Bei Feuerwerken zum US-Unabhängigkeitstag wird gespart
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 04. Juli 2003 18:00 Uhr
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Die steigenden Kurse am Aktienmarkt benebeln – wie eine kräftige Droge – die Sensitivität der Inestoren in Bezug auf die gegenläufigen wirtschaftlichen Trends. Aber durch steigende Aktienkurse verschwinden die schlechten wirtschaftlichen Zahlen nicht. Egal, wie hoch z.B. die Aktie von Starbucks steigen mag – die Konsumenten leiden weiterhin unter einem riesigen Schuldenberg und die Unternehmen weigern sich weiterhin, Arbeiter einzustellen.
"Abwarten und Tee trinken", das ist die vorherrschende Philosophie in den USA geworden – oder zumindest die Philosophie des nichtstaatlichen Sektors. Im öffentlichen Sektor ist die "Besteuern und Ausgeben"-Philosophie immer noch angesagt. Allerdings lag zuletzt bei vielen Regierungen von Bundesstaaten und Kommunen die Betonung auf "Besteuern". Seit Anfang 2002 haben 30 US-Bundesstaaten die Steuern auf Zigaretten erhöht. Aber es sind die Ausgabenkürzungen, die Ärger aufkommen lassen.
"Am (heutigen) Unabhängigkeitstag werden die Feuerwerke kleiner als sonst ausfallen", so Reuters, "da einige Feuerwerke (der öffentlichen Hand) gestrichen bzw. verkleinert worden sind, wegen der Haushaltsprobleme der lokalen Regierungen. Da sich die wirtschaftliche Abschwächung auch bei den Steuereinnahmen von Bund und Bundesstaaten widerspiegelt, haben diese weniger Geld für Feuerwerke – die normalerweise zwischen 1.000 und 2.500 Dollar pro Minute kosten können."
Da sich die Überschüsse der öffentlichen Haushalte in Luft aufgelöst haben, können Feuerwerke für 25.000 Dollar auf einmal eher pompös als patriotisch aussehen. Also vielleicht haben die Erbsenzähler in den Regierungen Recht, wenn sie bei den Feuerwerken sparen. Aber irgendwie scheint mir das auch nicht richtig zu sein. Denn ich könnte mir vorstellen, dass die meisten Steuerzahler lieber für ein schlechtes Feuerwerk zahlen würden, als für einen guten Kongressabgeordneten.
Die schwachen Steuereinnahmen sind einfach nur eine Folge der Post-Spekulationsblasen Umgebung. Auch eine Bärenmarktrally ist eine Folge dieser Umgebung. "Selbst Bärenmärkte schießen manchmal nach oben", so erinnert uns David Tice. David ist ein Freund von mir, und er ist Manager des Aktienfonds von Prudent Bear.
"Ganz bestimmt haben wir einen solchen Markt schon gesehen", so Tice. "Der S&P 500 hat 22 % seit dem März-Tief gewonnen, der Nasdaq 26 % ... das erinnert mich an die Situation in den USA 1999 oder in Japan 1993. Obwohl der Nikkei damals seit dem Topp 60 % verloren hatte, stieg er von Anfang März bis Anfang Juni 1993 um 25 % ... die April-Ausgabe der Business Week beschrieb die bullische Stimmung damals so: 'Die Analysten denken jetzt, dass der Nikkei in nicht ferner Zukunft auf die Marke von 21.000 Punkten zusteuern wird. Das würde das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf luftige 70 bringen, verglichen mit 35 beim Boden letztes Jahr. Dennoch scheinen diese Aussichten den Aktienkäufern keine Sorgen zu bereiten.'"
"Klingt das vertraut?" so Tice weiter. "Auch die heutigen Investoren in den USA machen sich wegen der hohen Bewertungen keine Sorgen. Egal, welchen Bewertungsmaßstab man nimmt – die Aktienbewertungen sehen eher so aus, wie man das beim Topp eines Bullenmarktes erwartet ... und nicht wie beim Tief eines Bärenmarktes. Der Enthusiasmus hat dazu geführt, dass Yahoo! jetzt mit dem Dreifachen der Umsätze der gesamten Online-Werbe-Industrie bewertet ist – eine Bewertung, die wirklich erklärungsbedürftig ist."
Tice sagt, dass die Rally am Bärenmarkt fast vorbei sei ... aber der Bärenmarkt selbst sei noch lange nicht vorbei. Laut Tice wird der Bärenmarkt nicht enden, "solange nicht entweder (1) die Kurse substanziell fallen werden, oder (2) die Unternehmensergebnisse lange genug steigen werden, so dass die Bewertungen der Aktien wieder attraktiv werden ... für mich sieht es so aus, als ob dieser amerikanische Bärenmarkt noch einen langen Weg vor sich hat."