Befreit Paris! Rettet die Menschen!
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. Juni 2007 07:30 Uhr
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*** Befreit Paris! Rettet die Menschen!
Es gibt zwei Arten von Amerikanern. Die am weitesten verbreitete Art lauscht aufmerksam den Nachrichten ... den Meinungen ... den Sportberichten ... der Politik. Die andere Art hat keine Ahnung was im öffentlichen Leben vor sich geht. Die zweite Art steht wesentlich besser da.
Der gut informierte Amerikaner wendet sich seinen üblichen Quellen der Fehlinformationen zu und stellte Mitte der letzten Woche zwei wichtige Dinge fest:
Einer der hellsten Sterne am Himmel wird verdunkeln … zumindest 23 Tage lang. Doch keine Sorge, auch die gesamte Menschheit könnte bald verschwunden sein. Und jedermanns Lieblingsprominenz und Lieblingserbin hat sich selbst in Los Angeles ins Kittchen befördert.
Und dann geht auch noch die ganze Welt zur Hölle.
Wie die vorhergenannten bin ich schockiert und alarmiert. In was für einen Polizeistaat verwandelt sich Amerika gerade? Wenn man schon nicht mehr betrunken Auto fahren darf ... was darf man dann noch? Bald wird man seinem Chef keinen Qualm mehr ins Gesicht blasen dürfen und die Sekretärin nicht mehr zwicken dürfen ... und Handfeuerwaffen nicht mehr mit ins Flugzeug nehmen dürfen.
Befreit Paris, sage ich. Befreit Amerika!
Die Zeitungskonsumenten stellten auch fest, dass die gesamte Welt in Gefahr schwebt. Ja, das stimmt. Die Menschheit zählt jetzt zu den bedrohten Arten. Wir müssen kämpfen, um den Planeten zu retten. Wovor? Vor den steigenden Temperaturen.
Warum steigende Temperaturen eine Bedrohung für die alte Kugel darstellen, ist noch nicht vollständig deutlich erklärt worden. Man sollte meinen, dass ungefähr genauso viele Menschen ein bisschen mehr Wärme schätzen, wie es Menschen gibt, die sie verabscheuen. Doch ganz egal, die Klimaerwärmung soll allerlei Katastrophen verursachen.
“Wusstest du, dass nur noch 12.000 Pinguine übrig geblieben sind”, verkündete Henry gestern, nachdem er einen Bericht in der französischen Presse gelesen hatte.
„12.000, das erscheint mir mehr als genug“, gab ich zur Antwort, „Ich meine, wie viele Pinguine brauchst du denn?“
“Dad, die Pinguine sind durch die Klimaerwärmung bedroht”, insistierte Henry, “wenn man nichts tut, um das aufzuhalten, dann könnten sie bald ganz verschwunden sein.”
“Ich frage mich, warum sie nicht das letzte Mal, als die Welt sich erwärmte, verschwunden sind”, war meine Antwort.
Doch viele Menschen nehmen die Klimaerwärmung ernst, ganz besonders in Europa. Wenn man die Zeitungen liest, dann fängt man sogar selber an, sich Sorgen zu machen. Der International Herald Tribune hat einen Sonderteil über die Begrünung des Planeten, der seit einigen Tagen läuft. Die Titelseite des Economist gab vergangene Woche ein „Aufräumen“ bekannt, und verwies damit auf einen Artikel darüber, wie Unternehmen das Problem des Klimawandels angehen. Selbst das MoneyWeek Magazin in London liefert eine Titelgeschichte – wenn auch vermutlich etwas skeptischer, wenn nicht sogar zynischer – darüber, wie die Investoren vom weltweiten Kopfsprung ins Grüne profitieren können.
Mein Energieguru, der Harvard-Absolvent und bald nicht mehr praktizierende Anwalt Byron King, ist in dieser Woche zu einer Privatführung in Prudhoe Bay in Alaska, wo er sich nach innovativen Energieinvestitionen umsieht.
Gleichzeitig trafen sich in der vergangenen Woche an den kühlen Ufern der Nordsee in Heiligendamm die mächtigsten Köpfe der Welt. Und das oberste Thema der Tagesordnung war die Frage, wie man die Welt davon abhalten kann, zur Hölle zu gehen.
Ich verdanke heute morgen Ban Ki Moon sehr viel, der, falls sie das Spektakel nicht so genau verfolgt haben, sowohl der momentane Generalsekretär der UN ist als auch ein Mann, auf den die Schwerkraft keine Auswirkung zu haben scheint. Selbst mit dem Gewicht seines Amtes unter seinem weichen Hintern droht Mr. Moon in das Weltall hinauszuschießen. Er schreibt im International Herald Tribune und versichert: „Die Wissenschaft ist sich sicher. Die Erderwärmung gibt es zweifelsfrei und wir Menschen sind im Grunde genommen die Ursache.“
Warum Mr. Moon diese Dinge mit einer solchen Sicherheit weiß, wird nicht enthüllt. Aber er fährt fort.
“Die Zeit zu handeln ist heute. Die Kosten, wenn wir nicht handeln, werden, darüber sind sich die meisten Ökonomen einig, die Kosten für ein frühes Handeln in gewaltiger Größenordnung übersteigen. Der Schaden, den Hurrikan Katrina in New Orleans verursacht hat, mag mit der Klimaerwärmung zusammenhängen oder auch nicht, aber es ist so oder so eine sinnvolle Warnung hinsichtlich der finanziellen und sozialen Gefahren einer Verzögerung.“
Zwischenzeitlich will die deutsche Kanzlerin, Frau Merkel, die G8 dazu bringen, sich darauf zu einigen, die Welttemperatur um nicht mehr als 2 Grad steigen zu lassen. Wir wissen, dass unsere Regierungen die Inflationsraten kontrollieren können – auf einem breiten Spektrum und mit gelegentlichen Explosionen. Aber das ist das erste Mal, dass ich gehört habe, dass wir auch die Temperaturen des Planeten beeinflussen können. Details werden, wie ich vermute, noch folgen.
Doch es bleibt meinem Lieblingskolumnisten Thomas L. Friedman überlassen, den idiotischsten Kommentar von allen zu liefern: „... es ist unzweifelhaft, dass saubere Produktion, grüne Energiesysteme, Geräte, Häuser und Autos zu den nächsten großen weltweiten Industriezweigen zählen werden. So muss es sein, oder wir werden als Art nicht überleben.“
Ich muss hier kurz innehalten, so wie der Preisboxer, der nach einem heftigen Schlag gegen den Kopf taumelt, nachdem ein derartiger Schlag von Absurdität einige Minuten notwendig werden lässt, um wieder zu Verstand zu kommen.
Ich habe Mr. Friedman immer für seine Fähigkeit bewundert, in die Zukunft zu blicken und mit Möglichkeiten zu kommen, wie man sie verbessern kann, ehe sie da ist. Der Kolumnist liefert dann eine Liste von Verhaltensweisen, die dazu dienen sollen, uns vor dem Aussterben zu bewahren – z.B. soll die amerikanische Regierung mehr Solar- und Windenergie kaufen, „wobei nur amerikanische Hersteller die Möglichkeit haben sollen, sich um die Verträge zu bewerben.“ Man sollte meinen, dass der Mann, wenn insgesamt das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht, der neuen übergroßen Botschaft in Bagdad zugesteht, ein bisschen Strom von den örtlichen Anbietern zu kaufen ... aber so ist Friedman: er bringt keine Idee auf den Tisch, die so idiotisch wäre, dass man sie nicht durch die Details noch ein bisschen idiotischer machen könnte.
Trotz all dieser heißen Luft, gebe ich zu, dass es bei vielen Gelegenheiten echte Probleme geben könnte. Wenn ich ein Feuer anmache, dann habe ich den Nutzen der Wärme, aber der Rauch steigt im Kamin hoch. Und wenn sehr viel Rauch durch den Kamin steigt, dann können anderen Leuten schlechte Dinge widerfahren. Sie müssen vielleicht husten, röcheln oder den Mann verfluchen, der das Feuer entzündet hat. Ehrlich wäre es, wenn man beichtete und für den Schaden zahlte, den man verursacht hat – wenn überhaupt.
Das Problem mit der Klimaerwärmung ist, dass ich mir nicht sicher bin, dass es wirklich einen Schaden gibt, und wenn es einen gibt, dann bin ich mir nicht sicher, ob man das aufhalten kann. Die Leute zünden Feuer an, um ihre Hände zu wärmen ... Wenn man es ihnen verbietet, ein Feuer zu machen, dann wird der Schaden unmittelbar entstehen (die Hände der armen Leute bleiben kalt). Der Gewinn mag hingegen eine reine Täuschung sein.
So viele Fragen, so wenige Antworten. Die weltweite Erwärmung mag zu 90% Unsinn sein, aber man kann sich bei solchen Dingen nie sicher sein: Es steht so viel Geld und Macht auf dem Spiel, die Leute werden viel Zeit aufwenden, etwas davon zu bekommen.
*** Falsche Bescheidenheit?
Bescheidenheit ist meine einzige Tugend. Und selbst dabei bin ich unsicher ... das soll heißen, dass ich so stolz darauf bin, bescheiden zu sein ... dass ich in dieser Hinsicht schon fast arrogant bin.
Aber gelegentlich zahlt sich die Bescheidenheit aus. Vor zwei Jahren war ich überzeugt, dass die Welt im Leiterwagen zur Hölle fahren wird. Aber ich habe mich dennoch entschlossen, eine kleine widersprüchliche Wette abzuschließen – nur für den Fall, dass ich falsch liege. Ich setzte auf eine „Absicherung gegen Wohlstand“ – indem ich ein bisschen Geld in einen Reihe riskanter Unternehmen im Sektor neuer Technologien steckte (von denen ich nichts verstand ... aber ein Freund hatte ein Portfolio mit diesen.) Ich habe die Sache seither nicht mehr angesehen ... doch nachdem so viel spekulativer Staub aufgewirbelt wurde, muss es ihnen ganz gut gehen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.
*** Eine Freundin und eine CD
Endlich ist mein Sohn Jules aus dem College zurück. Mit sich brachte er zwei Dinge, von denen ich nicht wusste, dass er sie hatte: Eine Freundin und eine CD. Was die Freundin betrifft, weiß ich immer noch wenig. Sie lebt in einem anderen Teil der Stadt, ich habe sie noch nicht getroffen. Aber er hat für uns eines der Lieder auf der CD gesungen, das er selbst komponiert hat. Es war so süß ... so rein ... es brachte mir die Tränen in die Augen.
“Weißt Du”, sagte meine Frau Elizabeth später dazu. „Manche Dinge kann man nicht in einer einzigen Generation erreichen. Du hättest diesen Song vielleicht gerne selber geschrieben. Ich kann mir vorstellen, dass du so etwas gemacht hättest ... wenn du nur das geringste Talent hättest - Ich ziehe dich doch nur auf, Liebling. Aber eine Generation bringt die nächste in Gang. Jules spielt Gitarre, weil Du und Thom ihm gezeigt haben, wie es geht.“
“Und er kann sich heute mehr darauf konzentrieren als du es konntest, denn er muss sich keine Gedanken darüber machen, wo er seine nächste Mahlzeit hernehmen soll. Er ist nicht so verdammt arm, wie du es warst ... denn du hast hart gearbeitet, um das Geld zu verdienen. Also kann er jetzt etwas tun, was du nicht konntest. Du hast dein ganzes Leben damit verbracht, dich auf das Geld zu konzentrieren ... nicht nur darauf, wie du selbst es bekommen kannst, sondern auch darauf, wie andere mehr Geld bekommen können ... wie es funktioniert und so weiter. Wirtschaft ... Investitionen.”
“Nun, Jules interessiert sich überhaupt nicht für Geld – vielleicht weil er nicht muss. Er interessiert sich für Musik. Aber das wäre vielleicht nicht möglich, wenn du dich nicht so sehr für Geld interessiert hättest. Und jetzt gibt Jules uns beiden die Möglichkeit, mehr zu leben, als wir es allein gekonnt hätten ... ein Leben zu leben, dass wir nicht hätten leben können ... etwas zu sein, was wir nicht hätten sein können ... nicht direkt stellvertretend sondern ernsthaft, weil wir auf so viele Arten dazu beigetragen haben. Ich vermute das ist der Grund, warum die Leute Kindern haben ... nicht nur, weil sie ihr Leben reicher machen, sondern auch weil sie sich selbst reicher machen, falls du verstehst, was ich meine. Jede Mutter will, dass ihr Sohn aufwächst und Arzt oder Präsident wird, denn dadurch wird sie – auf nicht beschreibbare Weise – auch Ärztin oder Präsidentin.“
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