Befindet sich der Aktienmarkt vor einer Phase der Auslese?

in Insider Daily zum Thema Aktien
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die vergangenen Jahre waren für so manchen börsennotierten Konzern ebenso nervenaufreibend wie für die Aktionäre selbst. Die Wirtschaftskrise machte aus so manchem namhaften Unternehmen mit jahrzehntelanger Tradition und mehr als 30 Jahren Börsenerfahrung binnen weniger Monaten einen Pennystock - Kapitalvernichtung auf höchster Stufe. Einigen dieser Pennystocks droht nun sogar der Ausschluss von der Börse, so zum Beispiel Eastman Kodak - dazu aber später mehr. Andere Firmen wiederum spielen selbst mit dem Gedanken, sich vom Börsenparkett zurückzuziehen. Befindet sich der Aktienmarkt also vor einer Phase der Auslese? Möglich wäre es, meint zumindest Börsenrechtler Christoph Schalast. Laut dem Finanzexperten ist der Börsen-Boom vorbei. Immer mehr Firmen würden mit dem Gedanken spielen, den Aktienhandel aufzugeben.


Rückzug vom Parkett könnte schwerwiegende Folgen für Aktionäre haben

"Für viele Unternehmen ist es in absehbarer Zeit extrem attraktiv, vom Parkett zu verschwinden", erklärt Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance & Management gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Gerade für kleinere Unternehmen lohne es sich zudem nicht mehr, den Verwaltungsaufwand und die Kosten einer Börsennotierung auf sich zu nehmen.

Das so genannte Delisting könnte laut Schalast schwerwiegende Folgen für die Aktionäre haben: Sie müssen ihre Aktien verkaufen zu einem Preis, den lange Zeit allein die Unternehmen diktierten. "Das ist schlicht und einfach ungerecht, da brauchen wir klare Regularien", sagte der Börsenexperte. "Das Gesetz gibt dazu aber nichts her." Deshalb wird das Bundesverfassungsgericht sich morgen mit dem Problem beschäftigen.

Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte bereits 2002 im "Macrotron-Verfahren" zugunsten der Kleinanleger. Zudem legte er klare Kriterien für das Delisting fest: Erst wenn die Hauptversammlung zustimmt und das Unternehmen oder der Mehrheitsaktionär dem Kleinanleger ein Angebot zum Rückkauf der Aktien unterbreitet, sind die Voraussetzungen erfüllt. "Streitig ist immer die Höhe des Pflichtangebots", sagte Schalast. "Deshalb ist die unabhängige Überprüfung so wichtig."

Der Erste Senat wird am Dienstag in Karlsruhe unter anderem die Frage verhandeln, ob das Delisting wirklich die Eigentumsrechte der Kleinaktionäre verletzt. "Das ist nicht ganz unproblematisch", sagte der Finanzexperte, "die Grundrechte gelten eigentlich nur zwischen dem Staat und seinen Bürgern". Schalast geht dennoch davon aus, dass die Verfassungshüter das BGH-Urteil bestätigen werden.

Kodak: Es sieht düster aus - Insolvenz und Börsenausschluss drohen

Kommen wir zurück zu Eastman Kodak. Der traditionsreiche US-Fotokonzern will nämlich nicht freiwillig gehen, sondern steht kurz vor dem Ausschluss vom Parkett. Zahlte man Anfang der 1970er Jahre noch gut 150 Dollar für einen Kodak-Anteilsschein, waren es zu Beginn der 2000er schon nur noch 25 Dollar. Der ganz große Kurverfall kam 2007. Seitdem gelang es dem Pionier der analogen Fotografie nicht mehr, Gewinne zu schreiben. Das Zeitalter der digitalen Fotografie bedeutete für den Traditionskonzern das langsame Sterben.

Im September dieses Jahres fiel der Kurs des ehemaligen Fotoriesen erstmals unter die Marke von 1 Dollar. Doch das war noch lange nicht das Ende: Als Gerüchte laut wurden, Kodak stehe womöglich schon kurz vor der Insolvenz, ging es mit dem Kursverfall munter weiter. Aktuell notiert die Aktie bei 0,37 Dollar. Die von der New Yorker Börse eingeräumte Gnadenfrist - der Börsenwert (aktuell knapp über 100 Mio. Dollar) von Kodak muss sich demnach innerhalb eines halben Jahres berappeln, sonst droht der Ausschluss aus der NYSE - könnte sogar hinfällig werden, sollten sich die neusten Spekulationen als richtig erweisen.

Mittlerweile schließt der Fotopionier einem Medienbericht zufolge selbst einen Insolvenzantrag nicht mehr aus. Ein Antrag auf Gläubigerschutz könnte im Januar oder Anfang Februar gestellt werden, falls es dem Konzern nicht gelinge, digitale Patente zu verkaufen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Früheren Angaben zufolge wird der Wert von Kodaks Digital-Patenten auf etwa 2 Mrd. Dollar geschätzt. Der Aktienkurs ist also gefangen in einer Abwärtsspirale. Viele Investoren sind bereits geflüchtet. Von einer Trendwende mag mittlerweile kaum noch jemand sprechen, außer es gelingt Kodak die Patente schnellstmöglich zu veräußern. Aber wer sollte diese Rechte haben wollen? Auf dem Sektor der Digitalfotografie gelten andere als Vorreiter. Es spricht vieles dafür, dass hier bald der Pleitegeier kreist.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche.

Ihre

Cindy Bach

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

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