mehr Sorgen führt.
Und so spazierte der Autor dieser Zeilen... den Kopf voll von diesen schweren Sorgen... in das Bürogebäude, ohne seine Identifikationsmarke zu zeigen.
„Wo ist ihr Ausweis?" wollte der Wächter wissen.
„Oh... den muss ich vergessen habe."
„Dann müssen Sie hier warten, bis Sie von jemandem aus dem Büro abgeholt werden."
Eigentlich ist der Autor dieser Zeilen ein ruhiger Zeitgenosse. Aber da er in dem gleichen Gebäude schon seit vier Jahren gearbeitet hat... und da er und der Sicherheitsmann einander quasi täglich gesehen haben... und da er wild entschlossen war, an seinen Schreibtisch zu kommen und festzustellen, wie viel Geld er am Vortag verloren hatte - gestattete er sich einen Wutanfall.
Glücklicherweise ließen ihn die Wächter vorbei.
Und anstatt einen Wutanfall zu bekommen, möchte ich Ihnen den Ratschlag geben, sicher zu stellen, dass sie für die wirtschaftliche Situation, die sich gerade vor unseren Augen entfaltet, gut gewappnet sind.